1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Nalbach

Ein wahrer Optimist in Sachen Chormusik

Ein wahrer Optimist in Sachen Chormusik

Herr Rothkopf, wie sind Sie und der Kirchenchor St. Michael damals im Jahr 1984 eigentlich zusammengekommen? Heinz Rothkopf: Den Chor habe ich bei einem Konzert des Dillinger Madrigalchors in der Körpricher Pfarrkirche kennen gelernt. Es war damals schon ein guter Chor und ich habe gesehen, welches Potenzial in diesem Chor steckt

Herr Rothkopf, wie sind Sie und der Kirchenchor St. Michael damals im Jahr 1984 eigentlich zusammengekommen?Heinz Rothkopf: Den Chor habe ich bei einem Konzert des Dillinger Madrigalchors in der Körpricher Pfarrkirche kennen gelernt. Es war damals schon ein guter Chor und ich habe gesehen, welches Potenzial in diesem Chor steckt. Und als sie mich vor 27 Jahren gefragt haben, ob ich die Chorleitung übernehmen würde, habe ich "Ja" gesagt. Dazu kam die historische Orgel der Pfarrkirche St. Michael, eine romantische Haerpfer-Orgel, heute schon ein denkmalwürdiges Stück. Ich hatte übrigens vorher schon einmal den Kirchenchor einer kleineren Gemeinde geleitet - den Chor der Dillinger Pfarrgemeinde Maria Trost, und zwar 17 Jahre lang. Nachdem ich im Jahr 2000 den Dillinger Madrigalchor abgegeben habe, habe ich den Körpricher Kirchenchor trotzdem weiter geleitet.

Gibt es Einschränkungen bei der Arbeit mit dem Kirchenchor in einer kleinen Gemeinde?

Rothkopf: Ein Chor kann nur so wirkungsvoll sein, wie die Ansprüche, die man an ihn stellt. Aber man kennt seine Mannschaft und weiß, wo und wie man den Einzelnen einsetzen kann und wo dessen Grenzen sind. Eines der Probleme ist, dass der Nachwuchs fehlt, der Chor altert gemeinsam mit einem selbst. Derzeit sind wir in Körprich noch etwa 20 Sänger. Da kommt es natürlich auf das Geschick eines Chorleiters an, wie er seinen Chor führt. Zunächst einmal muss ich die richtigen Werke für den Chor finden. Dann muss ich wissen, wie ich das Werk einstudiere, und es ist auch wichtig, wo man es aufführt. Mit einem guten Organisten und einer ordentlichen Orgel, und beides ist in Körprich vorhanden, kann man schon einiges auf die Beine stellen. Viele, vor allem junge Kollegen, ziehen natürlich die Arbeit mit größeren Chören vor - ein großer Chor bringt halt eine andere Popularität. Einschränkungen gibt es beispielsweise auf der finanziellen Seite. Kleine Kirchenchöre wie der Chor von St. Michael finanzieren sich ausschließlich durch Spenden. Da kann man keine Berufsmusiker einkaufen, wie dies ein Dillinger Madrigalchor konnte.

Herr Rothkopf, der Nachwuchs fehlt, die Chöre werden älter und kleiner. Wo sehen sie die Zukunft der Kirchenchöre?

Rothkopf: Ich bin ja immer optimistisch! Die Chorarbeit ist heute in der Breite schwieriger geworden, auch im weltlichen Bereich. Was derzeit gut funktioniert, sind so genannte Projektchöre, die sich für eine bestimmte Zeit zusammentun und dann wieder auseinander gehen. Solche Konzepte haben natürlich auch ihre Schwächen. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es drei bis vier Jahre braucht, bis sich Chorleiter und Chor aufeinander eingestellt haben. Die kommende Zusammenlegung der Pfarreien bewirkt sicherlich auch viel - da wird sich bei den Chören einiges bewegen und die Strukturen werden sich ändern, glaube ich. Aber in kleineren Chören sehe ich eigentlich nicht das Problem. Wenn es für vier Stimmen nicht mehr reicht, singt man eben dreistimmig. Oder zweistimmig. Oder einstimmig (Gregorianik). Eine gute Kleingruppe ist oft beweglicher als ein Riesenchor. Es gibt heute sehr viele herausragende Chöre, in denen drei bis vier Leute tolle Gregorianik singen. Diese Chöre schießen geradezu aus dem Boden. Was mir allerdings am Herzen liegt ist, dass die Gemeinden wieder stolz auf ihre Kirchenchöre werden und deren Arbeit dann auch durch den Besuch der Chorkonzerte würdigen.

Am Sonntag, 13. Februar, um 17 Uhr, wird Rothkopf sein Abschiedskonzert als Chorleiter des Körpricher Kirchenchores geben, gemeinsam mit dem Organisten Elmar Schwarz und einem Instrumentalensemble des Kammerorchesters Merzig.