Emotionale Zeremonie auf jüdischem Friedhof Wie dieser Mann nach fast 100 Jahren seine toten Großeltern in Saarlouis wiedervereinigte

Saarlouis · Fast 100 Jahre und ein Weltkrieg lagen dazwischen, bis Jakob und Henriette Kahn aus Bous in ihrer letzten Ruhe endlich wieder vereint wurden. Ihre Geschichte wirft ein Schlaglicht auf das Grauen, dem die jüdische Bevölkerung auch in Saarlouis ausgesetzt gewesen ist.

Michael Kahn und seine Schwester Gillian Gelfand sind aus Kapstadt und Tel Aviv nach Saarlouis gereist um ihre verstorbene Großmutter Henriette Kahn symbolisch nach Hause zu bringen. Während ihr Mann Jakob Kahn seit 100 Jahren auf dem jüdischen Friedhof in Saarlouis ruht, war Henriette nach ihrer Flucht vor den Nazis 1952 in Südafrika verstorben. Nun wurden sie mit einer Friedhofsplakette wieder zusammengeführt.

Michael Kahn und seine Schwester Gillian Gelfand sind aus Kapstadt und Tel Aviv nach Saarlouis gereist um ihre verstorbene Großmutter Henriette Kahn symbolisch nach Hause zu bringen. Während ihr Mann Jakob Kahn seit 100 Jahren auf dem jüdischen Friedhof in Saarlouis ruht, war Henriette nach ihrer Flucht vor den Nazis 1952 in Südafrika verstorben. Nun wurden sie mit einer Friedhofsplakette wieder zusammengeführt.

Foto: Nils Straßel

Jakob Kahn 1872 – 1927, so steht es auf der linken Hälfte des großen dunklen Grabsteins auf dem jüdischen Friedhof Saarlouis. Die rechte Hälfte dagegen stand leer, fast 100 Jahre. Henriette Kahn blieb die Bestattung an der Seite ihres Mannes verwehrt. Wenige Jahre nach seinem Tod floh sie in den 1930er-Jahren vor den Nationalsozialisten aus Bous, wo ihre Familie ein Kaufhaus in der heutigen Saarbrücker Straße führte, und emigrierte nach Südafrika, wo sie 1952 verstarb. Die gellende Lücke auf dem Familiengrabstein, – sie ist ein stiller und doch kraftvoller Ausdruck des Grauens, das die jüdische Gemeinschaft während der Zeit des Nationalsozialismus auch in Saarlouis erfahren hat.