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Interview mit Alma Schwarz und Kathrin Nalbach
Politik machen geht in jedem Alter

Alma Schwarz (links) und Kathrin Nalbach im Gespräch
Alma Schwarz (links) und Kathrin Nalbach im Gespräch FOTO: Barbara Scherer
Rehlingen-Siersburg/Bous. In unserer Serie „Frauen in der Kommunalpolitik“ erzählen die jüngste und die älteste Kommunalpolitikerin im Landkreis Saarlouis über ihre Tätigkeit, ihre Motivation und die Themen, die sie besonders bewegen. Von Nicole Bastong und Barbara Scherer

Zwei Frauen, zwei Gemeinderäte, zwei Lebenswege: Alma Schwarz aus Rehlingen-Siersburg ist mit 81 Jahren die älteste Frau in einem kommunalen Parlament im Kreis, Kathrin Nalbach aus Bous mit 26 Jahren die jüngste. Wie sich ihr Weg zur und ihre Arbeit in der Politik unterscheiden – und was die Gemeinsamkeiten sind – haben sie im Gespräch mit der SZ erzählt.


Frau Schwarz, Frau Nalbach: Wie ist Ihr bisheriger politischer Werdegang?

SCHWARZ Ich bin seit 2004 Ortsvorsteherin in Rehlingen und bin 15 Jahre Beigeordnete gewesen, bis 2014. Im Gemeinderat und im Ortsrat in Rehlingen sitze ich seit 1994 – ununterbrochen. Dieses Jahr habe ich das Bundesverdienstkreuz am Bande bekommen. Ich mache nicht nur meinen Dienst als Ortsvorsteherin, sondern auch viele ehrenamtliche Arbeiten nebenbei – in vielen Vereinen, ich könnte fast sagen: in allen Vereinen in Rehlingen.



NALBACH So viel habe ich leider nicht zu berichten – ich hoffe, irgendwann auch. Als in Bous im Gespräch war, dass die CDU eine Junge Union gründet, hat meine Schwester das interessiert. Damals ist mein Vater in die CDU und meine Schwester in die JU. Da war ich zehn oder elf. Ich bin, sobald es ging, in die JU gegangen. 2013 bin ich zur CDU. Und dann 2014 war die Kommunalwahl und seitdem bin ich im Gemeinderat.

Frau Schwarz, wie sind Sie in die Politik gekommen?

SCHWARZ In meinem Elternhaus ist überhaupt keine Politik gemacht worden. Mein Vater war acht Jahre im Krieg, war in russischer Gefangenschaft. Ich wusste als junges Mädchen nicht einmal, was meine Eltern wählen. Es ist nicht über Politik gesprochen worden. Dann bin ich zu meinen Schwiegereltern gekommen und da war es umgekehrt: Da wurde sehr viel Politik gemacht – SPD. Mein Mann ist Anfang der 80er Jahre in die SPD eingetreten. 1984, da war ich 57 oder 58 Jahre, ist es dann auf einmal ganz von selbst gekommen. Mir war das Soziale wichtig. Daraufhin bin ich dann zur SPD gekommen.

Waren Sie auch berufstätig?

SCHWARZ Nach dem Krieg wäre ich am liebsten aufs Gymnasium gegangen, hätte Abi gemacht und wäre dann in den Sport gegangen. Aber es hieß: Ihr müsst Geld verdienen. Ich habe in Mettlach bei Villeroy & Boch im Stiftmosaik gesessen. Ich habe die Arbeit gern gemacht – bis ich geheiratet habe.

Was waren die Themen, die Sie zur politischen Arbeit motiviert haben, Frau Nalbach?

NALBACH Vor allem die Jugendthemen, und dass Bous attraktiv ist für die Jugend und für junge Familien.

Wie sind bisher Ihre Erfahrungen im Gemeinderat?

NALBACH Die Zeit war wirklich sehr schön und ich habe viel gelernt, gerade auch von erfahrenen Mitgliedern. Klar: Man muss Zeit investieren, recherchieren, sich auf die Sitzungen vorbereiten. Ich bin im Jugendausschuss. Es kommt vor, dass zwei Sitzungen in einer Woche sind, und dann noch die Fraktionssitzungen, dann sind es drei.

Wie vereinen Sie das mit Ihrem Berufsleben?

NALBACH Bisher konnte ich das ganz gut vereinbaren, weil wir uns immer absprechen. Ich habe schon Vertretungen wahrgenommen oder andere haben mich vertreten. Jetzt warte ich mal ab, wie es in Zukunft wird.

Sie sind nicht nur eine Frau, also in Räten ohnehin schon unterrepräsentiert, sondern auch noch sehr jung. Gibt es da Vorbehalte, in den eigenen Reihen oder aus anderen Fraktionen?

NALBACH Davor hatte ich am Anfang zwar ein bisschen Angst, aber ich kann aus meiner Erfahrung sagen: gar nicht.

Was sind kommunalpolitische Themen, die Sie besonders interessieren?

SCHWARZ Es gibt sehr viele soziale Themen: Bauplätze, die in der Gemeinde angelegt werden. Dann sind es die Friedhöfe, die Leichenhallen müssen unterhalten werden. Und die Kitas sind ganz wichtig. Ich sage immer: Für die Kinder muss alles gemacht werden. Die Kinder sind unsere Zukunft.

NALBACH Mir ist es wichtig, dass in Bous etwas passiert und die Gemeinde attraktiv bleibt. Zum Beispiel, wenn es um Baugrundstücke geht und wie sie vergeben werden, aber ich finde es auch wichtig, dass man die Gewerbetreibenden unterstützt.

SCHWARZ Dann ist es noch der soziale Wohnungsbau. Und Straßenbau ist ein Thema – aber es hängt ja immer damit zusammen. . .

NALBACH . . .mit dem Geld – das größte Problem in jeder Gemeinde.

Eines der Anliegen unserer Serie ist es, mehr Frauen für die Kommunalpolitik zu begeistern. Wo sehen Sie Ansatzpunkte, wie man das schaffen kann?

SCHWARZ Es ist ganz schwer. Die jungen Frauen haben ihren Beruf, Familie, vielleicht ein Kind oder zwei. Wenn dann Sitzungen sind, fragen sie sich: Wie soll ich das schaffen?

NALBACH Deswegen finde ich es gut, wenn man sie schon jung einfängt, also durch Jugendorganisationen. Über Vereine kann man auch welche kriegen. Wenn sie merken, es gibt ein Problem, kann man sagen: Wenn du mitwirken willst, dann werde aktiv.

SCHWARZ Oder sie können, wenn ihre Kinder erwachsen sind, in der Politik aktiv werden.

Die Fragen stellten Nicole Bastong und Barbara Scherer.