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Platane am Orannaheim Beaumarais erinnert an Erziehungsheim Mädchen

Registrierungspflichtiger Inhalt: Serie Naturdenkmäler im Landkreis Saarlouis : Ein Prachtstück von Platane mit in die Höhe ragenden Zwillingen

In unserer Serie stellen wir Naturdenkmäler des Landkreises Saarlouis vor. Diesmal geht es um die Platanen am Orannaheim.

Am Eingang zum ehemaligen Mädchenerziehungsheim in Beaumarais, an der Wallerfanger Straße, steht eine besondere Platane. Das Gebiet, in dem sie einst gepflanzt worden war, hat sich enorm verändert. Heute stehen hier Neubauten.

Ein Erziehungsheim für Mädchen, das erscheint als ein Begriff aus alten Tagen, wobei Kinderheime in den kriegerischen Jahren der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts dringend nötig waren. Flüchtlinge, Kriegswaisen, Armut – Gründe für einen Heimplatz gab es viele. Die Unterbringung und ihre Methoden würden heute sicher kritisch gesehen.

Die Platane, die Naturdenkmal ist, erinnert auch an dieses Heim. Denn im Register des Landesamtes für Umweltschutz wird sie als „Platane am Mädchenerziehungsheim“ gelistet. Der Baum ist ein Prachtstück, der Stamm gabelt sich in zwei mächtige Hauptäste, die wie Zwillinge in die Höhe ragen. Platanen sind klassische Parkbäume, bilden Alleen und stehen an markanten Plätzen. Vor dem Mädchenheim muss so ein Platz gewesen sein. Als der Baum wegen seines Schutzstatus’ nicht mehr angetastet werden durfte, entstand ein Neubaugebiet um ihn. 14 Einfamilienhäuser durften gebaut werden. Bei der Planung gab es bereits Streit um die Bäume, vor allem am Rand war es zu illegalen Fällungen gekommen; der Stadtrat missbilligte das und verhinderte bei der Umsetzung der Pläne, dass der Investor daraus einen Nutzen ziehen konnte. Die Platane tastete niemand an. Heute wird mit dem alten Baumbestand sogar geworben.

Die Platane ist der prächtigste Baum im Areal des Orannaheims, das 1950 von den Josefschwestern geführt wurde und einst 60 Mädchen zwischen 13 und 18 Jahren in einer geschlossenen Einrichtung mit Heimsonderschule betreute. In den 90ern, das Heim war längst aufgegeben, lebten hier Flüchtlinge, 2008 wurde das Gebäude abgerissen. Der Weg für ein Neubaugebiet war frei. Als Straßenname wählte man „Am Schloss Herpin“. Da stand zwar nie das, was man unter einem Schloss versteht, sondern eine Villa aus dem 19. Jahrhundert.