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Bauersch-Marie ist endgültig Geschichte

Bauersch-Marie ist endgültig Geschichte

Das Gebäude der ehemaligen Gaststätte zur Prims wurde nun abgerissen. Somit geht ein wichtiger Teil der Bilsdorfer Geschichte endgültig zu Ende.

Die ehemalige Bilsdorfer Gaststätte zur Prims, die auch "Bauersch-Marie" genannt wurde, ist endgültig Geschichte. Mehr als 25 Jahre nach der Schließung des traditionsreichen Lokals in der Brückenstraße wurde das Gebäude jetzt komplett abgerissen. Nach Recherche der SZ plant ein Geschäftsmann aus Wallerfangen an derselben Stelle ein neues Wohnhaus zu bauen.

Das Gebäude des früheren Gasthauses hat eine turbulente Vergangenheit. Zuletzt diente das teilweise verfallene Haus nur noch der Unterbringung von einigen Asylanten. In seinen besten Zeiten war das Wirtshaus der Eheleute Mathias und Maria Kriebs-Dell, das es schon vor 1939 gab, weit über die Grenzen von Bilsdorf bekannt. Nach 1945 war es eines der wenigen Gasthäuser im unteren Primstal ohne oder mit fast keinen Kriegsschäden.

Noch bis in die 1950er Jahre trafen sich im großen Saal bei "Bauersch-Marie" vor allem junge Menschen immer wieder sonntags zum Tanzen. Hier lernten sich viele spätere Ehepaare kennen. Zu den legendären Faschingsbällen oder an der Bilsdorfer Kirmes, dem so genannten Schnookenfeschd, kamen Besucher aus dem gesamten Kreis zum Feiern und Tanzen ins Gasthaus zur Prims.

"Bei Bauersch Marie war immer etwas los", erinnert sich Gottfried Dell, Neffe der Wirtin und heute ältester Mann in Bilsdorf, im Gespräch mit der SZ. Der 95-Jährige gründete 1957 den Kaninchenzuchtverein Bilsdorf im Gasthaus zur Prims, dessen Vorsitzender er 50 Jahre lang war.

Lange bevor in Bilsdorf die öffentliche Mehrzweckhalle gebaut wurde, spielte sich ein Großteil des dörflichen Vereinslebens bei "Bauersch-Marie" ab. "Mitte der 1950er Jahre fanden sogar äußerst turbulente Gemeinderatssitzungen in dem Lokal statt, in denen es um das Saarstatut ging", erzählt Dell. Die beliebte Gaststätte war aber auch Heimat der Kegler.

"Auf der Bundeskegelbahn bei Bauersch-Marie trainierten acht Vereine, darunter eine Damenmannschaft", bestätigte Norbert Dell aus Körprich. Der 79-Jährige gebürtige Bilsdorfer ist ebenfalls ein Verwandter der früheren Wirtsfamilie. Von 1950 bis 1958 führten seine Eltern das Lokal. So mancher Bilsdorfer Junge verdiente sich beim Kegelaufsetzen in dem Gasthaus ein zusätzliches Taschengeld. Heute erinnern sich viele ältere Menschen im Ort noch gerne an die großen Pfarrfamilienabende und Theatervorstellungen im Gasthaus Kriebs-Dell.

Nach dem frühen Tod ihres Gatten betrieb Wirtin Marie die Gaststätte alleine noch bis Anfang der 1960er Jahre, bevor sie den Betrieb verpachtete und später verkaufte. 1965 starb sie im Alter von 80 Jahren. Bis zur endgültigen Schließung des Lokals versuchten vier weitere Betreiber ihr Glück in dem Traditionslokal.

Vor zirka 30 Jahren gab es in dem damals etwa 1100 Einwohner zählenden Bilsdorf noch sechs florierende Gaststätten. Nur das Lokal "Die Scheune" hat bis heute das langsame Sterben der Dorfgaststätten als einziges überlebt.