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Präzise und furios an den Saiten

Präzise und furios an den Saiten

Saarlouis. Wolfgang Mertes gehört zu den Künstlern, die sich im Jazz ebenso beheimatet fühlen wie in der Klassik. Seit 1999 ist der 43-jährige Saarländer Erster Konzertmeister des Saarländischen Staatstheaters

Saarlouis. Wolfgang Mertes gehört zu den Künstlern, die sich im Jazz ebenso beheimatet fühlen wie in der Klassik. Seit 1999 ist der 43-jährige Saarländer Erster Konzertmeister des Saarländischen Staatstheaters. Ebenso leidenschaftlich spielt der Geiger und Trompeter mit dem eigenen Merlion Electric-String-Quartett, seiner Cross-over-Gruppe "Jazz à la française", in der "Bongos Big Band" seines Vaters und zahlreichen Salsa-Bands. Er gehört zur Elite des Cross over. Somit gelang Wolfram Schmitt-Leonardy, Leiter der TonArt Saarlouis, die ideale Besetzung für das zweite Konzert der TonArt-Saison am Sonntagabend.Mit Bravour nahm sich Mertes der "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi und Piazzolla an, und das Kammerorchester (16 Streicher und Cembalo) unter der sicheren Leitung von Daniel Huppert war ihm ein verlässlicher Partner.Präzision und Virtuosität des furiosen Geigers, der sich ebenso zart besaitet zeigte, und der jungen Orchestermitglieder bestachen. Glänzend bewältigten sie die Wechsel von ruhigen, innigen Passagen zu extrem schnellen Tempi und dramatischen Ausdrucksformen. Faszinierend die Versiertheit Mertes' und seiner Streicherkollegen, die mit Bravour alle Effekt heischenden Spieltechniken beherrschen. So waren sowohl hinreißende Pianissimi zu hören als auch forcierte Tonpassagen.Mit großer Spielfreude kehrten die Musiker nach außen, was der Komponist seinen bildkräftigen Konzerten über Kuckuck, Turteltaube, den schlafenden Ziegenhirten und das schöne Landleben einschrieb. Doch "Die vier Jahreszeiten in Buenos Aires" stehen Vivaldis prachtvollem Zyklus nicht nach. Allerdings orientiert sich Piazzollas Werk an der Sprache des für den argentinischen Komponisten typischen Tango Nuevo. Er spielt nicht nur durch den Titel dezent auf "Le quattro stagioni" von Vivaldi an, sondern verweist mit Motiven daraus in ironischer Weise auf die Musikgeschichte.Den steten Wechsel von Legato und Staccato, der auch Piazzollas Meisterwerke auszeichnet, interpretierten Solist und Orchester mit einem Schwung, der Funken bis ins Parkett des gut besuchten Theaters am Ring schlug.