"Lesen ist wie Atmen"

Bous. Liebevoll dekorierte Schaufenster, ein Kronleuchter an der Decke, Erich Kästner an der Wand und Bücher, überall Bücher, scheinbar chaotisch angeordnet, in Kramkisten und hohen Regalen vom Boden bis zur Decke. "Lesen ist wie Atmen", steht auf einem Plakat an der Wand

 Iris Schiffmann in ihrem außergewöhnlichen Buchladen in der Bahnhofstraße. Foto: Thomas Seeber

Iris Schiffmann in ihrem außergewöhnlichen Buchladen in der Bahnhofstraße. Foto: Thomas Seeber

Bous. Liebevoll dekorierte Schaufenster, ein Kronleuchter an der Decke, Erich Kästner an der Wand und Bücher, überall Bücher, scheinbar chaotisch angeordnet, in Kramkisten und hohen Regalen vom Boden bis zur Decke. "Lesen ist wie Atmen", steht auf einem Plakat an der Wand. In der Mitte des Ladens thront Iris Schiffmann an einem antiken Schreibtisch, im Fenster winkt eine goldene Plastikkatze, made in China. Das Eckhaus in der Bahnhofsstraße wurde vor mehr als hundert Jahren von Paul Schiffmanns Großvater erbaut. Nach der Renovierung im Jahr 2005 eröffneten die Schiffmanns, eigentlich beide Diplom-Psychologen, ihren Buchladen und erfüllten sich damit einen lang gehegten Traum - und wohl auch so manchem Bouser Bürger. "Ich lebe jetzt seit fast fünf Jahren in Bous und habe viele liebenswerte und interessante Menschen kennen gelernt", erzählt Iris Schiffmann. "Meine Kunden sind literarisch interessiert, weltoffen und inspirierend." Für die passionierte Buchhändlerin gibt es einige Gründe, in Bous zu leben: "Ich habe ein wunderschönes Haus, drei allerliebste Katzen, einen Garten mit sechs glücklichen legefreudigen Hennen und einen - wie ich finde - sehr schönen Buchladen." Begeistert berichtet sie auch von der guten Nachbarschaft, geprägt von gegenseitiger Anteilnahme und Hilfsbereitschaft ohne Aufdringlichkeit oder Indiskretion.Eine Lieblingskundin betritt den Laden, Heidrun Daub aus Wadgassen. "Ich werde hier immer gut beraten. Vor allem, wenn ich mal nicht weiß, was ich möchte", lobt sie. "Literarische Lebensberatung" nennt die Psychologin Schiffmann das und versteht darunter ihr Bemühen, für jeden Leser das Buch zu finden, das seiner momentanen Lebenssituation entspricht."Und ich darf jedes Buch anfassen und durchblättern. Oft komme ich extra mit dem Rad aus Wadgassen", berichtet Heidrun Daub, "dann nehme ich mir immer eine halbe Stunde Zeit zum Stöbern."Auf knapp 30 Quadratmetern findet sich ein ausgewähltes Sortiment an Romanen, Krimis und Biografien, Gartenbüchern, Kochbüchern - und eine kleine Saarland-Ecke. Der Schwerpunkt liegt auf Kinder- und Jugendliteratur, Pop-up- und Katzen-Büchern. Außerdem schätzen die Kunden das "Moderne Antiquariat", also die Literatur zum herabgesetzten Preis. Nebenbei initiierte Iris Schiffmann das Literaturcafé, das immer am ersten Montag im Monat im Luxemburger Hof stattfindet - nach dem Credo, einem Zitat von Günter Grass: "Die Provinz ist die Geburtsstätte der Literatur." Regionale und lokale Autoren lesen dabei aus ihren Büchern und stehen anschließend auch für Gespräche zu Verfügung. Das Literaturcafé erfährt wachsenden Zuspruch und entstand vor etwa eineinhalb Jahren auf Anregung und in Zusammenarbeit mit Paul Endres, Leiter der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Bous, und Harald Hobstetter, der sein Restaurant zur Verfügung stellt. Bücher Schiffmann arbeitet auch sehr gerne mit den Kindergärten in Bous zusammen. So organisierte Iris Schiffmann im vergangenen Jahr das Kindertheater "Der Grüffelo" in Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Außerdem gibt es thematische Büchertische bei Veranstaltungen ihrer Lieblingsgärtnerei Langhirt in Hülzweiler oder auch im Bouser Kino mit dem "Buch zum Film".Wünsche hat Iris Schiffmann wenige: "Gerne könnten die Bouser noch mehr lesen, und die Sonne könnte häufiger scheinen, aber" - so zitiert die Buchhändlerin Kurt Tucholsky: "Dat eener allet hat: Ja, det is' selten."

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