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Lebacher Pferderennen: Schnaubende Rösser auf den Theelwiesen

Lebacher Pferderennen : Schnaubende Rösser auf den Theelwiesen

Pferderennen haben in Lebach eine lange Tradition. Bereits nach Ende des Ersten Weltkrieges saßen hier die Amateur-Reiter im Sattel. Alles begann 1921 mit einem großen Bauerntag.

Die Geburtsstunde des Lebacher Pferderennens stand unter einem besonderen Stern. Nach dem Ersten Weltkrieg brachte die territoriale Neuordnung für das Saarland den Status eines eigenen abgegrenzten Gebietes unter dem Mandat des Völkerbundes. Für die Lebacher Gewerbetreibenden bedeutete dies, dass plötzlich ein Teil ihres landwirtschaftlich geprägten Hinterlandes, besonders der nördliche Teil, weggebrochen war.

Der damals bereits bestehende rührige Verkehrsverein, die Interessenvertretung der örtlichen Gewerbetreibenden, versuchte deshalb mit dem Trierischen Bauernverband in Kontakt zu bleiben, da beide am Austausch auf der Basis der Landwirtschaft interessiert waren.

Als äußeres Zeichen wurde Lebach die Organisation des „Großen Bauerntages“ vom Trierischen Bauernverband übertragen. Dieser fand vom 4. bis 6. September 1921 in pompösem Rahmen statt. Eine besondere Attraktion war die Durchführung eines Pferderennens, das am  5. September 1921 ausgetragen wurde. Rennplatz war die so genannte „Unterste Wiese“ (Unnerscht Wies), heute der hintere Teil der Fußgängerzone. 3000 Mark Preisgelder stellte die Gemeinde für vier Rennen zur Verfügung. Es war ein Bauernrennen, das heißt, es starteten ausschließlich Arbeitspferde der umliegenden landwirtschaflichen Betriebe.

Nach dem großen Erfolg des ersten Rennens wurde am 5. Oktober 1922 das zweite Lebacher Pferderennen auf den Theelwiesen durchgeführt, diesmal bereits mit sechs Rennen bestückt. Die Veranstaltung hatte sich innerhalb eines Jahres zu einem richtigen Turfereignis gewandelt. Das dritte Rennen fand am 30. September 1923 statt.

Auf Grund der erfolgreichen vorherigen drei Jahren wurden 1924 zwei Rennen durchgeführt: im Sommer am 6. Juli und im Herbst am 6. Oktober. Erstmalig wurde ein Totalisator installiert. Zwei Rennen in einem Jahr waren wohl zu viel. Hinzu kam der Rückgang der Zuschauerzahlen, zum Teil bedingt durch die nicht rosige wirtschaftliche Situation der Menschen (Inflation, Währungsumstellung Franken zu Mark). Der Verkehrsverein, der die Rennen organisierte, geriet in die roten Zahlen. So recht und schlecht wurden die Rennen in den beiden nächsten Jahren noch bestritten, 1927 kam dann das vorläufige Aus für das Pferderennen.

 Am Eingang zum Festbereich. Hier fand 1921 der Große Bauernmarkt statt. In dessen Rahmen startete das erste Lebacher Pferderennen.
Am Eingang zum Festbereich. Hier fand 1921 der Große Bauernmarkt statt. In dessen Rahmen startete das erste Lebacher Pferderennen. Foto: Archiv Egon Gross

Im Versailler Vertrag wurde festgelegt, dass die saarländische Bevölkerung nach 15 Jahren über ihre weitere Zukunft abstimmen sollte. Für diese Abstimmung am 13. Januar 1935 gab es im Vorfeld politische Aktivitäten, insbesondere durch die Nationalsozialisten aus dem Deutschen Reich. Dies mag zum Teil zusammen mit einem neuen Vorsitzenden der Grund dafür gewesen sein, dass das Lebacher Pferderennen am 2. September 1934 mit fünf Rennen wieder aufgenommen wurde: auf einem neuen Rennplatz, den Jabacher Theelwiesen. Veranstalter waren der Verkehrsverein Lebach und die „AG der Reiter und Pferdezuchtvereine des Saargebietes e.V., Saarbrücken“. In den folgenden Jahren wurden die Rennen verstärkt mit Erfolg und großen Zuschauerzahlen durchgeführt, allerdings auch von den Nationalsozialisten für politische Zwecke benutzt. Das letzte Rennen vor dem Zweiten Weltkrieg fand am 16. Juli 1939 statt und hatte eine gute Resonanz in der Presse.