Wenn Weizen zur Mangelware wird

Wenn Weizen zur Mangelware wird

Benno Müller aus Lebach ist Mitglied im Historischen Verein Lebach. Er beschäftigte sich in der Vergangenheit mit der Chronik der Volksschule Falscheid, in welcher die Lehrpersonen Josef Holbach und Maria Schmidt regionale und überregionale Ereignisse aus der Zeit des Ersten Weltkrieges (1914 - 1918) aufgezeichnet haben. So wird in der Chronik unter anderem über die angespannte Versorgungslage der Bevölkerung berichtet. Trotz aller Verbote, Getreide an das Vieh zu verfüttern, gingen schon bald die Getreidevorräte zur Neige. Die Regierung sah sich gezwungen, den Bezug von Mehl und Brot zu kontingentieren und eine Brotkarte einzuführen. Über diese ernste Versorgungslage ist in der Chronik zu lesen.

Angesichts unseres Mangels an Weizen wurde bestimmt, dass alles Weißbrot vermehrten Roggenmehlzusatz erhalten müsse. Um den größeren Verbrauch an Roggen auszugleichen, ordnete die Regierung an, dass in das Roggenbrot Kartoffeln verbacken werden müssen. Die Kartoffeltrocknungsanlagen wurden vermehrt, um die sonst verderblichen Kartoffeln haltbar für das Einbacken in das Brot sowohl wie für Futterzwecke zu machen. Die Vorschriften über die ausgiebigere Ausmahlung des Getreides bewirkten eine Vermehrung unseres Mehlvorrats. Das Mehl wurde fortan weniger fein. Gleichzeitig wurden Höchstpreise für Roggen, Weizen, Kleie und Gerste festgesetzt, später auch für Speisekartoffeln, Futterkartoffeln und Erzeugnisse der Kartoffeltrocknerei.

Getreidevorräte schmolzen

Gegen Ende des Jahres 1914 erhob sich die ernste Sorge um unsere Getreidevorräte. Es war trotz aller Verbote erkennbar, dass doch noch Getreide an das Vieh verfüttert wurde. Die höheren Mehlpreise und die Backvorschriften hatten die Bevölkerung weder zu sparsamerem Verbrauch von Mehl veranlasst, noch hatten sie bewirkt, dass nicht mehr das feine und verschwenderische Gebäck der Friedensjahre hergestellt wurde. Die Getreidevorräte schmolzen mehr und mehr zusammen. Da legte die Regierung am 25. Januar 1915 Hand auf alles vorhandene Brotgetreide. Die schon vorhandene Kriegsgetreidegesellschaft kaufte die Kornvorräte im Lande auf. Eine Reichsverteilungsstelle ordnete die planmäßige Verteilung auf den Kopf der Bevölkerung an. Den Gemeinden fiel die Aufgabe zu, das empfangene Mehl auf die Bäcker zu verteilen und den Bezug von Mehl und Brot in der Bevölkerung zu regeln.

Überall erhob sich die Frage, ob die Versorgung mit dem nächst dem Brot wichtigsten Nahrungsmittel, mit Kartoffeln, gesichert sei. Eine in Eile vorgenommene Bestandsaufnahme ergab ein erschreckend ungünstiges Ergebnis. Wohl zweifelten landwirtschaftliche Sachverständige die Richtigkeit des Ergebnisses an, weil bei der Prüfung der Vorräte die Mieten nicht hatten geöffnet werden können. In der Bevölkerung wurde ernste Besorgnis laut.

Ernährung sichern

So ward der Entschluss gefasst, den Schweinebestand durch Zwangsabschlachtung zu verringern, um den nach der Bestandsaufnahme wohl so geringen Vorrat an Kartoffeln der menschlichen Ernährung zu sichern. Als mit beginnender wärmerer Jahreszeit die Mieten geöffnet wurden, ergab sich ein Überschuss an Kartoffeln, der den Brennereien und den Kartoffeltrocknungsanlagen zugeführt werden konnte.

In loser Folge wird an dieser Stelle über weitere Ereignisse des Ersten Weltkrieges (1914 - 1918) berichtet, wie sie in der Chronik der Volksschule Falscheid und auch in der Chronik der Volksschule Eidenborn aufgezeichnet sind.