Zirkus lebt von Tieren

Nalbach. An diesem Morgen präsentiert sich der Zirkus Liberty von seiner beschaulichsten Seite. Drinnen im Zelt, wo später die Tiere ihre Runden drehen, riecht es nach frischen Holzspänen, mit denen die Manege eingestreut ist. Draußen in den Unterständen genießen Ponys und Kamele, Ziegen und Kaninchen den sonnigen Frühlingstag

 Francesco Weiß und zwei seiner Kamele. Foto: Rolf Ruppenthal

Francesco Weiß und zwei seiner Kamele. Foto: Rolf Ruppenthal

Nalbach. An diesem Morgen präsentiert sich der Zirkus Liberty von seiner beschaulichsten Seite. Drinnen im Zelt, wo später die Tiere ihre Runden drehen, riecht es nach frischen Holzspänen, mit denen die Manege eingestreut ist. Draußen in den Unterständen genießen Ponys und Kamele, Ziegen und Kaninchen den sonnigen Frühlingstag. Ein Wärter bringt mit Bürste und Striegel das Fell der Reittiere in Form, damit es später schön glänzt.

Doch Tierrechtler sehen den Zirkus kritisch. Sie prangern die angeblich nicht artgerechte Haltung der Tiere an und rufen unter dem Motto "Kein Applaus für Tierquälerei" am Sonntag, 15 Uhr, zur Mahnwache vor dem Zirkus auf.

Junior-Chef Francesco Weiß führt den Gast von der Zeitung zu den Kamelen: "Das ist Simba, den können Sie ruhig anfassen." In der Tat, Simba lässt das Kraulen an der Wange zu, ohne mit der Wimper zu zucken. Dennoch schaut das sechsjährige Kamel leicht misstrauisch, ganz so, als möchte es zum Ausdruck bringen: "Also, Sie wollen Journalist sein, na, ich weiß nicht."

Der Zirkusmann macht den Besucher, der gleich zu Anfang mit der Frage nach den Tierschutzbestimmungen in den Wohnwagen geplatzt war, auf den offenkundig tadellosen Zustand der Vierbeiner aufmerksam: "Wir leben mit und von den Tieren; was wäre mit uns, wenn wir die Tiere nicht hätten?" Damit macht er klar, dass alle Zirkusleute hier auf die Kamele und Pferde, die Ponys und Ziegen, angewiesen sind. Nur indem sie sie als Attraktion in der Manege einsetzen, können sie ihren Lebensunterhalt verdienen. Insofern ist auch der Zirkus Liberty darauf bedacht, dass die Tiere alle erforderliche Zuwendung des Menschen kriegen.

Trotz der rundum idyllischen Eindrücke weist Vater Günther Weiß, der das Familienunternehmen in der dritten Generation führt, auf die immer schwierigere Situation der Wanderzirkusse hin. Es gebe kaum noch Gemeinden, die über Plätze verfügten, wo man Zelt, Unterstände und Wohnwagen unterbringen könne. Denn viele Flächen seien versiegelt, so dass man auch die für das Zelt erforderlichen Erdnägel nicht in den Boden schlagen könnte. Trotzdem, das Zirkusleben geht weiter. Auch der Nachwuchs, Leanne, 3, und Chantal, 8, zeigt schon Talent für die Manege. Chantal übt Bodenakrobatik, und Leanne interessiert sich sehr für die Kamele.

Die Vorstellungen in Nalbach: Samstag und Sonntag um 16 Uhr; Montag um 15 Uhr.

 Francesco Weiß und zwei seiner Kamele. Foto: Rolf Ruppenthal

Francesco Weiß und zwei seiner Kamele. Foto: Rolf Ruppenthal

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort