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Paraple: Ästhetische Emotionen aus Pinienholz

Paraple : Ästhetische Emotionen aus Pinienholz

Die neueste Ausgabe der dreisprachigen Literaturzeitschrift „Paraple“ beschäftigt sich mit einer besonderen Künstlerin.

„Gau un Griis“, die Vereinigung zur Erhaltung und zur Pflege der moselfränkischen Mundart, unserem „Platt“, hat jetzt die Nummer 33 (2/2017) der dreisprachigen Literaturzeitschrift „Paraple“ (Französisch, Deutsch und Mundart) vorgelegt.

Als Hauptthema wurde diesmal „Fais attention à toi. Pass auf dich auf…Pass óff dich óff“ gewählt. Dieser sehr geläufige Ausdruck kann beispielsweise bei einer Änderung zu „Pass óff“ eine Wendung zu Mahnung und Drohung ergeben.

Die von Gérard Carau (Beckingen) geleitete Redaktion mit den Lothringern Jean-Louis Kieffer und Lucien Schmitthäuser und den Saarländern Harald Ley und Ursel Kerber (Saarlouis) hatte über eine Fülle von Einsendungen aus dem Saarland, anderen Bundesländern und aus Lothringen zu entscheiden.

Vertreten sind Beiträge in moselfränkisch, rheinfränkisch, luxemburgfränkisch, pfälzisch und französisch. Von den zahlreichen Autorinnen und Autoren kann hier nur ein kleiner Querschnitt geboten werden.

Anne Bies (Gerlfangen) passte nicht auf, als sie beim „Begrääfnis“ während des Totengebetes über die Verstorbene „retschte“. „Pass off, wo de hintappscht, sonscht stehscht de émm Dreck“, warnt Harald Ley. Das Polygon auf der Ensdorfer Kohlenhalde gibt, so der Siersburger Hans Gerd Dauster, „Mut dem Kranken“. Zur Demenz-Prävention meint Gérard Carau: „Pass óff dein Erénneróngen óff, se geheeren nét dir allään“. Gisela Bell warnt, „nid, dass De ins Schleidare kummschd, abstirdschd un uff da Stregg bleibschd“. Die Rodenerin Ursel Kerber meint „Et gèfft kää Garandie. Awwer aan Wónnern därf mer glääwen“.

Peter Eckert gibt bei „Kassandra positiv“ einen guten Ratschlag: „Es näägdsche Mòò: Pass hald selwer uff disch uff!“. Lothar Bauer aus Merzig-Silwingen schildert aus seinem Leben „Geschafft hunn ich eijentlich émmer wou annerscht …“.

Natürlich ist auch die Dillinger Mundartdichterin Marlies Böhm im neuen „Paraple“ vertreten. Sie warnt unter anderem vorm Lauschangriff: „Se beschbitzeln sich, se häcken én de Kompiudern.“

Eine besondere Bereicherung der neuen Ausgabe der Literaturzeitschrift sind die künstlerischen Arbeiten von Natacha Heitz, 1978 in Paris geboren und in Heckling bei Bouzonville aufgewachsen. Die in hohem Maße naturverbundene Künstlerin widmet sich dem „Schaffen ästhetischer Emotionen“. Sie absolvierte ökologische Studien an französischen Universitäten und arbeitet als Naturschützerin (Spezialgebiet „Zusammenleben von Wölfen und Viehherden“) in den französischen Alpen. Als Künstlerin bearbeitet sie die besonders wertvolle Combre-Pinie ihrer Alpenregion. Das Holz wird gedrechselt und sorgfältig dosiert mit dem Bunsenbrenner behandelt. Je nach Behandlung beginnt es aufzubrechen oder sich zusammenzuziehen. Dies erzeugt die außergewöhnlichen Effekte. Im „Paraple“ wurden einige der „knisternden“ Hölzer aufgenommen. Naturaufnahmen steuerte Stanislas Klemm (Wadgassen) bei.

Vor genau 90 Jahren machte der Journalist und Romancier Joseph Roth eine Reise von Paris in das damalige „Saargebiet“. Von einem Zwischenaufenthalt gibt es einen sehr interessanten „Blick auf Metz“. Ehrhart Linsen (Saarbrücken) macht über den „Schwenker“ einen köstlichen Sprachvergleich zwischen dem Englischen und dem Saarländischen. Laurent Mayer (Bambiderstroff) befasst sich mit dem lothringischen Pfarrer, Dichter und Liedermacher Louis Pinck (1873-1940), ergänzt durch Illustrationen von Henri Bacher. Nicht zu vergessen im jüngsten Heft: Gérard Carau ließ seine Reise vor 50 Jahren „Vo Beckingen nò Saarlui iwwer Bolchin nò Metz“ Revue passieren.

„Paraple“ kostet acht Euro und ist in den Buchhandlungen Pieper in Saarlouis und Bock&Seip in Merzig und bei „Gau un Griis“ in Bouzonville erhältlich.