Besuch bei den Schulhunden an der Schule am Litermont in Nalbach

Schulhunde im Einsatz : Zwei Schulbegleiter auf vier Pfoten

An der Nalbacher Schule am Litermont sind zwei Hunde im Einsatz: Einstein ist am Vormittag im Unterricht dabei und Bruno bei der Nachmittagsbetreuung der Ganztagsschule.

Die Kinder sitzen an ihren Tischen. Bücher, Stifte und Hefte liegen bereit. Der Mathe-Unterricht kann starten. Nein, noch nicht ganz. „Sind alle Tasche zu?“, fragt Lehrerin Kerstin Hammerschmitt. Während ihre Mitschüler die Reißverschlüsse kontrollieren, geht Celina mit einem großen Besen durch die Reihen und fegt alle Krümel zusammen. Ein letzter Kontrollblick gilt dem Mülleimer – der muss nämlich auf dem Tisch stehen. Erst dann darf Einstein seine Box verlassen.

Zunächst blickt er mit seinen wachen braunen Augen fragend zu Kerstin Hammerschmitt. Die zierliche Frau mit den roten Haaren trägt über der Schulter eine kleine schwarze Umhängetasche. Die ist das Signal für Einstein, dass er jetzt arbeiten muss – und das bedeutet, dass er genau auf die Befehle seiner Hundeführerin hört. „Geh ruhig“, sagt sie zu dem dunkelbraunen Labrador, der unschlüssig neben ihr hinterm Pult steht, und zeigt mit dem Arm in den Raum. Einstein trottet los. Während Kerstin Hammerschmitt den Fünftklässlern das Thema des Unterrichts – Subtraktion – erklärt, schnüffelt Einstein interessiert am Boden, schaut sich um, lässt sich im Vorbeigehen streicheln. Bei manchen Kindern verharrt er eine Weile, an anderen geht er vorbei. Dabei bleibt er ruhig und konzentriert.

Der eineinhalbjährige Labrador ist es gewohnt, im Unterricht dabei zu sein. Seit Beginn des Schuljahres ist er an der Nalbacher Schule am Litermont immer freitags gemeinsam mit seiner Hundeführerin, der Lehrerin Kerstin Hammerschmitt, im Unterricht. Als „Schulbegleithund“ soll er positive Auswirkungen auf die Klasse haben, das Arbeitsklima und das Sozialverhalten der Schüler verbessern. Die Kinder lernen zum Beispiel Rücksichtnahme: Wenn der Hund in der Nähe ist, sprechen sie leiser und schreien nicht – auch in der Pause.

Kerstin Hammerschmitt lässt die Schüler eine Regel zur schriftlichen Subtraktion in ihre Hefte schreiben. „Wer die Regel fertig abgeschrieben hat, darf Einstein füttern“, kündigt sie an. Eine Weile ist es recht ruhig in der Klasse, dann sind Sebastian und Lavinia fertig. Neben dem Fenster haben alle Schüler in einem Gestell kleine Döschen mit ihren Namen stehen, in denen sie Leckerli sammeln und Einstein geben können. Aber natürlich nicht einfach so: Für ein Leckerli gibt der Hund zum Beispiel Pfötchen oder bedient ein Futterspiel. Sebastian und Lavinia entscheiden sich dafür. Das Futterspiel ist ein schwarzes Plastikgerät mit mehreren blauen Klappen. Unter einer von diesen verstecken die Kinder das Leckerli. Einstein schnüffelt kurz, stupst mit Schnauze und Vorderpfote mehrere der beweglichen Plastikteile an. Wenige Sekunden später schmatzt er zufrieden – das Leckerli ist gefunden und die Schüler, die gebannt zugeschaut haben, freuen sich, bevor sie sich wieder ihren Heften widmen.

Die meisten Schüler haben keine Berührungsängste mit dem Hund. Bei Selina war das am Anfang nicht so. „Ich bin einmal mit dem Roller gefahren und dann hat mich ein Hund gebissen“, erzählt sie den Grund dafür, aber: „Einstein hilft mir, dass ich keine Angst habe.“ Auch Joline sagt: „Ich habe ein bisschen Angst vor Hunden, aber jetzt weiß ich, wie ich mit Hunden umgehen soll.“ Die Schülerin ist zwar nicht in der Einstein-Klasse, hat aber in der Freiwilligen Ganztagsschule (FGTS) Kontakt zu Einsteins Kollegen und Bruder: Bruno.

Belohnung für Bruno: Weil der Hund Joline den Dummy zurückgebracht hat, gibt es ein Leckerli. Die anderen Schüler der Bruno-AG an der Nalbacher Schule am Litermont und Pädagogin Viktoria Dreier sehen zu. Foto: Barbara Scherer

Der liegt zu Beginn der Bruno-AG am Donnerstagnachmittag gelassen auf seiner Decke auf einem Grundstück neben dem FGTS-Gebäude. 13 Kinder sitzen neben ihm auf Bänken aus Paletten. Sowohl die Kinder als auch der Labrador, der ebenso dunkles Fell hat wie sein Bruder, blicken zu Viktoria Dreier. Sie verteilt gerade kleine Kärtchen an die Schüler. Stolz zeigen sie sich gegenseitig die in Plastik eingeschweißten Kärtchen – die Hundeführerscheine, die sie in den Wochen zuvor gemacht haben. Unter Aufsicht dürfen sie den FGTS-Hund jetzt führen, steht darauf zu lesen. „Ein Signal haben wir noch nicht geübt“, unterbricht die Sozialpädagogin mit den dunklen Haaren das Geplauder. Sie erklärt, was zu tun ist: Bruno soll einen ausgelegten Gegenstand suchen, finden und zurück bringen. Viktoria Dreier, die genau wie Kerstin Hammerschmitt eine Umhängetasche trägt – allerdings in grau –, macht es vor. Bruno hört den Befehl „Apport“, rennt los, holt den zu suchenden Gegenstand – einen sogenannten Dummy –, bringt ihn zurück, gibt ihn ab. Zur Belohnung gibt es ein Leckerli.

Nun versuchen die Schüler, Bruno zum Apportieren zu bringen. Wer dran ist, trägt die Tasche, damit Bruno weiß, auf wen er hören soll. Bei den ersten klappt es nicht. Bruno dreht ein paar Runden über das Grundstück, auf dem neben der Sitzgruppe Bäume, ein Trampolin und einige weitere Dinge stehen. Die Dummys sind länglich und haben knallige Farben. Dadurch sind sie für die Schüler gut zu sehen – für Bruno aber nicht, erklärt Viktoria Dreier den Kindern, „der ist farbenblind“. Schließlich stöbert der Hund den Dummy doch auf, bringt ihn aber zu Viktoria Dreier, anstatt zu seinem aktuellen Hundeführer. Elias gehört zu den Schülern, die alles richtig machen: Er ruft „Apport“, zeigt in Richtung des Dummys. Bruno läuft los und kehrt rasch zurück – mit dem Dummy und zu Elias.

Am Ende der Stunde haben es die Kinder geschafft, die Kommandos so zu geben, dass Bruno auf sie hört. Während die Schüler nach Hause stürmen, legt Viktoria Dreier die Umhängetasche beiseite – und aus Bruno, dem braven Schulbegleithund, wird Bruno, der etwas ungestüme Labrador, der herumschnüffelt, sich hinlegt, wo es ihm gefällt, und gerne Hände und Gesichter ableckt, wenn man es ihm erlaubt. Viktoria Dreier erklärt, dass die Stunden in der Nachmittagsbetreuung für Bruno Arbeit seien, „und ansonsten ist er ein ganz normaler Hund“.

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