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Jahresausblick: Pläne in der Gemeinde Nalbach im Jahr 2020

Jahresausblick : Nalbach will von seinen Schulden runter

Verbesserung der Haushaltssituation bleibt weiter Ziel – positive Entwicklung bei Infrastruktur und Tourismus

„Wir haben ein starkes Einnahmeproblem“, sagt Bürgermeister Peter Lehnert. Etwa 14 Millionen Euro an Einnahmen stehen rund 15 Millionen Euro an Ausgaben gegenüber. Ein Minus von einer Million Euro im Jahr. Alleine mit Sparen, so der Verwaltungschef weiter, könne das nicht kompensiert werden: „Wir sparen viel, sind aber diesbezüglich ziemlich am Ende.“ Die Einnahmen müssen steigen. Deshalb möchte der Bürgermeister für den anstehenden Haushalt 2020/21 eine Strategie entwickeln, wie Nalbach in Zukunft finanziell wieder auf die Beine kommen soll. Dabei setzt Peter Lehnert auf die Unterstützung und die weiterhin sehr gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat.

Der Saarlandpakt zur Entschuldung der Kommunen helfe natürlich. Von den sieben Millionen Euro an Kassenkrediten übernimmt das Land die Hälfte. „Die ersten zwei Millionen sind schon weg. Das reicht aber nicht aus, wenn die Entschuldung durch den Bund nicht kommt“, sagt Lehnert. Dafür hat er im Januar gemeinsam mit über 20 saarländischen Amtskollegen in Berlin demonstriert. Bisher muss die Gemeinde die übrigen 3,5 Millionen Euro über 45 Jahre abbezahlen, was den Haushalt jährlich um etwa 60 000 Euro belastet. Auch die Kreis­umlage, die im vergangenen Jahr noch 84 000 Euro in die Gemeindekasse gespült hat, belastet Nalbach in diesem Jahr mit etwa 280 000 Euro.

„Die Abgabe an den Kreis ist ein großer Faktor“, sagt Lehnert. Auch deshalb sei er nach Berlin gezogen. Wie man es dreht und wendet: „Wir müssen und wollen neue Einnahmemöglichkeiten aufmachen.“ Als einen „extrem wichtigen“ unter den ohnehin wenigen Hebeln stuft die Verwaltung dabei die Gewerbesteuer ein. Mit dem neuen Gewerbegebiet Primsaue II sei man da auf einem guten Weg. Erste Ansiedlungen sind bereits im Bau, und nach der Fertigstellung des Kreisels am Gewerbegebiet in diesem Jahr kann es dort richtig losgehen. Großen Wert legen Verwaltung und Rat dabei auf die Ansiedlung nachhaltiger, zukunftsfähiger Unternehmen.

Erfreulich sei auch die Attraktivität der Gemeinde beim privaten Zuzug. 22 Baustellen stehen beispielsweise im Baugebiet Zimmerbach bereit, 18 seien bereits verkauft. Mehr Einwohner bedeuten auch zusätzliche Einnahmen über die Einkommenssteuer. Dazu gilt es, Nalbach auch für junge Familien attraktiv zu halten, weshalb die Gemeinde in den bereits laufenden Neubau des Nalbacher Kindergartens und in den Ausbau der Grundschule investiert. Hier soll die Nachmittagsbetreuung vorerst übergangsweise ausgebaut werden, bis klar wird, wo beim Rechtsanspruch ab Mitte der 2020er die Reise hingeht. Diese Investitionen seien im Haushalt auch schon dargestellt.

Noch nicht absehbar ist, wie es mit alten Nalbacher Kindergarten weitergehen soll. Den hatte die Gemeinde von der katholischen Kirche gekauft, nur um im Anschluss festzustellen, dass darunter Stollen aus dem Zweiten Weltkrieg verlaufen, die eine weitere Nutzung unmöglich machten. Die Gemeinde möchte deshalb Entschädigungen vom Bund. Das Verfahren läuft. Ausgang ungewiss (wir berichteten).

In Sachen Infrastruktur werden auch in diesem Jahr Straßen- und Kanalsanierungen anstehen, teils in Synergien mit der Erneuerung des Nalbacher Ortskerns, der ab November in den vierten Bauabschnitt starten soll. Als eine der 13 wegen Starkregenrisikos besonders geförderten Kommunen im Saarland werden unter anderem Regenrückhaltebecken in der Gemeinde den neuen Anforderungen angepasst. Und auch die Zukunft der Feuerwehr sei im Brandschutzbedarfsplan gesichert.

Tourismus ist in Nalbach auch 2020 Thema. Der habe sich rund um die Litermont-Gipfeltour etabliert. Im Rahmen von Verkehrssicherheitsmaßnahmen werde einiges zurückgebaut, allerdings ohne dass die Attraktivität beeinträchtigt werden soll.

Nach dem Bau eines neuen Verkehrskreisels zur Erschließung des Gewerbegebiets Primsaue II in Nalbach in diesem Jahr sollen sich hier nachhaltige und zukunftsfähige Unternehmen niederlassen. Erste Ansiedlungen entstehen bereits. Foto: lx
Der Nalbacher Bürgermeister Peter Lehnert. Foto: Heike Ungert-Lehnert/Heike Unger-Lehnert

Und auch die älteren Bürger werden in Nalbach nicht vergessen. Dazu sei eigens eine Teilstelle im Rathaus geschaffen worden. „Ein echter Volltreffer“, wie Lehnert betont. Mit Projekten wie „Leben im Dorf“, Nachhaltiges Nalbach „NaNi“ oder „Kino im Rathaus“ wird ein Umfeld geschaffen, das auch älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Dazu gehört für den Verwaltungschef auch die Nahversorgung in den einzelnen Ortsteilen. Er nennt ein Beispiel: „Der Piesbacher Dorfladen ist wichtig und muss bleiben.“ In Kooperation mit der BAGSO (Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen) kämen hier viele Impulse von den Bürgern selbst, „ohne politische Einflussnahme“, wie Lehnert betont.