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Unbekannte vernichten 45 Bienenvölker in Saarwellingen

Kostenpflichtiger Inhalt: Warum, fragen sich drei Imker : Noch ist unklar, was für ein Schaum 45 Bienenvölker in Saarwellingen tötete

Drei Imker in Saarwellingen sind fassungslos: Unbekannte haben am Wochenende 45 Bienenvölker umgebracht. Mit einem vermutlich giftigen Schaum, der vorsätzlich in die Bienenstöcke gesprüht wurde. Am Montag wurde weiter untersucht, was für ein Schaum das war.

Wenn Imker Thomas Kirsch zu den Akazienbäumen raufschaut, sieht er ein Meer weißer Blüten und hört ein beständiges Summen. „Meine Bienen sind da heute nicht mehr dabei“, sagt er mit großer Traurigkeit in der Stimme. Seine Bienen wurden vergiftet. Insgesamt 45 Bienenvölker wurden in Saarwellingen vorsätzlich umgebracht (wir berichteten).

„Bienenfrevel“ nennt das der Imkerbund und nutzt dabei ein noch viel zu schönes Wort, denn tausende Tiere sind umgekommen, während man anderenorts Bienenhotels baut und sich für jedes Bienchen freut, das man von der Fensterscheibe wieder retten kann.

Der Akazienwald nahe der Schwarzenholzer Straße ist ein Honigparadies. Drei Imker haben ihre Völker dort. Neben Thomas Kirsch auch Frank Lex und Ludwig Wawrzeczko. Die drei Imker haben ihre Bienen extra an die Akazien gestellt, des Honigs wegen. Sie stehen abseits des Weges, gefährden niemanden. „Ich kann mir nicht vorstellen, aus welchem Grund man Schaum in alle Fluglöcher sprüht. Das war ein vorsätzlicher Anschlag auf unsere Bienen. Der Schaum roch stark parfümiert, ob er auch Gift enthält, können wir nicht sagen“, so Kirsch.

Ein Prüfinstitut der Imker untersuche dies nun. Biologin Susanne Meuser vom Landesverband der Imker kann momentan nicht sagen, ob es Gift war, denn um die Bienen zu töten, genüge der Hitzestau, der entstehe, wenn man die Löcher verschließe. Den Unterschied in der Wirkung könne man zunächst nicht erkennen. Das werde nun laborchemisch untersucht, erst dann könne man auch den Schaden beziffern. Denn wenn Gift eingesetzt wurde, dann müssen die Imker auch die Stöcke entsorgen, das steigere den finanziellen Schaden enorm.

Gestern beim Ortstermin summten viele Bienen um die Kästen herum, allerdings täusche dies, sagte Meuser. Die Völker hätten pro Stock tausende Bienen verloren, es mangele nun an „Ammen und Fliegern“. Es komme nicht mehr ausreichend Pollen herbei, die Brut werde nicht ausreichend gepflegt. Nun müsse man abwarten, wie es sich entwickele.

Kirsch hat seine Bienen dafür mit nach Hause genommen, die Ernte für 2020 hat er abgeschrieben. Das sind 35 Kilo Honig von jedem seiner 13 Völker. Ob er auch die Bienen verliert, das zeige sich noch. Die 45 betroffenen Völker sind jedenfalls in akuter Gefahr.

„Wenn Bienen schwärmen, verliert ein Stock auch tausende Bienen in einem Moment. Aber das ist geplant. Hier wurde das natürliche Gleichgewicht erheblich gestört“, so die Imker. Die haben Anzeige bei der Polizei erstattet und fragen sich, warum jemand Bienen tötet. „Es gibt auch Menschen, die Haustiere hassen“, sagt Meuser. Aber eine nachvollziehbare Erklärung für diesen Anschlag auf die Natur haben sie nicht. Aktuell versuchen die Imker zu retten, was zu retten ist.

Wer sachdienliche Hinweise in diesem Fall hat, soll sich bitte bei der Polizeidienststelle Lebach, Am Markt 3, Tel. (0 68 81) 70 40 melden.