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Vor Jahr und Tag
Voller Einsatz mit Herzblut und Offenheit

Veronika und Hans-Jürgen Walmroth aus Nalbach haben durch ihr ehrenamtliches Engagement sehr viele neue syrische Freunde gefunden.
Veronika und Hans-Jürgen Walmroth aus Nalbach haben durch ihr ehrenamtliches Engagement sehr viele neue syrische Freunde gefunden. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Nalbach. Veronika Walmroth aus Nalbach ist für viele syrische Flüchtlinge zu einer Helferin in der neuen Heimat geworden.

Egal, welches Problem bei dem 17-jährigen Mohamet und seiner Familie auftaucht, der erste Anruf gilt Veronika Walmroth aus Nalbach. Und die ist niemals böse, egal zu welcher Uhrzeit, sie und ihr Mann Hans-Jürgen stehen für Fragen und Probleme aller Art rund um die Uhr als Ansprechpartner bereit. „Selbst als mein Vater sehr krank war, haben wir zuerst sie angerufen, und sie hat den Krankenwagen bestellt“, sagt der Oberstufenschüler. Seit Dezember 2015 ist der Jugendliche mit seinem Vater in Deutschland, Mama und Schwester kamen im Januar 2017 nach. Wenn Mohamet, der an die Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule Dillingen im Schuljahr 2016/17 den besten Hauptschulabschluss absolviert hat und mittlerweile den Schritt in Klasse elf geschafft hat, erzählt, erkennt man sofort: Mohamet ist mit der deutschen Sprache, aber auch mit den Gepflogenheiten seiner neuen Heimat absolut vertraut.


„All das habe ich Frau Walmroth zu verdanken“, sagt er. „Und sie hat Bock darauf, das zu tun.“ Von Anfang an habe sie ihn mitgenommen und dabei einfach nur deutsch gesprochen. „Und natürlich auch mit Händen und Füßen“, erzählt sie.

Vor einem Jahr haben wir das Nalbacher Ehepaar, das auch als Saarlands Beste nominiert war, schon einmal besucht. Zum Wiedersehen gab es auch diesmal ein Hallo mit ihrer syrischen Zweitfamilie. „Sie alle sind meine Kinder“, sagt Walmroth zufrieden. Denn die Männer hat sie zum großen Teil in Arbeit gebracht, die Frauen besuchen Sprachkurse, der Nachwuchs ist in Kindergarten und Schule integriert.



Wie auch im vergangenen Jahr ist Veronika Walmroth vor allem mit der Wohnungssuche und der Einrichtung beschäftigt. Unzählige Besuche bei Behörden, aber auch Klinkenputzen bei potentiellen Arbeitgebern, all das nimmt die 70-Jährige auf sich, um den Familien, aber auch alleinstehenden Männern, bestmöglich beim Start in Deutschland zu helfen. „Ich bin mit zur Jobbörse nach Saarbrücken, habe einige zu ihren Vorstellungsgesprächen außerhalb des Saarlandes begleitet“, erzählt die Seniorin. Besonders stolz ist sie auf einen Chemiker, dem sie einen gut bezahlten Arbeitsplatz in Köln vermitteln konnte.

„Aber sie wäre nicht Veronika Walmroth, wenn sie nicht auch dafür gesorgt hätte, dass der Mann inklusive einer kompletten Wohnungseinrichtung umgezogen wäre“, betont Marie-Therese Zimmer. Auch sie engagiert sich im benachbarten Diefflen als Ehrenamtliche in der Flüchtlingsarbeit, betont, dass ohne die Kontakte und das Wissen der Walmroths vieles gar nicht möglich sei.

Mohamet ist glücklich über ihre Hilfe in allen Lebenslagen, aber vor allem lobt er ihre offene Art. „Wir werden in Syrien als Flüchtlinge ebenso beschimpft wie in Deutschland. Wenn es nicht solche Menschen gäbe wie Frau Walmroth, könnte man schon sauer werden“, sagt er. So lange es geht, verspricht Veronika Walmroth, will sie den Familien vor Ort helfen; auch wenn sie nach einem Herzinfarkt leider „ein bisschen kürzer, aber nicht ganz kurz“ treten muss.

Dass die Primsstraße in Diefflen, in der gleich mehrere syrische Familien wohnen, inzwischen „Syrerstraße“ heißt, darüber kann der junge Mann nur lachen. Er fühlt sich wohl in seiner neuen Heimat, ist froh, dass auch seine 18 Jahre alte Schwester Bayan, die in Syrien die elfte Klasse eines Gymnasiums besucht hat, inzwischen auch schon gut deutsch spricht. Ob er sich vorstellen könne zurückzugehen, beantwortet Mohamet mit einem klaren Ja. „Wir haben die Deutschen zum Vorbild. Sie haben nach dem Krieg ihr Land selbst wieder aufgebaut. Wenn es in Syrien irgendwann wieder sicher sein sollte, dann würde auch ich zurückgehen und helfen, damit unser Land aufgebaut wird – wer sollte es sonst tun.“

So berichtete die SZ im vergangenen Jahr über den Einsatz der Familie Walmroth.
So berichtete die SZ im vergangenen Jahr über den Einsatz der Familie Walmroth. FOTO: SZ
(cim)