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Kreis Saarlouis Absage von Hochzeiten wegen Corona

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : „Für Pärchen ist diese Zeit ein echtes Dilemma“

Keine rauschenden Feste, keine innigen Glückwunsch-Umarmungen. Die Corona-Pandemie stellt auch Heiratswillige auf eine harte Probe. Die SZ hörte sich um: Viele Hochzeiten, die in nächster Zeit im Kreis stattfinden sollte, wurden abgesagt oder verschoben.

Das saarländische Innenministerium hat vergangenen Dienstag als Aufsichtsbehörde die Empfehlung ausgesprochen, wegen der grassierenden Corona-Pandemie vorerst keine Eheschließungen mehr vorzunehmen. Es sei denn, es gebe einen dringenden Grund. Dies könnte beispielsweise eine lebensbedrohliche Erkrankung sein. Die endgültige Entscheidung bleibt aber in Verantwortung der Standesämter. Die Empfehlung betrifft alle Trauungen bis Freitag, 3. April. Die SZ fragte im Landkreis Saarlouis nach.

Das Standesamt in Saarlouis hat auf die Empfehlung reagiert: „Aufgrund der neuen Situation werden wir zurzeit keine weiteren Trauungen durchführen“, heißt es in einer Stellungnahme des Standesamtes. „Nach aktuellem Stand gilt das zunächst für den Zeitraum bis nach Ostern, wohl auch durch die Osterwoche bedingt sind das drei Hochzeiten, die leider ausfallen müssen.“

Man habe bereits Kontakt zu den Brautpaaren aufgenommen, „die enttäuscht, aber auch verständnisvoll reagiert haben“. Wie es danach weitergeht, ist weiter ungewiss: „Für die Zeit danach warten wir momentan noch die weiteren Entwicklungen ab“, teilt das Standesamt Saarlouis mit.

Auch im Nalbacher Rathaus sorgen die neuen Vorkehrungen für Planänderungen: „Es ist alles hinfällig“, sagt Standesbeamtin Patricia Groß. Bis Ende April seien noch neun Trauungen in der Gemeinde geplant gewesen, die seien abgesagt wurden. „Wir stehen mit den Brautpaaren in Kontakt und bitten um Verständnis“, sagt Groß. In dringenden Fällen seien sie jedoch bereit, die Trauung noch durchzuführen, allerdings unter strengen Vorkehrungen: „Die Trauungen finden im engsten Kreis statt und sind auf das Brautpaar und den Standesbeamten begrenzt“, sagt Groß. „Wir erkundigen uns nach Symptomen und ob die Beteiligten aus einem Risikogebiet kommen“, schildert Groß. Auch der anschließende Sektempfang falle aus. Die Gemeinde Nalbach hat sonst über 120 Trauungen im Jahr, der Trauort Weidendom auf dem Litermont zieht viele Paare an. Aktuell seien die Nachfragen gering, auch wann weitere Trauungen stattfinden können, sei derzeit „nicht planbar“. „Wir halten uns die neue Terminvergabe offen, weil wir nicht sagen können, wann diese stattfinden können.“

Ähnliche Vorkehrungen hat auch das Rathaus in Dillingen veranlasst. Dort seien bis zum 3. April alle drei Trauungen „auf unbestimmte Zeit“ verschoben worden, wie die Pressesprecherin Heike Theobald auf Nachfrage mitteilt. „Das war auch von den Brautpaaren gewünscht“, sagt Theobald, da gab es „keine Enttäuschung oder Diskussion“.

Auch sie behalten sich vor, bei dringenden Gründen das Brautpaar in Anwesenheit eines Standesbeamten mit dem gebotenen Abstand zu trauen, aber „im Moment haben wir keine drängenden Fälle“. Wie es nach dem 3. April weitergeht, „müssen wir sehen“, sagt Stadt-Sprecherin Theobald.

In Lebach geben sich in den nächsten Wochen keine Brautpaare das Ja-Wort: „Im Moment stehen keine Trauungen an, erst wieder Ende Mai“, erzählt der stellvertretende Standesbeamte Florian Wagner. „Zum Glück“, ergänzt er. Kontakt habe man dennoch bereits zu den nächsten Brautpaaren aufgenommen, man werde jedoch abwarten, wie die Situation weiter verlaufe.

In der Gemeinde Rehlingen-Siersburg stand zum Zeitpunkt der SZ-Anfrage noch eine Trauung an, die laut dem ersten Beigeordneten Joshua Pawlak auch stattfinden werde. Man stehe mit den anderen Brautpaaren in Kontakt, das Verständnis sei da. Ob deren Trauungen bis Ende April jedoch stattfinden können, könne Pawlak nicht sagen. „Wir möchten ihrem Glück nicht im Weg stehen. Für Pärchen ist diese Zeit ein echtes Dilemma“, sagt Pawlak, weil keiner wisse, wie es weitergehe. Daher werde man für dieses Jahr keine Trauungen mehr annehmen, es sei denn, die Dringlichkeit sei gegeben. In dem Fall finde die Trauung auf Distanz statt, doch „das ist nicht romantisch“, findet Pawlak.

Am vergangenen Montag hat Standesbeamtin Sandra Thiery noch drei Paare vermählt. „Ein seltsames Gefühl“, wie sie erzählt, denn „die Traurede war verkürzt, die Ringe wurden nicht austauscht und es gab keine Küsse“. Bewusst habe sie auf den entsprechenden Satz verzichtet.

Bei den Brautpaaren habe sie darauf geachtet, dass nur sie das Rathaus betreten und sich die Hände desinfizieren und mehr als zwei Meter Abstand hielten. Trauungen seien „prinzipiell möglich“, aber nur mit einer dringenden Begründung. Die Brautpaare reagierten verständnisvoll, „es hat sich niemand beschwert“, erzählt Thiery.