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Begegnungen mit Fremden stehen im Vordergrund

Begegnungen mit Fremden stehen im Vordergrund

Wenn Kirchen zu Orten der Begegnung werden, füllen sich die Bänke. So in St. Michael in Körprich, wo am Sonntagabend rund vier Stunden lang Kontakte und Gespräche im Vordergrund standen. Anlass war die saarlandweite „Nacht der Kirchen“.

Die syrische Familie Kasem-Brimo sang Lieder in kurdischer Sprache über den Krieg in ihrer Heimat.

"Heute Abend ist das nicht so, dass man auf einen Platz kommt und dort sitzen bleibt", sagte Pfarrer Manfred Plunien zur Begrüßung. Verschiedene Stationen seien aufgebaut, es gebe einen Workshop sowie Filme, für jeden sei also etwas da, um aktiv zu werden. Am Altar vorbei und hinunter in den Kirchenkeller führte der Weg zum meditativen Tanz. Aus anfänglich etwa 20 Interessenten wurden dann knapp 40. Ihnen vermittelte Gilberte Dahl einfache ruhige Schritte. "In sich gehen, die eigene Mitte finden", sagte Dahl zum Zweck des Tanzes. Dazu lief besinnliche Musik, beispielsweise von Vivaldi. Später führte das Gros der Teilnehmer einige der Übungen vor. Hand in Hand schritten sie dabei in ruhigen Bewegungen und in großem Kreis um den Altar. Nachdenkliche Bilder zum Thema Flucht hatte der Künstler Mario Andruet aufgestellt. Darunter ein großformatiges Gemälde in drei Teilen und überwiegend schwarz-weiß.

Das Mädchen im Zentrum wendet dem Betrachter den Rücken zu und trägt ein bezauberndes blaues Kleid, eine rote Schleife hält den langen blonden Zopf zusammen. Acht weitere Kinder stehen im Hintergrund, verstümmelt und mit abgetrennten Gliedmaßen. Dass dies nicht bloß künstlerische Fantasie ist, drückte die syrische Familie Kasem-Brimo aus. Sie sangen Lieder auf kurdisch, die wie orientalisch angehauchte Volksmusik klangen. "Es geht darin um Kinder, die fragen, warum sind wir ohne Mutter, ohne Vater", erklärte Ruola Kasem später. Ihr Mann Sabri Brimo sei Sänger und habe diese Lieder über die Realität in Syrien geschrieben. "Da brennen die Häuser und sterben die Menschen durch den Krieg."

Die "Nacht der Kirchen" fand in Körprich zum ersten Mal statt, sagte Gabi Staudt vom Organisationsteam. Mit dabei waren unter anderen die Kirchengemeinde Nalbach-Körprich und die Nalbacher Flüchtlingshilfe . "Da wir hier ja auch Flüchtlinge haben, haben wir das zum Motto gemacht", sagte Staudt. "Ziel war es, die Gemeinde für unsere Flüchtlinge zu sensibilisieren." In der Sakristei liefen während der "Nacht der Kirchen" Kurzfilme zum alltäglichen Rassismus, ein Duo sang irische Folklore und kirchliche Lieder. Am Kircheneingang gab es syrische Süßspeisen . Osama Kharboutli hatte Teigtaschen mit Fleisch- und Käsefüllung zubereitet, so genannte Sambusak. Über den ganzen Abend verteilt waren an die 300 Besucher in die Körpricher Pfarrkirche St. Michael gekommen.