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Hier oben schweift der Blick in die Ferne

Hier oben schweift der Blick in die Ferne

Der Landkreis Saarlouis verfügt über viele schöne Aussichtspunkte. Von diesen erschließt sich dem Betrachter eine abwechslungsreiche Landschaft. In einer Serie stellen wir einige dieser Aussichtspunkte vor. Heute: Blick vom „Conny Hill“.

Zugegeben, es kann schon etwas mühsam werden auf dem Weg zum "Conny Hill". Vom Anfang der Kapellenstraße unten in Körprich bis oben auf dem westlichen Hoxberg sind es rund 100 Höhenmeter. Auffallend still ist es am Ziel, etwa 300 Meter über Normalnull. Am Waldrand im Hintergrund zwitschern Vögel, Blätter rauschen im Wind. Nach Westen liegen im Vordergrund gepflügte braune Äcker, weizengelbe Felder und grüne Wiesen.

Dahinter ziehen sich Waldstreifen aus südlicher Blickrichtung bis zum Primstal. Dort werden sie von Piesbach und Nalbach unterbrochen, dann beginnen bewaldete Ausläufer des Litermont. Am Horizont im Westen stehen die Windräder beim französischen Berviller. Von den Sendemasten bei Berus wandert der Blick zum Limberg und weiter zum Burgturm von Siersburg.

Heiner Bonnaire, 81, kommt mit einem Klarsichtordner zur Aussichtsplattform. "Ich habe Ihnen ein paar Sachen zusammengestellt", sagt er. Denn "Conny Hill" hat viel mit seiner Familie zu tun. Der Name sei ein Irrtum, stellt Bonnaire dar. Conny komme von Konrad, was sich auf Bundeskanzler Konrad Adenauer beziehe. "Aber der war nie hier, sondern drüben in Berus beim Spatenstich zum Europadenkmal." Das sei einmal durcheinander geworfen worden. Seither heiße der Aussichtspunkt halt "Conny Hill", was so viel bedeutet, wie Konrads Hügel. "Bei gutem Wetter sieht man den Rauch von Carling und von Cattenom", erklärt Bonnaire. Er weist dann nach Südwesten zur Bergehalde Ensdorf mit dem neuen Polygon.

Körprichs Ortsvorsteher Christian Weber zeigt zu den Feldern am Hang vor uns. Etwa 500 Meter entfernt lag früher mal eine Höckerlinie, berichtet er. "Davon sieht man noch die Fundamente." Vor dem Bau des Westwalls habe das Gelände von "Conny Hill" der Gemeinde gehört, weiß Bonnaire. 1936/37 stand dort ein Lager für Arbeiter. Acht Bunker habe es im Umfeld gegeben, die meisten seien nach Kriegsende gesprengt worden. Aber Laufgräben fände man immer noch. Etwa 1963 tauschte die Familie Bonnaire Flächen bei Hüttersdorf gegen das Fleckchen am Hoxberg. So wurde sie Eigentümerin von "Conny Hill". Die heutige Plattform entwickelte sich aus Mauerresten eines abgebrannten Bienenhauses. "An Pfingsten kamen wir regelmäßig mit der Familie her. Mein Bruder und ich waren Lehrer, wir machten auch Klassenausflüge hier hoch. Am 10. Juni 73 feierten wir die Namensgebung mit Sekt."

Sein Bruder sei inzwischen verstorben, er selbst zu alt, um noch viel instand zu halten. Und der Sohn lebe in Hamburg. Die Gemeinde Nalbach habe jetzt die Nutzungsrechte für die 6000 Quadratmeter große Fläche. "Das da habe ich noch selbst gemacht." Bonnaire zeigt auf die Holztreppe zur Aussichtsplattform hoch. Den farbigen Anstrich der Mauern und Pfeiler erledigten Ehrenamtliche, erklärt Weber. Das Metallgeländer und die Holzbretter am Boden stammten von der Gemeinde. Eine Panoramakarte aus Glas habe es gegeben, sagt Weber. "Die hielt keine vier Wochen, dann war sie komplett kaputt." Aber man habe inzwischen eine neue Idee.

Zwischendurch sitzt Matthias Waller auf einer der wellenförmigen Bänke der Aussichtsplattform. So für den Spaß komme er, sagt der Jugendliche aus Körprich . "Hier kann jeder herkommen", versichert Weber. "Auch Zelten ist möglich. Aber die Anlage pfleglich behandeln." Am Besten sei es dann, sich bei ihm anzumelden.