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Erkundungstour in den Kanälen

Erkundungstour in den Kanälen

Der Nalbacher Geologe Friedwalt Weber führte am Samstag in das besondere Entwässerungssystem in Körprich ein. Wissenschaftler aus der Region nahmen an der Tour teil.

Ein weltweit einmaliges Entwässerungsbauwerk in Körprich stabilisiert dort mit Erfolg den gefährlichsten Rutschhang des Saarlandes. Seit acht Jahren legt ein ausgeklügeltes Drainagensystem den rutschgefährdeten Nordhang des Hoxberges trocken. Nach ausgiebigen Regenfällen waren vor knapp 50 Jahren 22 Häuser in der Körpricher Waldstraße durch einen großflächigen Hangrutsch stark beschädigt worden. Elf Häuser mussten damals abgerissen und 100 Bewohner evakuiert werden.

Überwachung der Bewegungen

Dank des unterirdischen 6,5 Millionen Euro teuren Drainagensystems, das die Deutsche Steinkohle AG (DSK) 2006 kurz vor Beginn des Kohleabbaus in der Primsmulde bauen ließ, werden im Wohngebiet der Waldstraße heute kaum noch Bodenverschiebungen registriert. Im Auftrag der Gemeinde Nalbach überwacht das Erdbau Laboratorium Saar (ELS) an mehreren bis zu 50 Meter tiefen Bohrlöchern jegliche Bewegungen der Erdschichten im Rutschgebiet.

Geologe erklärt das System

Am Wochenende erkundete die "Saarlouiser Georunde" unter Führung des promovierten Nalbacher Geologen Friedwalt Weber das in seiner Art einmalige Entwässerungssystem am Nordhang des Hoxberges. Die aus dem ganzen Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg angereisten Wissenschaftler waren beeindruckt von der Funktionsweise der Anlage. An deren Bau waren unter anderem die Firmen Karo-San (Illingen), Bohrtec (Alsdorf), Gergen (Saarwellingen) und Stüwa (Rietberg) beteiligt. Das ausgeklügelte Konzept für die Hangsicherung, basiert auf Untersuchungen und Vorschlägen des ELS, für das Weber als Geschäftsführer tätig ist. So wird der Grundwasserspiegel im Bereich der Waldstraße an zwei Brunnenschächten permanent elektronisch überwacht. Steigt der Wasserpegel auf weniger als zwölf Meter unterhalb der Erdoberfläche an, wird das Wasser automatisch in die öffentliche Kanalisation abgepumpt.

Herzstück des Entwässerungssystems ist ein 400 Meter langer begehbarer Basisdrainkanal. Der Kanal liegt oberhalb der Waldstraße 18 Meter tief im Boden und hat einen Durchmesser von 2,40 Meter. Ausgehend von der Erdbodenoberfläche münden 33 Steckfilterrohre mit einer Länge von bis zu 61 Meter und einem Durchmesser von 25 Zentimeter in einem Winkel von 30 Grad in diesen Hauptkanal. Das einsickernde Untergrundwasser wird gemeinsam mit zusätzlich eingeleitetem Oberflächenwasser in einem Rückstaubecken gesammelt und kann dann von dort unterirdisch zur Prims abließen.

 Der promovierte Nalbacher Geologe Friedwalt Weber ist als Geschäftsführer für das Erdbau Laboratorium Saar (ELS) tätig. Das Unternehmen hat die Geologie des Rutschgebietes am Nordhang des Hoxberges erkundet und Vorschläge für den Bau des einzigartigen Drainagebauwerkes im Körpricher Wohngebiet Waldstraße gemacht.
Der promovierte Nalbacher Geologe Friedwalt Weber ist als Geschäftsführer für das Erdbau Laboratorium Saar (ELS) tätig. Das Unternehmen hat die Geologie des Rutschgebietes am Nordhang des Hoxberges erkundet und Vorschläge für den Bau des einzigartigen Drainagebauwerkes im Körpricher Wohngebiet Waldstraße gemacht.
 Im Dezember 1965 gab es den bisher größten Hangrutsch am Hoxberg. Damals wurden 22 Häuser in der Körpricher Waldstraße stark beschädigt. Elf Häuser wurden durch den Erdrutsch unbewohnbar und mussten abgerissen werden. Repro: Dieter Lorig
Im Dezember 1965 gab es den bisher größten Hangrutsch am Hoxberg. Damals wurden 22 Häuser in der Körpricher Waldstraße stark beschädigt. Elf Häuser wurden durch den Erdrutsch unbewohnbar und mussten abgerissen werden. Repro: Dieter Lorig

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HintergrundSchon 1936 mussten drei instabil gewordene Wohnhäuser am Nordhang des Hoxberges abgerissen werden. Bei tagelangen Regenfällen saugt sich der lehmige Untergrund in diesem Gebiet immer wieder voll mit Wasser. Hierdurch kann das abfallende Gelände destabilisiert werden. Um beim geplanten Kohleabbau in der Primsmulde nicht weitere Erdrutsche auszulösen, baute die DSK 2006 vorsorglich ein Entwässerungssystem für 6,5 Millionen Euro. Sechs Jahre fielen für die DSK zusätzlich Kosten für die Überwachung sowie Unterhaltung der Anlage sowie Reparaturkosten in Höhe von jährlich 60 000 Euro an. Fünf Jahre nach Einstellung des Kohleabbaus in der Primsmulde hat die DSK die Anlage Anfang 2013 an die Gemeinde Nalbach übereignet. Für die Unterhaltung sowie den Betrieb des Drainagensystems und damit den Schutz von 150 Anwohnern stellt die Primstalgemeinde jedes Jahr 20 000 Euro vorsorglich in ihren Etat ein. dl