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Ein Räuber erobert die Berliner Bühne

Ein sympathischer „Räuber“ auf Heimurlaub ist der Schauspieler Matthias Mosbach aus Piesbach.
Ein sympathischer „Räuber“ auf Heimurlaub ist der Schauspieler Matthias Mosbach aus Piesbach. FOTO: Bodwing
Piesbach. Mit dem renommierten Berliner Ensemble spielt Matthias Mosbach aus Piesbach Theater. Der junge Schauspieler erzählte während der sommerlichen Spielpause im Elternhaus von seinem Weg auf die Bühne. Johannes A. Bodwing

Der Räuber ist auf Urlaub in Piesbach . Dort öffnet Matthias Mosbach, 30, die Tür zum Elternhaus im Keltenweg. Ein lässiges weißes Shirt trägt er mit hochgeschobenen Ärmeln, eine dunkle Hose, das freundliche Gesicht ein paar Tage lang nicht rasiert. Später sagt seine Mutter, Gertrud Mosbach: "Ich sehe in ihm immer so ein bisschen was von einem Charmeur." Peter Alexander erwähnt sie. Matthias schmunzelt und gesteht, dass er Peter Alexander sehr schätzt.



Im Esszimmer sitzen wir uns gegenüber. Wie er denn nach Berlin kam und zum Fiesling in Schillers Räubern werden konnte? Dahinter stecke die Liebe zur Schauspielerei. "Mit sechs..?", überlegt er kurz. "Mama, war das mit sechs?" Die bestätigt, dass er in jenem Alter im Piesbacher Theaterverein angefangen hatte. So ziemlich alles habe man gespielt, Musicals, selbst geschriebene Stücke.

"Das war meine Beschäftigung Nummer eins." "Eine glückliche Kindheit", sagt Mosbach über die Zeit in Piesbach . Es habe kein Aha-Erlebnis gegeben, das ihn zur Bühne gedrängt hätte. Aber "dass es Theater sein soll, war von vorneherein klar".

Erst aber gab es noch einen Abstecher in den Lehrerberuf. "Sechs Semester Lehramt, ohne großartige Resultate", bekennt er ohne Bedauern. "Ich habe Unterricht gehalten, als würde ich auf der Bühne stehen, und es gäbe nach 45 Minuten Applaus."

Seine Zwillingsschwester habe das durchgezogen, erwähnte Mutter Gertrud. Die sei heute Lehrerin. "Wenn sie ihren Schülern etwas über Berufung erzählt, dann bringt sie ihren Bruder als Beispiel." Denn eines Tage sei Matthias "dann aus dem kleinen Piesbach in das große Berlin" gegangen. Er habe gesagt: "Mamma, ich moss off de Bühn, ich kann nix anneres machen."



Wie das war, als der Sohn nicht die akademische oder handwerkliche Richtung eingeschlagen hatte? "Mein Mann meinte, das war doch klar. Und wir lassen ihm völlig freie Bahn, und gucken, was er macht." Vor dem Weg ins Berliner Ensemble machte Mosbach Zwischenstation im Theater Iwwerzwerch in Saarbrücken. Ein Jahr ist er dort gewesen. "Immer, wenn ich gesehen habe, dass die Schauspieler zur Bühne gehen, bin ich neidisch geworden."

An der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin sprach Matthias Mosbach schließlich vor. Dass er gleich genommen wurde, sieht er als weiteren Glücksfall.

Sechs Jahre ist Matthias Mosbach jetzt in Berlin, zwei Jahre davon am Berliner Ensemble . Ein weiterer Glücksfall sei dort die Arbeit mit dem Intendanten Leander Haußmann . Der leitet auch die Räuber . "Es macht Spaß, der Böse zu sein", sagt Mosbach und lächelt. "Für drei Stunden auf der Bühne."

Als fieser Räuber Franz Moor kann er sich jetzt austoben. "Das ist ein recht großes Spektakel. Wir schießen da aus allen Rohren, mit Wasser und Kunstblut." Was ist mit Film, vielleicht als Tatort-Kommissar? Mosbach lächelt. Eine Filmrolle könnte ihn schon reizen. "Aber derzeit hat das Theater Vorrang."

Nach der Spielpause geht es im September in Berlin weiter. "In meinem persönlichen Repertoire sind jetzt acht Stücke." Von etwa 11 bis 15 Uhr sei Probe und abends eigentlich immer Vorstellung. Was ihm in Berlin so fehle? "Auf die Frage habe ich mich vorbereitet. Schwenken, Urpils trinken. Der Schwenker-Ritus ist ja schon großartig, das gibt es so nicht in Berlin."