Neuer Unverpackt-Laden in Saarlouis geplant

Kostenpflichtiger Inhalt: Neuer Laden geplant : „Es geht auch ohne Plastik“ - Unverpackt wollen im Saarland expandieren

Lena Reichert und Nicki Herl wollen einen eigenen Unverpackt-Laden in Saarlouis eröffnen. Ein Crowdfunding soll dabei helfen.

Sie sind jung, idealistisch und sie haben ein festes Ziel vor Augen: Lena Reichert aus Nalbach und Nicki Herl aus Merzig wollen spätestens im kommenden Sommer ihren eigenen Unverpackt-Laden in der Saarlouiser Innenstadt eröffnen. Dazu haben sie eine Online-Sammelaktion (Crowdfunding) auf der Plattform Startnext.de gestartet, bei dem sie finanzielle Unterstützer für ihr Projekt suchen.

Seit 31. Oktober läuft das Crowdfunding, und nach knapp zwei Wochen haben sie schon über 11 500 Euro gesammelt. Ihr Ziel von 25 000 Euro bis 15. Dezember zu erreichen, betrachten Lena und Nicki als realistisch: „Wir freuen uns sehr über den großen Zuspruch.“ Das Geld wird übrigens nur an die beiden ausgezahlt, wenn die Summe komplett erreicht wird; schaffen sie ihr Ziel nicht, erhalten die Unterstützer ihr Geld zurück. Mit der Spendensumme wollen die künftigen Geschäftsführer ihre Ladeneinrichtung finanzieren sowie den Umbau, die Kasse und den ersten Warenbestand. Ihr Projekt „Unverpackt Saar“ hat ein klares Ziel: „Bei uns geht es um die Vermeidung von Müll, den bewussten Umgang mit Ressourcen und um den Grundsatz: Kaufe nur soviel wie du benötigst“, fasst die 21-jährige Lena zusammen. Sie wollen zeigen: „Es geht auch ohne Plastik.“

Vor ihrer Idee stand ihr eigenes Umdenken: „2017 haben wir zusammen in Merzig gewohnt, da wird der Müll gewogen. Da ist uns zum ersten Mal bewusst geworden, wie viel Müll wir produzieren“, erzählt Lena, „und wir haben überlegt, wie wir das reduzieren können.“ Nicht nur aus Kostengründen, betont sie, auch aus ökologischen. „Bei Obst und Gemüse war es noch einfach, das haben wir vorher schon oft im Hofladen gekauft.“ Bei Nudeln, Müsli oder Käse sei das schon schwieriger. „Auch die Menge ist immer ein Problem, man kauft in der Packung meist mehr als man braucht.“

Die Beiden begannen, auch ihren Konsum zu hinterfragen. „Unser Lebensttil hat sich komplett gewandelt“, stellt Lena fest. Sie suchten einen Unverpackt-Laden und fuhren bald regelmäßig nach Trier. Dort lernten sie den Betreiber Sebastian Würth kennen, der aus Siersburg stammt und 2016 „Unverpackt Trier“ eröffnet hat (die SZ berichtete) – und immer noch erfolgreich führt. So reifte die Idee, einen eigenen Laden in unserer Region aufzumachen, erklärt Lena: „Sebastian hat inzwischen viel Erfahrung und kann uns da mit Wissen unterstützen.“

Die 21-jährige Lena beendet im Dezember ihre Ausbildung im mittleren Justizdienst, der 24-jährige Nicki macht in Merzig eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Als Geschäftsführer wollen sie im Laden präsent sein, „aber unsere Jobs erstmal nicht ganz aufgeben“, verrät Lena. Der Standort Saarlouis Innenstadt steht für die beiden aber schon fest. „Sowohl der Landrat als auch die Stadt haben uns mit offenen Armen empfangen“, erzählt Lena, „die Wirtschaftsförderung unterstützt uns derzeit bei der Ladensuche.“

Inzwischen gibt es in Deutschland über 130 Unverpackt-Läden, vor allem in größeren Städten. Der Kunde bringt dort eigene Behälter mit und kann sie aus einer Schütte mit genau der Menge befüllen, die er benötigt; an der Kasse wird gewogen. Es geht nur um das Produkt an sich, keine schicke Verpackung oder Werbung verführt zum Kauf, erklärt Lena: Dadurch landen weniger Lebensmittel im Mülleimer, weil sie verdorben sind, hat sie selbst erfahren. Müll vermeiden, vor allem Plastik, ist eines ihrer Ziele im Laden. „Wir können natürlich auch nicht komplett auf Plastik verzichten – aber da, wo es nicht sein muss“, erklärt Nicki. So wird die Ware etwa in großen Gebinden angeliefert, in kleinen Mengen unverpackt weiterverkauft. Aber auch „Qualität, Regionalität und faire Bedingungen in der Produktion“ sind den künftigen Betreibern wichtig. „Wir wollen niemanden missionieren. Aber jeder Einzelne kann etwas ändern“, sind beide überzeugt.

Lena hat sich auch der „Initiative Nalbach Nachhaltig“ angeschlossen. „Dort habe ich gemerkt, dass viel mehr Leute sich für das Thema Unverpackt oder alternative Verpackungen interessieren als ich gedacht habe.“ Auch Familie, Arbeitskollegen und Freunde der beiden waren schnell überzeugt, berichten beide: „Das Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt immer mehr Leute“, stellt Nicki fest. Andere tun ihre Idee als „Spinnereien“ ab, weiß Lena: „Gegner gibt es immer. Man kann nicht alle erreichen, aber zumindest denen, die unverpackt einkaufen wollen, eine Möglichkeit bieten.“ Und Nicki ist sich sicher: „Wir werden in ein paar Jahren ein flächendeckendes Netz aus Unverpackt-Läden haben, wir wollen jetzt in Saarlouis den Anfang machen.“

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