Luca Biwer aus Gerlfangen: „Ich muss einfach was zurückgeben“

Kostenpflichtiger Inhalt: Luca Biwer aus Gerlfangen : Unfallopfer Luca Biwer will etwas zurückgeben

Der frühere Mountainbiker aus Gerlfangen ist seit einem schlimmen Radunfall querschnittsgelähmt. Die Hilfe, die er erfahren hat, möchte er jetzt anderen zukommen lassen.

„Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ blickt Luca Biwer heute auf das Jahr 2017 zurück. Es war das Jahr, in dem er fast gestorben wäre: Gerade war der damals 22-Jährige noch beim Gerlfanger „Wiesenrennen“ auf seinem Mountainbike gestartet. Eine Woche später lag er mit einem gebrochenem Nackenwirbel in den Vogesen. Er hatte bei einem Sprung das Gleichgewicht verloren, war mit dem Kopf zuerst aufgeschlagen, sein Helm konnte ihn nicht schützen.

Zuhause wurde die Nachricht von Familie, Freunden und Vereinskollegen mit Entsetzen aufgenommen. Schließlich war klar, dass Luca überleben wird, aber eine Querschnittslähmung davontrug. Zu dem Schicksalsschlag kam die Geldnot: Um das Haus der Familie umzubauen, waren 100 000 Euro nötig, die Betreuung für Luca würde im Monat mindestens 15 000 Euro kosten, wie viel die Krankenkasse übernehmen würde, stand zu Anfang in den Sternen.

Um die Familie zu unterstützen, riefen der Radsportverein „Bike Aid“, der LC Rehlingen und der Gerl­fanger Radverein „Nippelspanner“ die Aktion „Bewegung für Luca“ ins Leben. Eine Welle der Hilsbereitschaft erfasste daraufhin das Saarland: Durch dutzende Benefizveranstaltungen, Spendenläufe und Patenschaften kamen am Ende weit über 400 000 Euro für den jungen Sportler zusammen. Als dies ins Rollen kam, lag Luca noch auf der Intensivstation – und wollte zunächst gar nichts von den Spendenaktionen wissen. „Spenden annehmen zu müssen ist nicht gerade einfach“, sagt er im Rückblick. Auf der anderen Seite sei es „mega schön“ gewesen zu sehen, wie viele Leute sich engagierten, ihn unterstützten. Schön auch das Gefühl: Du bist nicht allein, wenn so etwas passiert.

Insgesamt verbrachte Luca über ein Jahr im Krankenhaus, acht Monate davon in einer Spezialklinik in Bayern. Inzwischen ist aber bei ihm so etwas wie Alltag eingekehrt: Er kann sich mit seinem Rollstuhl selbstständig bewegen, am Computer arbeiten. So konnte er nicht nur seine durch den Unfall unterbrochene Lehre zum Industriemechaniker abschließen, sondern danach sogar ein Studium aufnehmen. An der HTW Saar hat er sich für Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben – ein duales Studium in Verbindung mit einer Anstellung bei der Dillinger Hütte. Was andere mit ihren Händen machen, erledigt er am PC mit Hilfe einer Computer-Maus, die er mit dem Mund steuert. „Pusten ist Rechtsklick, saugen ist Linksklick“, erklärt er. Anschließend druckt er seine Konstruktionen mit einem 3D-Drucker.

Etwas, womit er sich auch gerne in seiner Freizeit beschäftigt: Hilfsmittel, die er braucht, wie beispielsweise eine Handyhalterung für seinen Rollstuhl, entwirft und druckt er einfach selbst. Zwar ist er zuhause auf eine 24-Stunden-Betreuung angewiesen, die ihm bei seinem Tagesablauf hilft, ihn zur Arbeit fährt und abends auch mal zu einem Bier mit Freunden, wie er lachend erzählt. An sich ist sein Alltag aber wirklich wie der jedes anderen jungen Mannes – es dauere nur alles eben ein bisschen länger.

Ohne „Bewegung für Luca“ wäre das alles so wohl nicht möglich geworden. Daher möchte Luca jetzt anderen helfen. Aus der Aktion wird nun „Luca’s Bewegung“ – ein ehrenamtlicher Verein, der Sportler unterstützt, die in Not geraten sind. Dabei gehe es nicht nur um Geld: „Wenn so ein Unfall passiert, kommen ganz viele Fragen auf: Wegen der Versicherung, der Ärzte, über die Reha.“ Wissen, das er und seine Eltern sich mühsam erarbeiten mussten, von dem jetzt aber andere profitieren können. Es gäbe außerdem Ärzte und Physiotherapeuten im Verein, die ihre Expertise zur Verfügung stellen, so Luca. Mitglied könne aber jeder werden, der Luca helfen möchte, anderen zu helfen. Denn das ist ihm nun eine Herzensangelegenheit: „Die Unterstützung, die ich bekommen habe, ist alles andere als selbstverständlich. Da muss ich einfach etwas zurückgeben.“

Über 400 000 Euro sammelten der Radsportverein „Bike Aid“, der LC Rehlingen und die Gerlfanger „Nippelspanner“ für Luca Biwer. Foto: Johannes A. Bodwing

Alle Unterstützer sind zur Gründungsfeier des Vereins eingeladen: An diesem Montag, 21. Oktober, 19 Uhr, Haus der Leichtathletik, Beckinger Straße 31, 66780 Rehlingen-Siersburg

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