Lauter reizende Männer

Der Saarländische Skat Sport Verband (SSSV) feiert diesen Sonntag in Göttelborn sein 50-jähriges Bestehen. Auch die Schirmherrin und Vize-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger wird daran teilnehmen. Ansonsten jedoch gilt Skat als eine der letzten Männerdomänen. Vor allem dann, wenn abends in den Kneipen gespielt wird – wie etwa in dieser Woche wieder in Nalbach.

Mittwochabend in der Gaststätte "Zum Pitter" in Nalbach , ein Nebenzimmer mit Hirschgeweihen an den Wänden. Und mit sechs Tischen, an denen insgesamt 22 Männer sitzen. Die meisten von ihnen im Rentenalter. Sie reden nicht viel. Weder über Fußball, noch über Autos und schon gar nicht über Frauen . Denn das ist ein ungeschriebenes Gesetz hier: "Nicht quatschen." Und es gibt viele solcher Gesetze, wenn Männer zusammenkommen, um Skat zu spielen.

Tatsächlich sind es fast ausschließlich männliche Spieler, die sich in den zwölf Clubs des Saarlandes zusammenfinden oder zum Preisskat wie an diesem Abend zu den Skatfreunden Nalbach-Piesbach kommen. "Skat war immer schon eine Männerdomäne", weiß Markus Montag. "Das kommt daher, dass der Mann am Sonntagmorgen in die Kneipe gegangen ist, und die Frau hat daheim den Rollbraten gemacht." Der 42-Jährige ist einer der Jüngsten an diesem Abend, und er steht für den Generationswechsel im Saarländischen Skat-Sport-Verband (SSSV): Bereits seit fünf Jahren ist er Präsident des Landesverband. Dass er erst der fünfte in der nunmehr 50-jährigen Geschichte ist, spricht für eine "außerordentliche Kontinuität", meint er.

Kontinuierlich, nach festen Regeln, geht es an diesem Abend auch in Nalbach zu. Zwei Runden mit je 48 Spielen werden ausgetragen, bevor die Sieger feststehen. Nach der ersten Runde gibt es eine 15-minütige Pause und die Möglichkeit, sich bei einem Schnitzel zu stärken. Doch lange halten die Männer nicht inne, um wieder die nächsten Karten auf den Tisch zu legen. Wobei der Begriff "legen" nicht wirklich zutrifft. Es ist eher ein gezielter Wurf, mit dem sie ihre Karten zum Stich befördern - und je nach Blatt verleihen sie der Szene Nachdruck, indem sie sich aufrichten und vorbeugen oder beim Ablegen gleich die ganze Faust mit auf den Tisch knallen lassen. Während es beim Reizen ("18, 20, 2 - weg!") noch ruhig zugeht, nimmt die Lautstärke der Kommentare im Laufe des jeweiligen Spiels und des vierstündigen Turniers zu. "Her mit dem Dreck!" hört man da schon mal als Aufforderung, oder auch: "Druff jetzt!" Natürlich wird auch immer mal gestichelt: "Mit dem Blatt hätte auch meine Oma spielen können."

Die Großmütter der Männer hier haben wohl jedenfalls nicht gewusst, was der Stock ist und was es mit Spiel und Hand und Schneider auf sich hat. Es waren eher die Großväter und Väter, die sie in die Regeln und Tricks des Skats eingeweiht haben. Beziehungsweise: Die die Grundlagen für eine lebenslange Leidenschaft gelegt haben. Claudius Lehnert (76) zum Beispiel war erst sechs - also vor genau 70 Jahren - als er seinem Vater beim Spielen zuschauen und schon selbst mitspielen durfte. Und Johannes Turner (58) war sieben und oft in der Gaststätte seiner Großeltern, wo er immer mal wieder aufgefordert wurde: "Junge, spiel mal eine Viertelstunde für mich!", wenn die Erwachsenen auf die Toilette mussten.

Seitdem spielen sie immer wieder, mehrmals im Monat, und am liebsten in vertrauter Runde in der Gaststätte. Und einig sind sie sich alle, wenn es darum geht, ob Glück oder Können für einen Sieg entscheidend sind ("Auf jeden Fall Können" und "95 Prozent sind angeboren!") und warum so wenige Frauen - 12 von 171 Mitgliedern im Landesverband - professionell Skat spielen. "Denen fehlt die Finesse", heißt es dann. Ganz bewusst stellen sich viele Männer taub, wenn die eigenen Frauen sie fragen, ob sie ihnen dieses Kartenspiel nicht beibringen wollen. "Ist sehr kompliziert", winken sie dann gerne ab. Und Claudius Lehnert gibt lachend zu: "Ich wollte auch mal etwas haben, was ich besser kann. Sonst wäre sie vermutlich noch immer mitgekommen!" Profitiert hat seine Frau dennoch von seinem Hobby. "In fünf Jahren habe ich einen Bauplatz beim Skat erspielt. Über 40 000 Mark!", sagt der 76-Jährige. "Das hat viel Schweiß gekostet."

Ansonsten braucht es vor allem eines beim Skat , um Erfolg zu haben: analytisches Denken. Und natürlich die Fähigkeit, die Punkte und Karten im Gedächtnis behalten zu können. Wer das beherrscht, wer regelmäßig im Verein, in den beiden Saarland-Ligen oder bei den Turnieren spielt, bekommt jedoch viel zurück. "Ich entspanne mich hier von meinem anstrengenden Job. Und die Kameradschaft ist toll. Es gibt so viele gute Leute hier - mit denen kann ich allen Pferde stehlen gehen", sagt Markus Montag, der im Jobcenter in Saarlouis arbeitet. Da stört es auch nicht, dass er an diesem Abend bis 23 Uhr in der Kneipe ist und gleich am nächsten Morgen um sieben Uhr schon wieder am Schreibtisch sitzen muss.

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