Mark Lattwein aus Piesbach war bei der WM der Berufe

Mark Lattwein WM Berufe : WM-Bronze statt Urlaub

„Future Skill Industry 4.0“ heißt die Disziplin, in der sich Mark Lattwein mit den Besten aus aller Welt gemessen hat.

. „Meine Eltern sagten, als ich die Medaille bekam, haben sie vor dem Bildschirm gekniet.“ Da war Mark Lattwein, 20, rund 2900 Kilometer Luftlinie entfernt von seinem Heimatort Piesbach. Im russischen Kazan sicherte er sich am 27. August Bronze bei den 45. WorldSkills, der Weltmeisterschaft der Berufe. „Future Skill Industry 4.0“ heißt die Disziplin, in der sich Lattwein und Teamkollege Tobias Bühler aus Baden-Württemberg mit den Besten aus aller Welt gemessen haben. Sie waren Teil des WorldSkills-Team Germany, das mit 34 verschiedenen Berufen angetreten war.

Am Donnerstag saß Lattwein entspannt in einem Unterrichtsraum des Festo-Lernzentrums in St. Ingbert-Rohrbach. Dort macht er seit zwei Jahren eine Ausbildung zum Mechatroniker. Dabei gehe es um „Mechanik, Elektronik und Steuerungstechnik. Der Mechatroniker ist die Schnittstelle, und das alles mit ein bisschen IT“.

„Zehn Sekunden“, sagte er über die Bedenkzeit für seine Entscheidung zur Teilnahme in Kazan. Und fügte schmunzelnd an: „Ich habe ja auch nicht richtig gewusst, was da auf mich zukommt.“ Aber er würde jederzeit wieder mitmachen.

Alles sei sehr kurzfristig gelaufen, sagte Ausbilder Simon Kiefer. „Wir hatten eine Woche Zeit, uns zu entscheiden.“ Vier Lehrlinge seien angesprochen worden, die Leistungen wurden verglichen, am Ende fiel die Wahl auf Lattwein. Erschwerend war, „dass diese Disziplin erstmals ausgetragen wurde“, sagte Ausbilderin Angela Bartel. „Man wusste am Anfang nicht so genau, wie die Anforderungen sind.“

Für diese Ungewissheit ließ Lattwein unter anderen seinen geplanten Urlaub sausen und tauschte das gegen rund vier Wochen Vorbereitung in Vollzeit. „Aber es hat sich gelohnt. Das war wirklich aufregend, mit Menschen aus aller Welt zusammenzukommen, Kontakte zu knüpfen und sich auszutauschen.“

Die harte Phase in Kazan bestand aus drei Tagen mit jeweils zwei zweistündigen Aufgaben. „Morgens gab es immer zur selben Zeit Frühstück, dann sind wir mit dem Bus rüber auf die Skillfläche.“ Die war in einem Messegebäude, sagte Simon Kiefer. Riesengroß und neu eingerichtet für die WorldSkills. „Da kamen insgesamt mehr als 200 000 Besucher, Gäste und Schulklassen ins Messegebäude. Bei der Siegerehrung war sogar Russlands Präsident Wladimir Putin im Publikum.“

Egal, was ringsum lief, sagte Lattwein, „ich habe komplett abgeschaltet, nur noch den Teamkollegen im Fokus gehabt.“ Einen guten Draht gab es zu den Österreichern. „In den Pausen hat uns deren Experte geholfen, wo es möglich war.“ Ansonsten sorgten die Veranstalter dafür, dass die deutschsprachigen Teams getrennt waren. „Um zu verhindern, dass wir uns gegenseitig helfen. Zwischen uns waren die Chinesen und die Russen.“

Die Aufgaben kamen jeweils kurzfristig und wurden im Team besprochen. „Tobias war mehr für die IT zuständige, ich für die Steuerungstechnik.“ Beispielsweise galt es, ein Netzwerk aufzubauen, erklärte Lattwein. Mit einer Verknüpfung von Firmennetzwerk, Produktions- und Wartungsnetzwerk. Dafür habe er die Verkabelung und Steuerung gemacht. „Die Aufgaben waren so konzipiert, dass man unter Zeitdruck gerät. Wir sind auch bei einer Aufgabe nicht fertig geworden.“ Aber man müsse lernen, sich von Fehlern nicht aus dem Tritt bringen zu lassen. Nach den anstrengenden Wettbewerbstagen sei er abends dann ins Bett gefallen.

Die Zeit bis zur Bekanntgabe der Platzierungen „hat uns eigentlich nicht so beschäftigt“, sagte Lattwein. Wichtiger war ihm, sich mit den Besten seines Berufs auszutauschen und voneinander zu lernen. Als dann die Sieger der „Industry 4.0“ drankamen, „da ist man schon nervös geworden – und wir waren schon froh, dass wir auf dem Treppchen waren“.

Eine Feierstunde mit den Auszubildenden steht für Lattwein noch an und ein Essen mit dem Vorstand von Festo. Außerdem wird er Ehrengast sein beim 50. Jubiläum des Berufsbildungsgesetzes in Berlin und, schließlich geht’s mit der gesamten deutschen Mannschaft im Kanzleramt.

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