1. Saarland
  2. Saarlouis

Paketzusteller müssen in der Corona-Pandemie mehr Sendungen zustellen

Paketzustellung im Kreis Saarlouis : Pakete, Pandemie und dennoch persönlich

Ja, ist denn heut’ schon Weihnachten? Das denken sich derzeit zumindest die Paketboten. Corona bedeutet auch für sie eine Herausforderung.

Wäre nicht schon Anfang Mai und die Außentemperatur auf dem gefühlten Sprung zum Sommer, es wäre Weihnachten. Zumindest bei den Paketzustellern. Neun Millionen Päckchen pro Tag stellt die Post-Tochter DHL zurzeit bundesweit zu. Ein Zustand wie sonst im Advent, wenn Geschenkartikel in ganz Deutschland ihren Weg zu den Beschenkten finden müssen. Jetzt in der so gar nicht stimmungsvollen Pandemie wird nicht minder stark geordert. Und so ist auch im Saarland die Zahl an zuzustellenden Paketen angewachsen.

„Wir haben 40 neue Zusteller im Saarland eingestellt. Und wir suchen weitere. Wir brauchen weitere“, sagt Heinz-Jürgen Thomeczek, Pressesprecher der Deutschen Post. Die Neuen unterstützen die rund 2000 Verbundzusteller im Saarland. Trotz vieler Pakete, die ausgeliefert werden müssen, kann DHL hier das Sendungs-Aufkommen bislang bewältigen: „Wir haben weitreichende Unterstützung von Abrufkräften, zum Beispiel von Studenten“, erklärt Thomeczek.

Zurzeit nutzen mehr Bürger Onlinehandel, das sorgt bei den Zustelldiensten für Hochbetrieb. Foto: dpa/Bernd Wüstneck

Die zusätzlichen Sendungen sind vor allem Online-Bestellungen. Dabei hat sich auch die Sendungsart geändert, meint der Pressesprecher: „Friseurartikel, Tierfutter und auch Wein werden verschickt. Alles Sachen, die sonst nicht in dieser Menge zugestellt werden.“ Anders als gewohnt sind in der Pandemie auch die Zustellungszeiten. „Da in den Betriebsstätten das Personal verringert wurde, um so das Einhalten der Abstandsregeln und Hygienevorschriften gewährleisten zu können, können die Pakete erst später ausgefahren werden“, erklärt Thomeczek.

Die Zustellung selbst erfolgt in der Corona-Zeit kontaktlos. Wurde die Sendung nicht bereits an eine Paketstation geordert, klingelt der Paketbote beim Empfänger. Nimmt der das Paket an, unterschreibt der Zusteller nach Rücksprache mit dem Empfänger und legt das Paket zur Annahme an die gewünschte Stelle. „Der Kontakt zum Kunden ist so notwendigerweise gering und doch persönlich“, sagt Thomeczek und meint: „Viele Kunden bedanken sich bei den Boten.“ Er sieht den Beruf des Zustellers auf einem Hoch der Wertschätzung angekommen.

Sebastian Kaltofen, Pressesprecher des Paketzustellers Hermes, schätzt, dass derzeit in ganz Deutschland rund 40 Prozent mehr Pakete von Hermes gebracht werden als üblich. „Eine Zahl an Paketen wie sonst in der Weihnachtszeit.“

Kaltofen spricht von großer Verantwortung in der schweren Zeit. „Keiner unserer Zusteller soll unter den erschwerten Bedingungen leiden“, sagt er. Etwa 12 000 Zusteller sind für Hermes in ganz Deutschland im Einsatz. Kontaktloses Überstellen der Pakete ist bei Hermes in der Krise die Norm. „Prognosen, ob es noch mehr Pakete werden, will ich keine geben. Das ist so unvorhersehbar wie die Entwicklung der Krise.“

Beim Zusteller GLS ist das Aufkommen an Paketen ebenfalls gestiegen. „Privatkunden bestellen momentan viel“, erklärt Anne Putz, Pressesprecherin bei GLS. Dementsprechend fahren die Mitarbeiter des Zustellers mehr Touren. Trotzdem meint Putz: „Unser Netzwerk ist so flexibel, dass wir unseren Versorgungsauftrag auch jetzt erfüllen können.“

Auch die Fedex-Express-Unternehmensgruppe, zu der auch TNT Express gehört, teilt mit, dass die Auswirkungen der erschwerten Zustellsituation gering gehalten werden könnten. „Wir verfügen über 47 Jahre Erfahrung im Umsetzen von Notfallplänen“, verdeutlicht ein Sprecher des Unternehmens.

Der Paket-Dienstleister DPD hat in der Pandemie „zwei gegenläufige Entwicklungen“ zu verzeichnen, wie Unternehmenssprecher Sebastian Zeh erklärt. „Während das Paketvolumen für Privatempfänger gestiegen ist, ist dasjenige für gewerbliche Kunden gesunken. Beides hat sich in etwa die Waage gehalten“, sagt Zeh.

Mit seinen rund 11 000 Zustellern in ganz Deutschland ist das Unternehmen mit dem Paketaufkommen in der Corona-Krise gut zurechtgekommen und stellt kontaktlos zu. „Zustellungen an Sonntagen fänden wir als zusätzliche Option für die Kunden hilfreich, notwendig seitens unseres Unternehmens ist sie nicht“, meint Zeh. Seit Mitte April zeichne sich ohnehin eine Entwicklung hin zur Shopping-Normalität ab. „Statt Hygieneartikeln und haltbaren Lebensmitteln werden wieder verstärkt Kleidung und Schuhe bestellt“, verdeutlicht Zeh. Ob es sich um eine langfristige Entwicklung handelt, sei aber nicht einschätzbar.