Schüler des Johannes-Kepler Gymnasiums Lebach informieren sich am "missio-Truck"

Missio-Truck : „Vorher war das nicht vorstellbar“

Der „missio-Truck“ machte Station am Johannes-Kepler-Gymnasium in Lebach, Thema: Flucht und Fluchtursachen.

Am Montag machte der „missio-Truck“ Station am Johannes-Kepler-Gymnasium in Lebach, um die 130 Schüler der Klassenstufe 9 über das Thema Flucht und Fluchtursachen zu informieren. Auf Initiative der Fachschaften katholische und evangelische Religion nutzten die vier Klassen je eine Doppelstunde, um sich intensiv mit der Problematik Migration auseinander zu setzen.

„Die Idee entstand beim Katholikentag in Münster im vergangenen Jahr“, berichtet Birgit Reichert-Alt. Die Religionslehrerin hatte zusammen mit ihrem Kollegen Mischa Müller und acht Schülern des JKG im Mai 2018 daran teilgenommen. „Da haben wir einfach mal gefragt und gleich eine Zusage für 2019 bekommen“, erzählt sie. Und Mischa Müller ergänzt: „Wir wollten den Schülern das Thema Nachhaltigkeit, die Vernetzung von Ökologie und Ökonomie sowie die Folgen der Globalisierung vermitteln.“

Für die beiden Lehrpersonen haben die Fluchtursachen „auch mit uns zu tun, wir haben es zu verantworten.“ Deshalb wollen sie mit dem missio-Truck Verständnis für Flüchtlinge wecken und Vorurteile abbauen. Migration und deren Ursachen spielten eine wichtige Rolle auch in den Fächern katholische und evangelische Religion sowie im Ethik-Unterricht. Durch die authentische Darstellung im Truck werde das Thema den Schülern ganz praxisnah vermittelt.

Bevor es ins Infomobil ging, gab es für die Schüler („alle haben mitgemacht“) erst noch eine kurze Einführung in der Schul-Bibliothek. Manuela Vosen vom Hilfswerk machte dort mit der Problematik vertraut und erwartete die Schüler anschließend auch wieder zum Gespräch, um das im missio-Truck Erlebte gemeinsam zu besprechen.

Den Truck mit seinen sieben verschiedenen, thematisch gegliederten Räumen durchliefen die Schüler jeweils zu zweit. Die beiden 14-jährigen Miray Conrad aus Schmelz und Finn Groß aus Hüttersdorf machen sich gemeinsam auf den virtuellen Fluchtweg durch den Truck. Nur eine ungefähre Vorstellung zur Thematik haben die Beiden. „Die meisten flüchten vor Kriegen, ich will aber mehr darüber erfahren“, sagt Miray. Und Finn ergänzt: „Familien werden durch die Flucht zerstört“. Er hoffe, später selbst mehr dagegen machen zu können.

Im Eingang zum Truck ist ein afrikanischer Markt dargestellt. Marcus Composs vom Hilfswerk gibt den Beiden je eine Karte, die das Schicksal junger Flüchtlinge aus der Demokratischen Republik Kongo beschreibt. Miray wird nun für zwanzig Minuten zu „Irene, einer 22-jährigen Aushilfe“, während Finn in die Rolle des „18-jährigen Schülers Eric“ schlüpft. Weiter geht es vom afrikanischen Markt in eine kleine Kirche, in der sie Zuflucht suchen vor aufständischen Milizen. Auf ihrer Flucht nimmt sie danach ein Lkw-Fahrer ein Stück des Weges mit.

In den weiteren Räumen werden die Ursachen der Flucht und die gefährlichen Fluchtwege dargestellt. Das sei sehr spannend gewesen, „ich konnte mich gut in die Lage der Flüchtlinge hinein versetzen“, berichtet Miray als sie aus dem Truck herauskommt. Vorher sei das „nicht so richtig vorstellbar“ gewesen, darüber wüssten viel zu wenige Leute bei uns Bescheid. Finn fand die multimediale Ausstellung ebenfalls „sehr informativ und interessant.“ Er habe jetzt „auf jeden Fall eine andere Sicht auf die Thematik.“ Darüber sollte hier noch mehr informiert werden, pflichtet er Miray bei.

Dann gehen die Beiden mit ihrer Klasse wieder zu Manuela Vosen in die Bibliothek. Dort wird das Erlebte nochmals hinterfragt und aufgearbeitet. Mehr Wissen über und Verständnis für die Migration sowie weniger Vorurteile gegenüber Flüchtlinge nehmen die Schüler nach dem Unterricht mit auf den Nachhause-Weg. Und die Lehrer Birgit Reichert-Alt und Mischa Müller setzen auch hier auf Nachhaltigkeit: sie hoffen, dass die Schüler es in ihren Alltag mitnehmen.

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