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Kreis Saarlouis
Neues Grüngut-Konzept: Für viele zu kompliziert und zu teuer

Kreis Saarlouis . Von Dimitri Taube

Undurchdacht, zu kompliziert und vor allem zu teuer – so lautet in den meisten Rathäusern des Landkreises Saarlouis das Urteil über das neue Grüngut-Konzept des Entsorgungsverbandes Saar (EVS). „Das lässt sich so schnell nicht umsetzen“, sagt zum Beispiel der Überherrner Bürgermeister Bernd Gillo. Er habe Zweifel, ob das Ganze überhaupt richtig funktionieren werde. Da ist er nicht der einzige.


Grund für die Kritik ist ein Gesetz der Landesregierung, das die Grünschnitt-Verwertung regelt (die SZ berichtete). Demnach sind ab dem 1. Januar 2018 die Kommunen nur noch für das Sammeln des privaten Grüngutes zuständig. Abfuhr und Verwertung übernimmt der EVS – und stellt dann diese Leistung Städten und Gemeinden in Rechnung. Die Folge: Auf die Bürger kommen höhere Gebühren zu.

„Das wird erheblich teurer“, sagt Gillo. Um mehr Zeit zu haben, hat seine Gemeinde wie 20 weitere Kommunen im Saarland eine Zwei-Jahres-Option gezogen. Überherrn muss erst ab dem 1. Januar 2020 den privaten Grünschnitt an den EVS übergeben. Von 13 Kommunen im Landkreis lassen neun die Frist verlängern; neben Überherrn auch die Städte Lebach und Saarlouis sowie die Gemeinden Saarwellingen, Nalbach, Rehlingen-Siersburg, Ensdorf, Bous und Schwalbach. Ab dem 1. Januar 2018 gilt die neue Regel lediglich in Dillingen, Wadgassen, Wallerfangen und Schmelz.



Während der Wadgasser Rat eine Gebührenerhöhung beschlossen hat (Erhöhungen bis zu 300 Prozent, SZ vom 20. Dezember), wird in Dillingen, Wallerfangen und Schmelz noch kalkuliert. Neue Gebührensatzungen soll es bis spätestens März geben, wenn die Grünschnitt-Saison begonnen hat. Bis dahin gelten Übergangslösungen. In Schmelz beispielsweise ist bislang die Firma Arweiler für den Grünschnitt zuständig. Sie bleibt es auch bis zum 1. März. Dann soll eine neue Grüngutsammelstelle in Betrieb gehen.

Die anderen neun Kommunen haben länger Zeit, eine Lösung zu finden. Diese Zeit benötige man auch, findet Bürgermeister Gillo. „In Überherrn überlegen wir jetzt, wie es in der Übergangszeit laufen soll, um ab 2020 ein funktionierendes System zu haben.“ Eine Änderung steht schon fest: Bürger der Gemeinde erhalten demnächst Legitimationskarten. Das heißt: Wer aus einer anderen Kommune in Überherrn Grünschnitt entsorgen will, wird künftig abgewiesen.

Gillo kritisiert sowohl Landesregierung als auch EVS. Es sei nicht darüber nachgedacht worden, wie es jeweils vor Ort laufe. Michael Klein, Umweltamtsleiter in Nalbach, sagt: „Unser System hat bestens funktioniert – jetzt kommt eine Wahnsinnsumstellung.“ Bettina Fliedner, Umweltbeauftragte in Saarwellingen, befürchtet, dass künftig mehr Grünschnitt im Wald landet. Eine Sorge, die andere Kommunen teilen. Dabei ist die illegale Entsorgung bereits jetzt ein Problem. „Von unserem Bauhof werden immer mehr Wildablagerungen aufgesammelt“, sagt Gillo.

Doch es gibt nicht nur Kritik am neuen EVS-Konzept. Die Stadt Saarlouis sieht auch Vorteile. In einer Stellungnahme heißt es: „Die Grüngutverwertung in der vorgesehenen Form wird eine ökologische Verbesserung mit sich bringen, weil derzeit längst nicht alle Kommunen den hohen Standard wie zum Beispiel Saarlouis oder Saarbrücken haben. Zudem wird eine Biomassenverwertung mit eingeführt, was eine erhebliche Verbesserung darstellt.“