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Stimmen aus der Politik zum Aus des Krankenhauses Lebach

Krankenhaus Lebach : Ärger, Schock und Enttäuschung in der Politik

Die Nachricht kam für den Landkreis Saarlouis völlig überraschend: Davon, dass das Krankenhaus Lebach geschlossen werden soll, hatte Landrat Patrik Lauer erst am Freitagvormittag erfahren, ebenso wie der Lebacher Bürgermeister Klauspeter Brill.

„Ich bin fassungslos über die Kommunikation des Trägers“, sagt Lauer, noch vor etwa drei Wochen habe die ctt erneut bestätigt, dass das neue Bettenhaus gebaut werde, die Fläche wurde bereits gerodet. „Es gab nicht die leiseste Andeutung.“ Seit Jahrzehnten schon verhandele man mit dem Träger über die bauliche Situation am Standort Lebach, „der riesige Sanierungsstau“ sei immer wieder aufgeschoben worden. Nun plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, „das ist schon heftig“, verdeutlicht der Landrat, „ich finde das nicht fair.“

Die Mitarbeiter im Lebacher Krankenhaus hätten „in den vergangenen Jahren schon viele Opfer bringen müssen, für sie ist das ein herber Schlag.“ Lauer erwarte vom Träger, dass er allen Verpflichtungen eines Sozialplans nachkomme. „Das sind 450 Menschen und ihre Familien, so kann man mit den Leuten nicht umgehen.“ Für die ganze Region sei die Schließung ein „harter Schlag“, sagte Lauer: „Das ist kein guter Tag für den Landkreis und für das ganze Land.“ Sie reiße eine „riesige Versorgungslücke“ in vier Landkreisen. Ein Gesamtkonzept der Landesregierung müsse nun klären, wie diese geschlossen werden kann. Dass „ein so großes Gebiet“ unversorgt bleibt, ist für Lauer „undenkbar“. Er plädiert für eine große Nordsaarland-Klinik, „gerne am Standort Lebach“.

Die Nachricht „schockiert mich“, erklärt Bürgermeister Brill. „Eine Schließung war in keinster Weise abzusehen.“ Er forderte im Sinne der Mitarbeiter die Verantwortlichen auf, schnell eine Lösung zu finden. Darüber hinaus erwartet Brill, dass die „Versorgungssicherheit in Lebach und den Nachbarkommunen dauerhaft gewährleistet bleibt.“

Für Fred Metschberger, Vorsitzender der FDP-Stadtratsfraktion, steht fest: „Der Krankenhausstandort bleibt alternativlos, um nach der Schließung des Waderner Krankenhauses die medizinische Grundversorgung abzusichern.“ Bei Schließung lägen Teile der Stadt außerhalb der im Krankenhausplan erwähnten Erreichbarkeitszeit von 30 Minuten. „Die Gesundheitsministerin muss nun handeln und beim Träger intervenieren“, fordert die FDP Lebach. Die kurzfristige Ankündigung der ctt macht aus ihrer Sicht „einen sozialverträglichen Umbau der Beschäftigungsverhältnisse unmöglich“.

Anna Schmidt, Fraktionsvorsitzende der SPD im Stadtrat, erklärte, die Schließung sei „ein herber Schlag für die Menschen in unserer Stadt und in der ganzen Region“. Der Stadtrat könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen; deshalb will die SPD-Fraktion eine Sondersitzung in der kommenden Woche beantragen. An dieser sollen neben Träger und Sozialministerium auch die Mitarbeiter des Hauses teilnehmen, fordert die SPD: „Ihnen gehört unsere Solidarität.“

„Mit großer Enttäuschung“ reagierte der Lebacher Ortsvorsteher Thomas Reuter, CDU, auf die Nachricht. Er sieht sich von den ctt-Verantwortlichen getäuscht. Noch vor einem halben Jahr habe die ctt den städtischen Gremien konkrete Baupläne vorgelegt, fast zeitgleich erfolgten massive und kostenintensive Rodungsarbeiten für den Neubau. Der Fortbestand des Hauses, das seit 8. Mai 1976 in Betrieb ist, könne so langfristig gesichert werden, habe man geglaubt, betonte Reuter. Die kürzlich vom Stadtrat Lebach verfasste Resolution zum Erhalt des Hauses betonte auch, dass Lebach aufgrund seiner zentralen Lage „ein absolut geeigneter Standort für ein Krankenhaus“ sei; dies dürfe bei der weiteren Planung im Land nicht unberücksichtigt bleiben.

Mit „Fassungslosigkeit“ reagierte Dagmar Ensch-Engel, Vorsitzende der Linken im Kreis Merzig-Wadern: Nach der Schließung des Standortes Wadern sei Lebach eine Anlaufstelle für Bürger aus dem Nachbarkreis, sie sehe „die Versorgungssicherheit in dieser Region nicht mehr gegeben, zumal seit geraumer Zeit auch das Krankenhaus Losheim in Frage gestellt wird“.

Eppelborns Bürgermeister Dr. Andreas Feld fordert ebenfalls die Sicherung des Standortes: „Das Lebacher Krankenhaus ist von zentraler Bedeutung für eine wohnortnahe medizinische Versorgung und genießt eine große Akzeptanz in der Bevölkerung.“ Deshalb will Feld den Träger auffordern, die Gemeinde Eppelborn frühzeitig über die weiteren Pläne zu informieren. Für ihn steht fest, dass alles getan werden müsse, um den Standort als Akutkrankenhaus zu erhalten.