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Seminaristentreffen
Wenn Lehrer zum Klassentreffen rufen

Die Seminarteilnehmer von einst (von links): Georg Allmannsberger, Hartmut Müller, Günter Leonardy, Gerhard Rinkenbach, Peter Stolz, Ernst Lutz, Manfred Meiser, Reiner Müller, Winfried Bormann, Friedbert Siegwart, Ferdinand Toth und Dieter Schnepp
Die Seminarteilnehmer von einst (von links): Georg Allmannsberger, Hartmut Müller, Günter Leonardy, Gerhard Rinkenbach, Peter Stolz, Ernst Lutz, Manfred Meiser, Reiner Müller, Winfried Bormann, Friedbert Siegwart, Ferdinand Toth und Dieter Schnepp FOTO: Allmannsberger
Lebach. Absolventen des Lebacher Lehrerseminars ließen Geschichten aus den vergangenen 54 Jahren Revue passieren.

Das Lebacher Lehrerseminar hat eine lange Tradition. Vor 54 Jahren beendeten die letzten Schüler dort ihre Ausbildung. Die letzten jungen Männer, die dort zu Lehrern ausgebildet wurden, treffen sich auch noch nach über 50 Jahren immer wieder regelmäßig. Denn: Auch Lehrer organisieren Klassentreffen. Ernst Lutz aus Dirmingen ist einer davon. Er gehörte zu dem Abschlussjahrgang 1964. Bei den Treffen lassen sie immer wieder die alten Zeiten Revue passieren. Als vor 54 Jahren das Seminar seine Tore schloss, wurden zwei Abschlussklassen mit insgesamt 49 Junglehrern nach Bestehen der ersten Lehrerprüfung in den saarländischen Volksschuldienst entlassen.


2014 trafen sich die ehemaligen Klassenkameraden der Klasse 7b zum 50. Entlassungsjubiläum im Landhotel Finkenrech in Dirmingen. Damals beschloss man, diese Treffen jedes Jahr zu wiederholen, schreibt Ernst Lutz.

In diesem Jahr war es somit das fünfte Klassentreffen in Folge. Da viele Klassenkameraden aus den verschiedensten Orten des gesamten Landes stammten, mussten die meisten von ihnen sieben Jahre lang im Internat wohnen. Das Internat war damals mit strenger Hand geführt worden, neben dem Internatsleiter überwachten Präfekten und Flur­aufsichten Freizeit und Studienzeiten der Schüler, erinnert sich Lutz.



Hart war auch die damalige Schülerauslese: Die Bewerber mussten sich einer strengen Aufnahmeprüfung von montags bis einschließlich freitags stellen und während dieser Zeit auch im Internat wohnen. Nach bestandener Aufnahmeprüfung wurden vier Klassen zu je 30 Schüler in die Untertertia der staatlichen katholischen Aufbauschule, später in Aufbaugymnasium umbenannt, aufgenommen. Fast nur jeder zweite Schüler erreichte nach drei Jahren auch die Versetzung in die Obersekunda und damit die Mittlere Reife.

Überraschenderweise erhielten zum Schuljahresende die Schüler der Klassen Unter- und Obersekunda die Möglichkeit des Wechsels zum Lehrerseminar, was auch der größte Teil der Schüler nutzte. Sie waren somit die letzten, die bundesweit eine seminaristische Ausbildung genießen konnten, danach war die Lehrerausbildung nur noch an einer pädagogischen Hochschule in Saarbrücken möglich.

Die letzten zwei Jahre der Ausbildung am Lehrerseminar dienten der pädagogischen, methodischen und praktischen Ausbildung zum Volksschullehrer mit Hospitationen und Lehrproben an der angeschlossenen Übungsschule und einem sechswöchigen Praktikum an verschiedenen Volksschulen des Landes. Nach der bestandenen ersten Lehrerprüfung standen noch zahlreiche Hospitationen in der Sonderschule für Lernbehinderte, in der benachbarten Blinden- und Gehörlosenschule und der einklassigen Schule in Knorscheid auf dem Programm.

Auch nach über 50 Jahren lebten viele Anekdoten und Storys aus Schul- und Internatsleben wieder auf, zumal viele der Lehrpersonen damals noch echte Originale waren. Die Klasse 7b hatte einen bundesweiten Rekord zu verzeichnen: Der ehemalige Mitschüler Gerhard Woll war der letzte im Klassenalphabet und so der letzte Seminarist Deutschlands. Er schloss die ersten Lehrerprüfung mit der Note „sehr gut“ ab und war beim Eintritt in den saarländischen Schuldienst 1964 erst 19 Jahre alt und so wohl der jüngste Lehrer Deutschlands.

(kü)