Einkaufszentrum kann kommen

Nohfelden. Bevor die Gemeinderatsmitglieder beraten und abstimmen konnten, war erst einmal Stühlerücken angesagt. "Mit so vielen Besuchern haben wir nicht gerechnet", sagte Bürgermeister Andreas Veit. Rund 70 Männer und Frauen interessierten sich für die Pläne zum Einkaufszentrum Türkismühle (wir berichteten), im Ratssaal gab es kein freies Fleckchen mehr

Nohfelden. Bevor die Gemeinderatsmitglieder beraten und abstimmen konnten, war erst einmal Stühlerücken angesagt. "Mit so vielen Besuchern haben wir nicht gerechnet", sagte Bürgermeister Andreas Veit. Rund 70 Männer und Frauen interessierten sich für die Pläne zum Einkaufszentrum Türkismühle (wir berichteten), im Ratssaal gab es kein freies Fleckchen mehr. Gegner und Befürworter des Projekts hielten sich in etwa die Waage. Das verdeutlichte der jeweils heftige Applaus nach den Redebeiträgen des Gegners Steffen Schopper (UBNN) und der Befürworter Michael Dietz (CDU) und Eckhard Heylmann (SPD). "Man kann neidisch werden, wenn man durch Tholey, Freisen oder Namborn fährt", sprach Heylmann die Nahversorgungs-Entwicklung in den Nachbargemeinden an. Er begrüßt es, dass sich mit dem geplanten Discounter und dem Vollsortimenter auch Nohfelden positiv entwickele. Ähnlich sieht es auch Dietz: "Auf lange Sicht können wir die Nahversorgung sichern und den Verlust von Kaufkraft stoppen."Ganz anders sieht das Schopper. Er befürchtet, dass die Verbrauchermärkte in vier Orten der Gemeinde und die kleineren Geschäfte in drei Orten unter dem neuen Markt zu leiden hätten. Das macht er an Zahlen fest. Er hat ausgerechnet, dass rund 10 000 Einwohner im Jahr 2500 Euro im Vollsortimenter ausgeben. Das entspräche 25 Millionen Euro Umsatzpotenzial für die Gemeinde Nohfelden. "15 Millionen davon fließen an Discounter, zehn Millionen bleiben in der Gemeinde", sprach Schopper den Ist-Zustand an. Ein Einkaufszentrum mit rund 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche, wie es in Türkismühle vorgesehen sei, rechne mit einem Umsatz von 14 Millionen Euro im Jahr. Da wohl kaum Bürger aus den umliegenden Gemeinden in Türkismühle einkaufen würden, gehe der Markt ganz klar zu Lasten der vorhandenen kleineren und mittleren Geschäfte. Er fürchtet, dass in absehbarer Zeit nur noch in Türkismühle, aber nicht mehr in den anderen Orten Lebensmittel eingekauft werden können. Veit stellt die Gegenfrage: "Würden die kleinen Märkte überleben, wenn der große Markt nicht kommt?" Und auch Heylmann sieht die kleinen Geschäfte nicht gefährdet: "Konkurrenz belebt das Geschäft." 21 Ratsmitglieder sahen das so und stimmten für die Änderung des Bebauungsplanes, acht stimmten dagegen. Meinung

Der Kunde trifft die Wahl

Von SZ-RedakteurinMelanie Mai Ob die mittleren und kleinen Geschäfte überleben, entscheidet nicht nur das Angebot, sondern vor allem die Nachfrage. Ist den Kunden ein Lebensmittelgeschäft in ihrem Ort wichtig, werden sie auch weiterhin dort kaufen. Ist es ihnen nicht wichtig, oder sind sie mit dem dortigen Angebot nicht zufrieden, dann haben sie auch bisher außerhalb der Gemeinde gekauft. Das neue Einkaufszentrum wird also weniger die kleinen Geschäfte innerhalb der Gemeinde als die größeren Einkaufszentren in Birkenfeld, Freisen oder Namborn treffen. Denn die haben plötzlich weniger Kunden aus Nohfelden.