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Spannende Reise in die Vergangenheit

Vor dem Stammhaus der Familie Schweitzer in Steinbach wurde Virginia Douglas (Dritte von rechts) mit Informationen über ihre Vorfahren und deren Herkunftsort versorgt. Foto: Johannes A. Bodwing
Vor dem Stammhaus der Familie Schweitzer in Steinbach wurde Virginia Douglas (Dritte von rechts) mit Informationen über ihre Vorfahren und deren Herkunftsort versorgt. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Steinbach. Einen weiten Weg hatte Virginia Douglas hinter sich. Dazu zählte die 8300 Kilometer lange Strecke von Missouri-City in Texas nach Steinbach. Aber auch ihr Stammbaum, der Mitte des 19. Jahrhunderts von der hiesigen Familie Schweitzer abzweigte, reicht weit zurück. Johannes A. Bodwing

Nach den Spuren ihrer Vorfahren suchte Virginia Douglas, 63, in Steinbach . Dafür war die Texanerin aus Missouri-City bei Houston gekommen und verbrachte mit Ehemann Steve drei Tage im Saarland. Mitte des 19. Jahrhunderts wanderte ihr Vorfahr Peter Schweitzer nach Amerika aus. Denn hier verarmten die Menschen durch Bevölkerungsexplosion und Landmangel. Peter war der Sohn von Matthias Schweitzer aus dem Steinbacher Unterdorf.

Virginia Douglas stand nun In der Au, wo das Geburtshaus ihres Vorfahren gestanden hatte. "Von hier wanderte Peter Schweitzer aus", sagte Thomas Besse, Vorstandsmitglied des Vereins "Saarländische Familienkunde (ASF)" in Saarbrücken. Peter Schweitzer sei über Le Havre ausgewandert. Das Geld für die Fahrt kam wohl aus Landverkäufen. "1860 ist er mit einer Tochter in den New Yorker Docks angekommen."

Der Name Schweitzer könne von Zuwanderern aus der Schweiz stammen, so Besse, während Englischlehrerin Anne Wilbois für die staunenden Gäste übersetzte. "Möglich ist aber auch, dass es einen Kirchenschweizer gab." Virginia Douglas ist scheidende Vorsitzende des genealogischen Forums in Houston. Aber sie selbst habe noch nicht viel zur eigenen Familiengeschichte zusammengetragen. "Peter Schweitzer hatte sich in Pennsylvania niedergelassen", wusste sie. "Dort lebte er als Farmer." Einer seiner Söhne habe eine Frau aus Püttlingen geheiratet, ergänzte Besse. Die weitere Entwicklung der Stammlinie in den USA ging laut Virginia und Steve vom Farmerdasein in die Industrie. "Als Arbeiter in den Kohleminen und in Stahlwerken von Pennsylvania."

Jahrhundertealtes Erbe


Virginia Douglas ist die fünfte Generation der amerikanischen Schweitzer-Linie, ergründete sie zusammen mit Besse. Die Siebte führten ihre Enkel fort. In Begleitung von unter anderem Ortsvorsteher Jörg Wilbois sowie Mitgliedern der Steinbacher Schweitzer-Linie ging es ins Oberdorf. Dort war Jacob Schweitzer etwa Mitte des 18. Jahrhunderts im Stammhaus der Familie ansässig geworden. Familie Schweitzer tauche schon 1519 in Listen auf, sagte Besse. Sie habe ein Lehen der Abtei Tholey gehabt und gehörte zu den reichen Leuten im Ort. Der Name Schweitzer habe sich später zu Schweidersch abgewandelt.

Kontrastreiche Eindrücke

Beeindruckt waren Virginia und Steve vom historischen Stammhaus in der Bachstraße mit Scheunentor und mächtigem Kastanienbaum. 1864 wurde das Haus saniert, behielt aber den ursprünglichen Charakter. "Very nice", hieß es immer wieder von den amerikanischen Gästen. Denn das rund 1000 Jahre alte und ländliche Steinbach mit etwa 1700 Einwohnern steht in krassem Kontrast zu Missouri-City. Dieses entstand erst 1894 und ist heute ein typisch amerikanischer Vorort mit knapp 70 000 Einwohnern.

Staunend standen Virginia und Steve später auch in der farbenprächtigen Pfarrkirche St. Aloysius. Mit der Marienkapelle auf Höchsten endete der Nachmittag in Steinbach , und mit ungewohnten halben Hähnchen zur Stärkung.