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Festakt
VdK-Ortsverband feiert 70-jähriges Bestehen

Gruppenbild ohne Dame. Der Vorstand (von links): Marcel Noll, Götz Kehl, Reinhard Naudorf, Erwin Kreuz, Raimund Reichert, Otmar Graf, Winfried Nicolai, Fred Metschberger. Es fehlt auf dem Bild Bärbel Schmitt.
Gruppenbild ohne Dame. Der Vorstand (von links): Marcel Noll, Götz Kehl, Reinhard Naudorf, Erwin Kreuz, Raimund Reichert, Otmar Graf, Winfried Nicolai, Fred Metschberger. Es fehlt auf dem Bild Bärbel Schmitt. FOTO: Florian Wagner
Gresaubach. Mit einem großen Festakt wird das Ereignis begangen und auf die Geschichte des Sozialverbandes zurückgeblickt. Von Astrid Dörr

Der VdK-Ortsverband Gresaubach/Steinbach/Dörsdorf feiert am Sonntag, 2. September, 14 Uhr, in der Mehrzweckhalle Gresaubach mit einem Festakt sein 70-jähriges Bestehen. Der heutige Sozialverband VdK ist aus den Wirren des Zweiten Weltkrieges entstanden. Gegründet als Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands ist heute der Sozialverband VdK mit fast 1,9 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband in Deutschland. Seine Ziele sind unter anderem soziale Gerechtigkeit und Solidarität genauso wie Fragen zur Rente, Gesundheit und Pflege, aber auch Teilhabe bei Behinderung, Leben im Alter und soziale Sicherung.


Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden zunächst Selbsthilfegruppen, insbesondere für Kriegerwitwen, Kriegsbeschädigte und Waisen. So wurden im Jahre 1948 die eigenständigen Ortsverbände Gresaubach, Steinbach und Dörsdorf gegründet. Die Ortsverbände verschafften dieser Gruppe endlich Gehör für das endlose Leid, das durch den Krieg verursacht wurde.

Die Ortsverbände waren Anfang der 90er-Jahre mitgliedermäßig sehr geschrumpft. Daher öffnete sich der VdK für eine neue Zielrichtung und so entstand der heutige moderne Sozialverband.



In der Festschrift „70 Jahre VdK Saarland“ heißt es: Der Ortsverband Dörsdorf hat sich 1991 dem Ortsverband Steinbach angeschlossen. Am 1. Januar 2016 fusionierte dann der Ortsverband Steinbach/Dörsdorf mit dem Ortsverband Gresaubach und ist heute mit 240 Mitgliedern gut aufgestellt.

Das Ende des Zweiten Weltkrieges hatte durchweg in allen Lebensbereichen ein unvorstellbares, nicht zu übersehendes Chaos hinterlassen. Städte und Dörfer glichen Trümmerstätten. Die Opfer der Kriege, Kriegsbeschädigte und Hinterbliebene sahen sich unüberwindbaren Schwierigkeiten ausgesetzt. Als Einzelpersonen hatten sie gar keine Möglichkeit, ihre Rechte auf Versorgung geltend zu machen.

Die Kriegsopfer im Saarland hatten es nicht leicht, da die französische Verwaltung einer solchen Vereinigung anfangs kritisch gegenüberstand. Die ersten Jahre waren geprägt von harten Kämpfen um existenzsichernde Sozialleistungen. Nach dem Anschluss an den VdK Deutschland und der Neuorientierung des Verbandes ab den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelte sich der VdK Saarland zu einem modernen Sozialverband.

Ob Granatsplitter, Gewehreinschüsse, Erfrierungen oder innere Verletzungen – fast alle VdK-Gründungsmitglieder kamen als Versehrte aus dem Zweiten Weltkrieg in ihre Heimat zurück.

Anfang März 1946 trafen sich deshalb 13 Kriegsbeschädigte und -hinterbliebene in Saarbrücken – darunter der spätere erste Ministerpräsident des Saarlandes, Johannes Hoffmann. Dabei wurde zunächst die Gründung einer „Beratungsstelle für Kriegsbeschädigte und Sozialrentner des Saargebietes“ beschlossen. Das Saarland war damals Teilgebiet der französischen Besatzungszone. Die Gründung der „Vereinigung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen des Saarlandes“ (VKS) sollte sich noch mehr als ein Jahr hinziehen, da die französische Militärregierung einer Organisation von ehemaligen Soldaten kritisch gegenüberstand.

Am 12. Januar 1947 fand die offizielle Gründungsversammlung der „Vereinigung der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen des Saarlandes“ statt, an der rund 800 Kriegsbeschädigte und -hinterbliebene teilnahmen.

Die ursprünglich von dem damaligen Gouverneur erteilte Genehmigung wurde vom Oberkommandierenden der französischen Besatzungszone wieder zurückgezogen. Am 17. März 1947 wurde dann die endgültige Genehmigung erteilt. Erst als das Saarland Ende 1947 wirtschaftlich an Frankreich angegliedert wurde, konnte 1948 der „offizielle Ausbau“ der Organisationen erfolgen. Da die Genehmigung der Verbandsgründung im März 1947 erteilt wurde, gilt dies als offizielles Gründungsjahr der VKS.

Innerhalb von zwei Jahren wuchs die VKS im Saarland auf 130 Ortsgruppen und mehr als 8000 Mitglieder. Zwischen 1947 und 1948 und in den folgenden Jahren musste die VKS zahlreiche Herausforderungen meistern. Die Erhöhung der Renten von Kriegsbeschädigten, Witwen und Waisen sowie von Zulagen und Beihilfen zum Ausgleich ihrer besonderen Belastungen war eine wichtige Forderung.

Heute ist der VdK mit über 1,8 Millionen Mitgliedern bundesweit Deutschlands größter Sozialverband. Er ist unabhängig, aber keineswegs unpolitisch. Finanziert wird der Verband, der im Saarland fast 45 000 Mitglieder hat, ausschließlich über Mitgliederbeiträge und Spenden.