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Apropos
Wenn das Haus ertrinkt

FOTO: SZ / Roby Lorenz
Vollgelaufene Keller, Schlammlawinen auf den Straßen, umgestürzte Bäume, kilometerlange Staus und Umleitungen. Das Wetter hält das Land fest in seinen Händen. Und ist Thema Nummer eins. Vielerorts erinnern sich die Menschen an Hochwasser vergangener Jahre. Von Monika Kühn

In meinem Heimatort war solch ein Hochwasser vor über dreißig Jahren, falls ich mich richtig erinnere. Wir wohnen etwas höher gelegen. Hochwasser ist bei uns eigentlich unmöglich, höchstens die Kanalisation versagt, und das Wasser kommt aus dem Boden hoch geschossen. Schlammlawinen sind auch eher unwahrscheinlich. Da die Felder doch 100 Meter von uns entfernt liegen. Aber man weiß ja nie. Als es am Montag so stark regnete, der Bach über die Ufer stieg, erinnerte sich meine Tochter an das Hochwasser vor über 30 Jahren. Wir waren damals gerade in unser neues Eigenheim eingezogen. Vorher wohnten wir bei meinen Eltern. Als es damals nicht mehr aufhörte zu regnen, und ich Angst hatte, dass vielleicht Wasser in die Garage laufen könnte, meinte meine dreijährige Tochter ganz selbstsicher: Wenn unser Haus ertrinkt, gehen wir einfach zu Oma. Ich erklärte ihr, dass, wenn unser Haus ertrinkt, Omas Haus längst ertrunken ist. Denn dieses ist tiefer gelegen. Sie schüttelte den Kopf und erklärte energisch: Das kann nicht sein. Zu Oma können wir immer gehen, denn die ist immer da.