Sechs Richtige und Louis' Traum vom Lesen

Lebach · Für den blinden Louis Braille war seine Erfindung der Blindenschrift mehr als sechs Richtige im Lotto. In einem Musical erzählten die Schüler der Louis-Braille-Schule die Geschichte ihres Namensgebers. Und ernteten viel Beifall.

 Der kleine Louis poliert in der Werkstatt seines Vaters das Leder blitzblank. Foto: Andreas Engel

Der kleine Louis poliert in der Werkstatt seines Vaters das Leder blitzblank. Foto: Andreas Engel

Foto: Andreas Engel

Mit guter Arbeit zu kleinem Preis wirbt Familie Braille für ihre Waren aus der Sattlerwerkstatt. Und wenn alle mit anpacken, dann klappt es auch, hieß es in einem der Lieder. Dass alle mit angepackten und sich beim Musical "Louis Braille und die sechs Richtigen" eingebracht haben, wurde den Besuchern der beiden Veranstaltungen in der jeweils voll besetzten Stadthalle in Lebach schon noch wenigen Minuten bewusst. Der Funke flog sofort über, der Besucher merkte, dass die Kinder und Jugendlichen nicht irgendein Musical aufführten. Sie schilderten sich zum Teil selbst. Musiklehrerin Isabell Himbert hat das Leben des blinden Louis in Worte und Lieder gefasst, mit die Musik komponiert und gleichzeitig die Rollen den Kindern auf den Leib geschrieben. Die jungen Künstler sind alle stark sehbehindert oder gar blind. Dennoch agierten sie problemlos auf der Bühne, teilweise mussten sie zwar geführt werden, aber der Begeisterung und der künstlerischen Darbietungen tat das keinen Abbruch.

Das Musical erzählt die Geschichte des kleinen Louis, der sich mit einer Schusterahle in der Werkstatt seines Vaters verletzte und das Augenlicht verlor. Er wurde zwar eingeschult, lernte fleißig und war ein sehr guter Schüler, aber wie gerne wäre "er in eine Geschichte eingetaucht", ohne auf die Hilfe der anderen angewiesen zu sein. Sein Vater verschaffte ihm einen Platz in einer Blindenschule in der Nähe von Paris, dort lernte er die für militärische Zwecke erfundene "Nachtschrift" kennen. Später vereinfachte er diese auf das Sechs-Punkte-System.

Seit Februar probten die Schüler das eigens komponierte Musical aus der Feder von Autorin und Projektleiterin Isabell Himbert und den Komponisten Carina Peitz und Matthias Nikola. Das Bühnenbild von Diplomarchitekt Johannes Becker entführte in das Paris des frühen 19. Jahrhunderts. Balladen, rockige Gute-Laune-Hits und groovende Raps wurden von der Band The Soulfamily begleitet. Mit einem Rhythmusstück à la "Stomp", angeleitet von "Allround-Drummer" Elmar Federkeil, war ein klangvolles Musical garantiert.

Das Musical wurde finanziert über das Bundesprojekt "Kunst macht stark", erklärte Schulleiter Karl-August Fritzsche zu Beginn.