Wie ein Tuch im Alltag mit dem Baby hilft

Wie ein Tuch im Alltag mit dem Baby hilft

Das Kind ist sicher verpackt, die Hände sind frei – das alles bringt die Verwendung eines Tragetuchs. Hierzu gab es eine Info-Veranstaltung in der Landesaufnahmestelle in Lebach. Dabei wurden 40 Tragehilfen verteilt.

Eher zufällig, berichtet Nadine Clemens, ist sie im Internet auf einen Beitrag gestoßen, in dem es darum ging, dass Frauen sich mit Tischdecken als Tragehilfen für ihre Säuglinge und Kleinkinder ausgeholfen haben. "Da sind mir die vielen jungen Mütter in der Landesaufnahmestelle eingefallen", erzählt sie, selbst Mutter. Schließlich, sagt sie, ist sie neun Jahre zur benachbarten Schule gegangen, "und es ist endlich Zeit, raus aus der Kuschelecke zu kommen und hier zu helfen".

Hilfe mit dem Tragetuch

Fast täglich hilft Mareike Kennke bei der Versorgung der Asylsuchenden, die in Lebach untergebracht sind. Auch sie war am Sonntagnachmittag nach Lebach gekommen, hatte sich ihr Baby "umgeschnallt", leistete Aufklärungsarbeit in Sachen Tragetuch und Tragehilfen.

Mit ihr im Boot etliche junge Frauen, die sich in der Initiative Trageberatung Saar engagieren, darunter auch Jenny Geber. Sie war eifrig dabei, den größeren Geschwisterkindern die Zeit während der Beratung zu vertreiben. "Es ist so toll. Wir schminken die Kinder, und als Dank geben sie uns ihre Luftballons. Die müssen wir annehmen, sonst sind sie beleidigt", erzählt sie.

Arab, eine junge Mutter aus Syrien, ist am Sonntagnachmittag mit ihrem Baby zum Zelt gekommen, will sich über das Tragen des Babys im Tragetuch informieren. Neben Sina Meisel wird sie von Chahina Abdalo, die bereits vor 20 Jahren aus Syrien nach Deutschland kam, intensiv im Umgang mit den Tüchern beraten. "Du kannst dein Kind vor dir tragen, später, wenn es größer ist, gibt es diesen Gurt, der die Träger hält und das Kind kommt auf den Rücken", erklärt Meisel, Abdalo übersetzt. Schnell ist das Eis gebrochen, die junge Mutter fühlt sich sichtlich wohl. Nach der Beratung gibt es das Tragetuch, dazu einen Flyer in arabischer Sprache.

Einfache Erleichterung

"Wir wollten zeigen, dass es ganz einfach sein kann, was auf die Beine zu stellen", erklärt Nadine Clemens und ist doch ergriffen von der großen Dankbarkeit der Frauen, die in der Landesaufnahmestelle durch die Tücher eine große Erleichterung erfahren. "Das Tragen so nah am Körper stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind , gibt Sicherheit und vor allem hilft es auch ganz praktisch, weil man zwei Hände frei hat", fasst Cathrin Meyer, Trageberaterin aus Quierschied, die Vorzüge zusammen.

Die 40 Tücher und Tragehilfen, die am Sonntag verteilt wurden, stammen aus Spenden, die von Privatpersonen, aber auch Firmen zu den Frauen gelangten. "Es gab Frauen aus ganz Deutschland, die uns nach einem Aufruf in Facebook unterstützt haben. Aber auch die Hersteller waren sehr spendabel, wir erhielten Tücher und jede Menge Infomaterial gratis", ergänzt Nadine Clemens. Zusammen sind die Frauen der Trageinitiative Saar nach getaner Arbeit sicher, dass dies nicht eine Einzelaktion in Lebach gewesen ist.