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Wüstenkrieger schicken die Frauen

Wüstenkrieger schicken die Frauen

St. Wendel/Nohfelden/Tholey/Nonnweiler. Statt mit einem Sandsturm hatten die Narren in Nohfelden mit einem Schneesturm zu kämpfen. Deshalb verlegten sie die Erstürmung kurzerhand ins Rathausfoyer. Das Motto hieß aber weiter "Orient". Und so nahmen jede Menge Haremsdamen des KKV Eisen Bürgermeister Andreas Veit gefangen

St. Wendel/Nohfelden/Tholey/Nonnweiler. Statt mit einem Sandsturm hatten die Narren in Nohfelden mit einem Schneesturm zu kämpfen. Deshalb verlegten sie die Erstürmung kurzerhand ins Rathausfoyer. Das Motto hieß aber weiter "Orient". Und so nahmen jede Menge Haremsdamen des KKV Eisen Bürgermeister Andreas Veit gefangen. Dazu sagte KKV-Präsident Helmut Jenet: "Man sagt, der Wüstenkrieger ist faul und schlau - drum schickt er lieber seine Frau." Diesen Hinweis nahm die Vorsitzende Kerstin Molter-Jenet dankbar an: "Unsere Wüstenkrieger sind zu Hause geblieben, wir wollen Sie mit unserem Charme besiegen." Und so leistete Scheich Veit auch keinen Widerstand und rückte den Rathaus-Schlüssel bereitwillig heraus. Da konnte er auch das Programm im Ratssaal, das die Narren aus Nohfelden gestalteten, genießen.Die Rathausverteidigung "Die Griffelspitzer" hatten keine Chance in St. Wendel. Sie und weitere 500 Narren mussten am Donnerstag miterleben, wie Bürgermeister Klaus Bouillon unter den Klängen der "Guggemusigg" aus Kirchhardt verhaftet und entmachtet wurde. Konfetti und Schneeflocken kamen bunt gemischt vom Himmel. Dem Rathauschef nutzte es nichts, sich als Napoleon zu verkleiden. Das Kinderprinzenpaar Roman I. und Jana I. erkannte ihn und legte ihm eine Kette an. Hans Gerecht vom Ochsitorium verlas dem "Meisterbürger" die Anklageschrift. Darin stand, dass die Autofahrer sich beschwert hätten, weil sie bald einen Kreiselführerschein brauchen. Eine Laufveranstaltung im vergangenen Jahr seine eine Pleite gewesen, und überall in der Stadt gebe es Baustellen. Aber der Klaus konterte mit neuen Vorhaben. Er will die Schienen ab- und einen Flugplatz neubauen, außerdem zu einem Wirtschaftsförderungslauf ("Von Wirtschaft zu Wirtschaft") einladen. Die Besser-Vanessa-Kandidatin sei zwar lieb und nett, aber Angela Merkel für ihn eher eine Herausforderung bei der Bürgermeisterwahl gewesen. "Deshalb hat der Schnaps heute auch 85,1 Prozent", rief er den Narren zu. Das Strafmaß: bis Aschermittwoch schmachten bei Wasser und Brot - dazwischen auch mal ein Bier.

Eisiger Wind wehte am Donnerstagabend um das Rathaus in Tholey. Auf dem kleinen Balkon des Verwaltungsgebäudes blickte Häuptling Hermann Josef Schmidt mit seinen Indianern, den Ortsvorstehern und Beigeordneten, auf die große Narrenschar vor dem Eingang. Die Böllerkanone verschoss lautstark Konfetti. Alle Karnevalsvereine aus der Gemeinde waren mit ihren Garden, Prinzenpaaren und Elferräten angetreten, um die Macht im Rathaus zu übernehmen. Die Narren schunkelten zu den Stimmungsliedern des Musikvereins Hasborn-Dautweiler. Klaus Eckert, Präsident der Karnevalsgesellschaft Tholey, hieß alle willkommen. Esther Schu vom Karnevalverein Hasborn-Dautweiler verlas die Anklageschrift aus den Ortsteilen. Da ging es um die Forderung nach neuen Bauplätzen in Lindscheid ebenso wie um die Wirtschaftspolitik in Hasborn. Häuptling Schmidt wies Klagen zurück, versprach aber auch Besserung. Allein es nützte ihm nichts. Er wurde mit den Beigeordneten und Ortsvorstehern entmachtet und ins Mauritiushaus geführt. Dort ist der traditionelle Treff der Garden. Und dort war es viel wärmer als vor dem Rathaus.

Christina Stock und Ines Meiser (Tanzgarde Scheuern) jubeln vorm Rathaus. Auf dem Balkon stehen Hermann Josef Schmidt (von links), Helmut Rauber, Elisabeth Biewer, Stefan Hubertus, Marie-Louise Hörning, Klaus Peter Moutty und Dietmar Lauck.
Das Kinderprinzenpaar Roma I. und Jana I. führt Klaus Bouillon in Ketten ab. Fotos: Bonenberger.

"Bürgermeister, es ist so weit, mach dich für den Ausmarsch bereit", forderte am Fetten Donnerstag der Sitzungspräsident der KG Nonnweiler, Michael Kraus, und klopfte heftig an die Rathaustür. Ihre Hoheiten, Prinz Jürgen III. und Prinzessin Britta I., und das Kinderprinzenpaar Prinz Maximilian I. und Prinzessin Stephanie I., begleitet von Gardemädchen, Elferräten und närrischen Untertanen, hatten sich vor dem Gebäude zum Regierungsumsturz. versammelt. Im Schneegestöber erteilte das Prinzenpaar ihren Truppen den Feuerbefehl. Drei Böller-Salven knallten die Schützen vom "Falkenauge" Otzenhausen ab, bis Hans-Uwe Schneider als Hippie mit hochgehaltenem Peace-Zeichen raus kam. "Doch Aschermittwoch müsst ihr raus, dann herrscht wieder Ordnung im Haus", knurrte der abservierte Rathauschef. Nach der Schlüsselübergabe überließ er ihnen sein Rathaus und lud das jubelnde Narrenvolk zu einem Sektempfang ins Mehrgenerationenhaus ein. Unter den Klängen der Kolpingkapelle Nonnweiler-Bierfeld zogen die Faasebòòze schunkelnd die Straße entlang und feierten ausgelassen die Machtübernahme. him/vf/gtr/frf