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Hobby
Albert Schönwetter malt Fremersdorfer Geschichte

Albert Schönwetter aus Fremersdorf mit einer seiner Bleistiftzeichnungen. Am Samstag wurde er 94 Jahre alt.
Albert Schönwetter aus Fremersdorf mit einer seiner Bleistiftzeichnungen. Am Samstag wurde er 94 Jahre alt. FOTO: Erhard Grein
Fremersdorf. Von Erhard Grein

Albert Schönwetter, einer der aktivsten Fremersdorfer Bürger, ist am Samstag 94 Jahre alt geworden. Er entstammt einer Familie, die immer hartes Arbeiten gewohnt war: Der Vater war Bauunternehmer und bewirtschaftete zugleich mit seinen Kühen eine ansehnliche Nebenerwerbslandwirtschaft. Im Ersten Weltkrieg war er schwer verwundet worden. Albert und seine Schwester mussten schon früh mit anpacken, in der Volksschule fleißig lernen und regelmäßig die Gottesdienste besuchen.


Das dörfliche Leben mit der Prägung durch Bauern und Handwerker war vielfältig und ereignisreich. Die amtlichen Informationen kündigte der Feldschütz (Feldhüter), zugleich Dorfdiener, mit der Handschelle an. Händler und Scherenschleifer besuchten regelmäßig die Dörfer. In Fremersdorf gab es zudem eine Besonderheit: auf der rechten Saarseite zu Bietzen war der „Haltepunkt Fremersdorf“ der Eisenbahnlinie Saarbrücken – Trier. Um dorthin zu gelangen, musste man mit der Fähre in der Nähe des Schlosses die Saar überqueren. Schönwetter hat vieles im Gedächtnis behalten, zum Teil mit Bleistift und Schreibblock. Es dauerte Jahrzehnte, bis er diesen Schatz in etwa 200 Aquarellen und in Bleistiftzeichnungen für die Nachwelt festhielt.

Im Zweiten Weltkrieg war Schönwetter drei Jahre Soldat, bis er am 2. Mai 1945 in Berlin in sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. Er hatte das Glück, bereits im Herbst 1945 entlassen zu werden. Nach einer Maurerlehre besuchte er die Staatsbauschule Trier bis zum Abschluss als Bauingenieur. Ein Jahr lang war er als Ingenieur in Boulay/Moselle tätig. „Hier“, berichtet er, „habe ich meine besondere Liebe zu Lothringen gefunden.“ Jahrzehntelang war der Fremersdorfer bei der Bauaufsicht der Landeshauptstadt Saarbrücken.



Von Schönwetter ist 2014 mit der reich bebilderten Schrift „Mein Heimatort Fremersdorf“ eine informative Dokumentation erschienen. Ende 2017 folgte seine zweite Veröffentlichung: „Fremersdorf – Es lebt die Erinnerung“, ergänzt durch Erinnerungen weiterer Einwohner. Mit dieser Schrift wirbt der Autor auch für die Arbeit des „Arbeitskreises Fremersdorfer Geschichte“. Die künstlerische Handschrift des Fremersdorfers ist in vielen Schriften anderer Autoren zu finden.