Bürgermeisterwahl : Pawlak: „Ich weiß zu 100 Prozent, worauf ich mich einlasse.“

Der Beigeordnete Joshua Pawlak will Bürgermeister von Rehlingen-Siersburg werden.

„Es ist wichtig, dass man weiß, wo man herkommt.“ Das sagt Joshua Pawlak nicht ohne Stolz auf seinen Heimatort Gerlfangen. Als Treffpunkt hat er deshalb das Dorfhaus vorgeschlagen, „weil ich hier viel gelernt habe, was mich geprägt hat“. Schon als 14-Jähriger brachte sich Pawlak aktiv in dem Mehrgenerationenprojekt ein. „Man sieht hier einfach, wie gut alle zusammenarbeiten können. Hier ist immer Betrieb, das tut dem Dorf und den Leuten gut.“

Schon als Jugendlicher war Pawlak in Feuerwehr und Vereinen aktiv, nun will der 27-Jährige Bürgermeister werden. „Ich bin da reingewachsen“, erklärt Pawlak: Seit vier Jahren vertritt er als einer von drei Beigeordneten den Bürgermeister; da Martin Silvanus seit Dezember 2017 dienstunfähig war, war das häufig der Fall, und er ist inzwischen fest in die Verwaltung eingebunden. „So konnte ich meine Projekte vorantreiben. Ich habe Themen aufgegriffen, die die Leute bewegen, und ich habe gemerkt: Das macht mir Spaß, da kann man etwas bewirken.“

In die SPD trat er 2010 ein und wurde „das rote Schaf in der Familie“, erzählt Pawlak. „Dadurch habe ich gelernt: Man kann über Inhalte streiten, aber danach kann man auch wieder normal miteinander reden.“ Parteigrenzen sind deshalb für Pawlak in seiner politischen Arbeit nicht so wichtig; eher, was man gemeinsam erreichen kann.

Die Nachricht, dass Silvanus vorzeitig aus dem Amt scheiden würde, war dennoch „ein Schock“, erinnert sich Pawlak, „das war sehr emotional.“ Seine persönliche Entscheidung, zur Bürgermeisterwahl anzutreten, sei im Februar gefallen, „nach reiflicher Überlegung“, wie er sagt. „Denn es ist kein 40-Stunden-Job. Nur auf dem Papier, man ist ständig unterwegs. Das geht nur, wenn auch die Partnerin das mitträgt.“ Die unterstütze ihn aber, ebenso ein Team aus Familie, Freunden und Arbeitskollegen.

Seit gut sechs Wochen ist er im Häuserwahlkampf unterwegs. „Bei bis zu 38 Grad ist das echt hart“, meint er, „aber die Leute sind wirklich herzlich und gastfreundlich.“ Von Politikverdrossenheit sei nicht viel zu spüren, man komme leicht ins Gespräch und er nehme auch viele Anregungen mit. „Man merkt: Die Leute machen sich Gedanken. Deshalb ist es mir auch so wichtig, mehr Bürgerbeteiligung zu schaffen, damit die Leute, die nicht in Parteien sind, sich leichter einbringen können.“

Sein großes Thema für die Gemeinde: Pawlak will eine „Dienstleistungskommune“ einrichten. Heißt: „Die Verwaltung muss zu den Bürgern kommen.“ Ob über eine App, um etwa Schäden in der Gemeinde zu melden, oder mit einem mobilen Service-Büro, das zu Älteren nach Hause kommt. „Wir müssen in manchen Bereichen einfach mit der Zeit gehen.“

Neue Gewerbe- und Wohngebiete sind dem Kandidaten ebenfalls sehr wichtig. „Wir erleben derzeit mehrfach pro Woche, dass Anrufer einen Bauplatz oder ein Haus suchen. Wir sind eine lebenswerte Gemeinde, haben die Verkehrsanbindung, ein reges Vereinsleben und mehr.“ Um der Nachfrage nachzukommen, will Pawlak schnell neue Bauflächen erschließen. Alte Häuser in den Orten sollen dabei nicht vernachlässigt werden: Neben dem gemeindeeigenen Zuschuss zur Renovierung könnte man auch in einem Kataster Leerstände erfassen und vermitteln, schlägt Pawlak vor. Für Gewerbegebiete wünscht er sich „ein aktives Marketing“: „Hier sehe ich die Kommune am Zug, Schnittstellen zu schaffen und auch eine unternehmerfreundliche Infrastruktur.“

Tourismus sieht er für die Gemeinde als große Chance. „Wir haben ein schönes Fleckchen hier und damit auch das Potenzial für Tourismus.“ Wander- und Radwege, Sehenswürdigkeiten, Campingplatz, kurze Wege in die Großregion, das zählt er dazu. Ziel müsse auch sein, Investoren, wie beim Glamping im Bliesgau, anzuziehen.

Sein Vorgänger Silvanus sei „vor allem sehr menschlich und hatte immer ein offenes Ohr für die Bürger“, findet Pawlak. Was er anders machen würde? „Es ist vieles gut gelaufen, aber Rahmenbedingungen ändern sich. Dann muss man neue Impulse setzen.“ Die Bürger mitbestimmen lassen, gemeinsam die Dörfer entwickeln – „das liegt mir am Herzen“, betont Pawlak.

Dass er ein guter Bürgermeister wäre, daran hat er keinen Zweifel: Er habe Erfahrungen gesammelt, sich Netzwerke aufgebaut. „Ich arbeite ja schon in dem Job“, sagt er und lacht. „Ich habe es geschafft, neben meinem Beruf die Verwaltung mitleiten zu können. Ich weiß zu 100 Prozent, worauf ich mich einlasse, und ich habe ein gutes Team hinter mir.“

Die Kandidaten Ralf Collmann (parteilos) und Joshua Pawlak (SPD) stellen sich am Dienstag, 28. August, bei einer Podiumsdiskussion von Saarbrücker Zeitung und Saarländischem Rundfunk den Fragen der Moderatoren und des Publikums. Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr in der Niedtalhalle im Ortsteil Siersburg.

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