| 20:11 Uhr

Schulen
„Wir brauchen ein Erinnern“

 Die Bundesminister Franziska Giffey und Heiko Maas hören zu, was Annabel und Leonard vom Max-Planck-Gymnasium Saarlouis ihnen von ihren Eindrücken an Gedenkstätten berichten.
Die Bundesminister Franziska Giffey und Heiko Maas hören zu, was Annabel und Leonard vom Max-Planck-Gymnasium Saarlouis ihnen von ihren Eindrücken an Gedenkstätten berichten. FOTO: Oliver Wagner
Saarlouis/Berlin. „Jugend erinnert“ heißt ein neues Projekt der Bundesregierung. Zum Start war auch eine kleine Gruppe des Max-Planck-Gymnasiums Saarlouis eingeladen. red

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Bundesaußenminister Heiko Maas haben gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus fünf Bundesländern das Projekt „Jugend erinnert“ in Berlin auf den Weg gebracht. Mit dabei waren der junge Geschichtslehrer Patrick Meyer sowie Annabel Becker (Klassenstufe 12) und Leonard Merl (Klassenstufe 11), alle vom Max-Planck-Gymnasium Saarlouis (MPG). In den Gesprächen ging es vor allem um die Frage, welche Eindrücke Studienfahrten etwa ins KZ Auschwitz hinterlassen haben, und ob sie verpflichtend für alle Schüler sein sollten.


Leonard, 16, berichtet, zunächst seien die beiden Regierungsvertreter zu den Projektständen der Schüler gegangen und hätten nach ihren Eindrücken von Fahrten nach Auschwitz und anderen KZ-Gedenkstätten gefragt. Im späteren Gespräch „konnte ich auf persönlicher Ebene den Ministern mitteilen, wie wichtig der Gedenkstättenbesuch für mich war. Frau Giffey war nach dem Gruppenfoto auch so nett, mit uns ein Einzelfoto zu machen, und es ergab sich die Gelegenheit zu einem kurzen Austausch. Allgemein fand ich den Tag sehr schön und finde es gut, dass sich die Minister für mehr Studienfahrten zu Gedenkstätten einsetzen.“

Annabel fügt hinzu: „Ich fand es besonders eindrücklich, Frau Giffey ein Gedicht einer Teilnehmerin vorzutragen. Das anschließende Gespräch mit den beiden Ministern war aufschlussreich, da wir auch von den persönlichen Meinungen der Minister erfuhren. Gleichzeitig konnten wir aber auch unsere Ansichten schildern und darüber diskutieren, ob solche Studienfahrten verpflichtend sein sollten.“



Familienministerin Franziska Giffey sagte später: „Wir möchten möglichst vielen Jugendlichen den Besuch eines Lernorts der NS-Vergangenheit ermöglichen. Die Jugendlichen berichten immer wieder davon, wie sehr sie die realen Orte der Verbrechen beeindruckt haben. Diese Erfahrungen konnten sie nur dort machen. Deshalb ermöglichen wir im Rahmen des neuen Förderprogramms ,Jugend erinnert’ in den nächsten zwei Jahren rund 500 Gedenkfahrten, mit denen 2019 und 2020 insgesamt über 10 000 Jugendliche Gedenkstätten besuchen können.“ Das werde insbesondere in einer Zeit wertvoll, „in der es wieder eine zentrale Aufgabe geworden ist, jeden Tag neu für die Werte unseres Grundgesetzes einzutreten“.

Außenminister Heiko Maas erklärte nach dem Treffen: „Das Erinnern und das Eintreten gegen Antisemitismus, Antiziganismus und jegliche Form von Diskriminierung und Rassismus gehören untrennbar zusammen. Zukunft braucht Erinnerung. Genauso richtig ist: Wir brauchen ein Erinnern für die Gegenwart. Jede Generation muss sich das Gedenken neu erarbeiten. Je näher die Zeit kommt, wenn wir nicht länger auf das unschätzbare Engagement so vieler Zeitzeugen werden zurückgreifen können, desto dringlicher müssen wir unsere Erinnerungskultur so entwickeln, dass sie auch in Zukunft Bestand hat. Das heißt: historisches Wissen bewahren und handlungsleitend werden lassen. Das Programm ,Jugend erinnert’ wird dazu einen Beitrag leisten – und darüber hinaus Begegnungen und Austausch schaffen, gerade auch mit Jugendlichen aus Osteuropa und Israel.“