Firma startet Aktion Senioren-Weihnachtswünsche im Kreis Saarlouis

Kostenpflichtiger Inhalt: Anderen helfen : „Weihnachtszeit ist für viele schlimm“

350 Paten fanden sich, um einsamen Senioren im Kreis Saarlouis kleine Wünsche zu erfüllen.

Ein Schal, ein Kissen, Gebäck. Oder ein Nackenhörnchen, eine CD, Pralinen, eine Armbanduhr, die die Zeit ansagt. Das wünschen sich Senioren im Kreis Saarlouis zu Weihnachten, wenn man sie fragt. Nur: Viele fragt niemand. Sie haben keine Angehörigen und Freunde mehr, leben im Pflegeheim oder ganz allein.

Gerade am Weihnachtsfest, wenn die Familien zusammen feiern, ist die Einsamkeit noch schwieriger auszuhalten: „Die Weihnachtszeit ist für viele eine schlimme Zeit“, sagt Anja Hackenberger, Leiterin des Pflegedienstes im Awo-Seniorenheim Primsmühle in Nalbach. Von den 78 Bewohnern können nur wenige Weihnachten mit ihrer Familie verbringen. Auch wenn sich das Haus Mühe gibt, mit gemeinsamen Unternehmungen, Backen und Singen für Ablenkung zu sorgen: „Da fließen viele Tränen.“ Umso willkommener war dort die Idee, den Senioren zu Weihnachten mit einem kleinen Geschenk eine Freude zu machen. „Seniorenweihnachtswünsche“ heißt diese Aktion, bei der ältere Menschen nach einem Wunsch gefragt werden, und Fremde als Geschenkpaten ihn erfüllen.

Die beiden häufigsten Wünsche, erzählt Daniela Sauer, Leiterin des sozialen Dienstes im Nalbacher Heim, die dort die 78 Bewohner befragte, sind allerdings nicht leicht zu erfüllen: „,Gesundheit und dass die Kinder zu Besuch kommen, mehr wünsche ich mir nicht’, war oft die Antwort.“

Dennoch, stolze 350 Geschenkpäckchen kamen nun zusammen, von Menschen aus dem ganzen Landkreis, teils per Paket aus anderen Ecken Deutschlands, wo der Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook sie erreichte. „Die Bereitschaft, jemandem einen Wunsch zu erfüllen, ist außerordentlich“, stellte Nicole Barra, Organisatorin der Aktion „Seniorenweihnachtswünsche“ im Kreis Saarlouis, freudig fest. „Manche übernahmen gleich mehrere Wünsche, immer wieder kamen Anfragen, ob es nicht noch mehr gebe.“

Zum zweiten Mal hat die Saarwellingerin diese Aktion mit ihren Helfern Aline Geyer und Julia Harenz auf die Beine gestellt, bei der Premiere 2018 waren es schon 150 Wünsche. Unterstützt wurde sie dabei maßgeblich von ihrem Arbeitgeber, der Firma Mathias Becker im Saarlouiser Gewerbegebiet Lisdorfer Berg; sie durfte nicht nur einen Teil ihrer Arbeitszeit auf die Organisation verwenden, auch die Geschenkpäckchen wurden alle dort gesammelt, „am Ende haben alle 21 Mitarbeiter mit angepackt“, schildert Barra.

Für ihren Chef Mathias Becker ist das selbstverständlich: Er hatte im vergangenen Jahr quasi den Stein ins Rollen gebracht, als er im Büro von einer ähnlichen Aktion in Frankfurt erzählte. „Der Grundgedanke ist, dass wir gerade denen, die viel für unsere Gesellschaft getan haben, auch etwas zurückgeben wollen.“ Er meint: „Man muss wie hier eine Organisationsstruktur stellen, dann helfen die Leute auch.“ Es bleibt übrigens kein Wunsch unerfüllt, betont Becker, „zur Not übernehmen wir das selbst“. Auch wenn mal etwas Teures auf dem Wunschzettel steht, wie ein Rollator oder auch ein Fernseher. Die bisherigen Helfer würden die Aktion gern ausweiten. „Es wäre schön, wenn sich zum Beispiel noch eine andere Firma findet, die uns unterstützt“, hofft Barra.

Die einzelnen Wünsche sind oft bescheiden bis berührend. „Es bricht einem manchmal das Herz, was auf den Zetteln steht“, schildert die Bürokauffrau: Lebensmittel und Kaffee zum Beispiel, wenn sich die Älteren dies selbst nicht leisten können, auch warme Handschuhe „oder einfach ein Päckchen Butter“. Die Geschenkübergaben in den Einrichtungen seien „sehr emotional“, sagt sie, manche Senioren bekämen nie Besuch, „viele haben nicht damit gerechnet, dass sie wirklich was bekommen“. Die Schenkenden müssen nicht anonym blieben. „Manche schreiben auch eine liebe Karte dazu mit ihrer Telefonnummer“, sagt Barra, „es wäre schön, wenn sich da auch außerhalb der Weihnachtszeit ein Kontakt ergibt“.

Drei Seniorenheime, die AWO-Häuser in Nalbach und Saarlouis sowie das Altenheim St. Nikolaus in Wallerfangen, sind nun Kooperationspartner, dort erhalten alle Bewohner ein Geschenk; außerdem schlagen der Fahrbare Mittagstisch des DRK-Kreisverbandes und der Pflegedienst „Pflegebienen“ in Überherrn aus ihrem Kundenkreis Menschen vor, die vereinsamt und mitunter auch bedürftig sind.

Die Weihnachtszeit weckt viele Erinnerungen bei den Älteren, an die eigene Kindheit und die Jahre mit der Familie. Die 86-jährige Gertrud Leistenschneider seufzt: „Es war einfach eine Gemeinschaft, die man früher hatte, auch im Krieg, als man sonst nichts hatte.“ Aber, ergänzt die 92-jährige Elfriede Spuhler: „Jetzt haben wir eine andere Gemeinschaft hier.“ Zufrieden sind sie, aber gern ist natürlich niemand von ihnen im Heim. „Es ist nicht wie zu Hause. Aber es ging eben nicht anders“, bedauert die 85-jährige Renate Steuer. Umso schöner ist es, da sind sich die Frauen einig, wenn gerade an Weihnachten jemand an einen denkt.

Ihren eigenen Wunsch verrät Leistenschneider auch: „4711, das ist mir gleich eingefallen. Aber ich dachte, das wird mir doch keiner schenken!“ Die ehemalige Krankenschwester lacht und fügt verschmitzt hinzu: „Aber vielleicht doch!“