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| 20:37 Uhr

Überrascht von den langen Abenden

Der Deutschlehrer Olivier Kouadio hat in der Elfenbeinküste einen deutschen Sprachclub gegründet; seit dem Jahr 2014 besteht eine Partnerschaft mit der Lese- und Schreibwerkstatt der Gemeinde Nalbach, die er jetzt besuchte. Foto: Johannes A. Bodwing
Der Deutschlehrer Olivier Kouadio hat in der Elfenbeinküste einen deutschen Sprachclub gegründet; seit dem Jahr 2014 besteht eine Partnerschaft mit der Lese- und Schreibwerkstatt der Gemeinde Nalbach, die er jetzt besuchte. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Nalbach. Mehr als 200 000 Schüler lernen in der Elfenbeinküste Deutsch als zweite Fremdsprache. Der Deutschlehrer Olivier Kouadio vom ivorischen ekan.bonou-Verein besuchte nun seinen Partnerclub, die Lese- und Schreibwerkstatt in Nalbach. Johannes A. Bodwing

"Ich liebe die deutsche Kultur", schwärmte Olivier Kouadio, 38, mit französischem Akzent. Der Deutschlehrer aus der Elfenbeinküste war Gast in der Lese- und Schreibwerkstatt Nalbach . Er hatte 2006 in seinem Heimatort Azaguié den deutschen Sprachclub "Martin Luther " gegründet. Darüber entstand 2014 eine Partnerschaft mit der rund 7000 Kilometer entfernten Lese- und Schreibwerkstatt in Nalbach .

Ein Deutschlandtag

Inzwischen ist aus dem Sprachclub der ekan.bonou-Verein mit etwa 50 Mitgliedern geworden, erzählte Kouadio, vor knapp 30 Kindern und Erwachsenen. Das schaffe bessere Fördermöglichkeiten, denn es fehlt nicht nur überall an Material.

"Ich habe 60 Schüler pro Klasse. In Großstädten gibt es auch welche mit 80 und 100. Es ist wirklich schwierig, unter solchen Bedingungen zu arbeiten." Kouadio unterrichtet am Gymnasium von Azaguié, etwa 40 Kilometer nördlich der Küstenstadt Abidjan. Beide liegen in der Elfenbeinküste in Westafrika, einem Land, das ähnlich groß ist wie Deutschland, aber nur rund 23 Millionen Einwohner hat.

Überrascht war Kouadio hier von den langen Abenden. Denn in seiner Heimat nahe dem Äquator wird es gegen 18.30 Uhr schon nach kurzer Dämmerung Nacht.

"Mein ältester Bruder hatte Deutsch gelernt und gesagt, es ist eine schwere Sprache. Aber ich habe sofort vier Jahre Germanistik an der Uni gemacht und zwei Jahre pädagogische Hochschule." Am Gymnasium bespricht er Gedichte und Lieder. "Wir debattieren auch, zum Beispiel über Umweltschutz. Einmal im Jahr beim Abschluss findet ein Deutschlandtag statt", erzählt Kouadio.

Neben der Amtssprache Französisch gibt es noch um die 60 Dialekte und regionale Sprachgruppen. Deutsch sei zusammen mit Spanisch zweite Fremdsprache in den Schulen. Und "bei uns gibt es viele deutsche Firmen", sagte er zu Berufschancen. Doch für die Kinder sei es schwierig. "Auf den weit verstreuten Dörfern ringsum gibt es nur Grundschulen. Wer auf eine Sekundarschule will, muss in die Stadt. Dafür mieten Eltern Wohnungen für ihre Kinder, haben aber kein Geld mehr für Besuche. Dann sind sogar kleine Kinder monatelang auf sich selbst gestellt." Für sie will er mit der Hilfe des Sprachvereins Wohngruppen und Betreuung aufbauen.

Gezielte Unterstützung

Der Kontakt zwischen Nalbach und Azaguié ist nicht ganz einfach, sagte Christine Sinnwell-Backes. Mit E-Mails habe das 2014 angefangen. Eine Aktion mit Büchern und Sachspenden gelang damals nur, "weil wir uns an das Goethe-Institut , einen Buchverlag und eine Spedition anhängen konnten". Neben den Frachtkosten sei der Zoll ein Problem. Deshalb sammelt man derzeit nur Geldspenden. "Damit kann Olivier gezielt vor Ort Material für die Schülerinnen und Schüler kaufen." Olivier Kouadio arbeitet bis Oktober in einer Sprachschule in Freiburg. Mit den dortigen Kenntnissen will er seinen Schülern noch besser Deutsch vermitteln.

Ansprechpartnerin für Spenden ist Christine Sinnwell-Backes unter Telefonnummer (0 68 87) 30 59 74 oder E-Mail christine_ sinnwell@web.de.