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Liegt Wahlschied unter Reisbach?

Reisbach Von Peter Wagner und Harald Knitter (SZ)

Reisbach. Die Frage drängt sich auf - und wird dem Unternehmen RAG Deutsche Steinkohle auch immer wieder gestellt: Wieso ist derzeit von Flöz Wahlschied und Feld Dilsburg die Rede, wenn der aktuelle Bergbau gar nicht unter diese Heusweiler Bezirke vordringt, sondern unter Reisbach und Falscheid verläuft? Werksmarkscheider Volker Hagelstein erklärt es aus der Geschichte: Flöze heißen die in grauer Vorzeit entstandenen Kohleschichten (siehe Infokasten). Durch Verwerfungen über die Jahrmillionen liegen die ehemals waagerechten Schichten teilweise schräg. Flöze tauchen in die TiefeDie Flöze bekommen ihren Namen von der Gemarkung, in der sie an die Oberfläche stoßen. So hat das Flöz Wahlschied seinen Namen daher, dass es in Wahlschied übertage angetroffen wurde. Aus heutiger Sicht beginnt die Lage des Flözes da und taucht von dort in die Erde ab. Aus verschiedenen Entstehungsphasen liegen unter Reisbach etliche Kohleschichten (siehe Grafik): zuoberst Flöz Reisweiler, etwa 800 Meter darunter Flöz Schwalbach sowie jeweils rund 150 Meter tiefer Flöz Wahlschied und Flöz Grangeleisen - wobei Letzteres unter Reisbach so dünn ist, dass es sich nicht abzubauen lohnt. Im 18. Jahrhundert wurde im Flöz Wahlschied im Tagebau Kohle gewonnen, in so genannter Privatgräberei, ehe Fürst Wilhelm von Nassau-Saarbrücken den Bergbau ordnete und zum Anliegen des Gemeinwesens machte. Wenn die RAG nun beabsichtigt, ab Herbst die Strebe 8.5, 8.6 und 8.7 Ost des Flözes Wahlschied abzubauen, geht es um drei Abbauzonen (Strebe), die im Wesentlichen unter dem östlichen Reisbach (Reisweiler) liegen, und zwar in 800 bis 1100 Meter Tiefe. Zentrum des AbbaugebietsIm Osten werden sie begrenzt von Eiweiler und Hirtel, im Westen von Reisbach-Labach, im Norden von Falscheid und im Süden von Obersalbach. Das ganze Gebiet nennt der Bergmann Feld Dilsburg, weil der Ortsteil Heusweiler-Dilsburg einst das Zentrum der Kohlegewinnung in einem größeren Raum war. Theoretisch könnte man die historischen Namen der Flöze und Felder ändern. Das wäre aber ähnlich aufwendig wie die Neubenennung von Dörfern und Straßen. Und da der Bergbau an der Saar ohnehin am 30. Juni 2012 endet, wäre der Nutzen gering. Hagelstein räumt ein, dass die Bezeichnungen für Laien oft verwirrend sind (so gibt es unter Schwalbach ein Flöz Lummerschied). Vielleicht machten es die Franzosen besser, die ihre Flöze gern nach Frauen nannten. In anderen Ländern nummeriert man sie nur durch.


StichwortDie Steinkohle entstand in der Karbonzeit vor rund 300 Millionen Jahren aus Urwäldern in sumpfigen Gebieten. Absterbende Bäume und Pflanzen versanken im Morast. So von Luft abgeschlossen, konnte das Holz nicht verrotten, sondern bildete Torf. Als sich das Meer ausdehnte und die Gegend überflutete, schwemmte es Geröll und Sand an und lagerte es darauf ab. Unter dem Druck dieser wachsenden Erdschichten verwandelte sich der Torf in Braunkohle, in größerer Tiefe durch höheren Druck in Steinkohle.Das Klima änderte sich in der Erdgeschichte mehrfach. So entstanden neue Wälder und Sümpfe. Der sich wiederholende Prozess sorgte für mehrere Flöze übereinander. Andererseits trug die Verwitterung auch wieder Gestein ab. Erdverwerfungen änderten die Lage.An Stellen starker Erosion lagerten Teilbereiche einiger Kohleschichten schließlich direkt an der Oberfläche, wo man sie entdeckte. kni