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Nähwerkstatt Nalbach
Perspektive für geflüchtete Frauen

Überwiegend Syrerinnen kommen jede Woche in die Nähwerkstatt in Nalbach, auch um deutsch zu lernen.
Überwiegend Syrerinnen kommen jede Woche in die Nähwerkstatt in Nalbach, auch um deutsch zu lernen. FOTO: Lorig / Dieter Lorig
Nalbach. Die integrative Nähwerkstatt in Nalbach hat sogar schon ein eigenes Modelabel entwickelt. Von Dieter Lorig


Seit fast einem Jahr gibt es in Nalbach ein integratives Nähwerkstatt-Projekt mit Vorbildcharakter. Dort treffen sich in den Räumen des ehemaligen Schleckermarktes, die von der Gemeinde angemietet wurden, jeden Mittwoch ab 15 Uhr Flüchtlinge und einheimische Frauen, um gemeinsam zu nähen. Fachliche Unterstützung und Betreuung gibt es von der gelernten Damenschneiderin Maria Zimmermann und der pensionierten Berufsschullehrerin Marga Reiter. Beide Frauen engagieren sich hierfür ehrenamtlich in ihrer Freizeit. „Bis zu zehn Frauen, darunter überwiegend Syrerinnen, kommen jede Woche zu uns, um ihre Fertigkeiten im Nähen weiter zu verbessern“, bestätigt Zimmermann sichtlich stolz.

Die Nalbacher Flüchtlingshilfe, ein Zusammenschluss ehrenamtlich tätiger Menschen, hatte die Nähwerkstatt 2017 in räumlicher Nähe zur Kleiderkammer eingerichtet. „Wir haben das Projekt nach einem Aufruf des Bundeslandwirtschafts- und Ernährungsministeriums für 500 Landinitiativen angemeldet und insgesamt 10 000 Euro Fördergelder für unsere Flüchtlingsarbeit bekommen“, erläutert Bernhard Mommenthal. Er ist neben der Sozialarbeiterin Rita Berwanger-Bilsdorfer einer der beiden Projektleiter für die Nähwerkstatt. Über 60 Prozent des Fördergeldes sei in den Kauf von neuen Nähmaschinen, fair gehandelten Kleiderstoffen, Handwerkzeuge und Arbeitsmaterialien geflossen. Als Nächstes soll die Nähwerkstatt digital werden. „Wir richten zwei internetfähige Arbeitsplätze unter anderem mit PC ein, auf denen eine 2D-Schnittmustersoftware installiert wird“, erzählt Mommenthal im Gespräch mit der SZ. Damit könnten die Teilnehmerinnen der Nähwerkstatt erlernen, wie Schnittmuster am Computer erstellt werden. Ziel sei es, mittelfristig aus der Nähwerkstatt professionelle Dienstleistungen zu generieren, um vor allem den Flüchtlingsfrauen berufliche Perspektiven zu bieten. Mit „JAMILArtCOUTURE“ verfügt die Nalbacher Nähwerkstatt bereits über ein eigenes Modelabel. Erfolgreich ist die Nähwerkstatt auch mit dem sogenannten Upcycling. „Hierbei vermitteln wir unseren Nähanfängerinnen das Gefühl für die Wiederverwendbarkeit von alten, meist nur aus der Mode gekommenen oder nicht mehr passenden Kleidern“, erläutert Reiter. Die Teilnehmerinnen arbeiteten dabei sehr kreativ und zielorientiert, machten viele Vorschläge und seien zudem besonders ehrgeizig. „So stellen wir hier unter anderem Kissenhüllen, Waschlappen, Handtücher, Hüft- und Stofftaschen, Jeanshosen oder gar Kleider aus Stoffresten für den Eigenbedarf her“, sagt Zimmermann.



Richtig stolz ist die 40-jährige Florence Osir aus Kenia, die sich ein schickes Freizeitkleid selbst zusammengenäht hat. „Es macht Spaß hier, so etwas zu erlernen“, sagt Osir. Ebenso Freude am Nähen haben die beiden Syrerinnen Nisreen Alzuobi (26) und Maeda Alamare (35). Sie nutzen den Besuch in der Nähwerkstatt auch, um ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern. Die 30-jährige Arabischlehrerin Hala Al Huoran aus Syrien tut sich damit noch etwas schwer. Dennoch kommt sie allein schon wegen der Kontakte mit anderen Frauen gerne in die Nähwerkstatt.