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Schlimmstes scheint überwunden

Schlimmstes scheint überwunden

Eine leichte Entspannung in der Landesaufnahmestelle für Vertriebene und Flüchtlinge in Lebach ist in Sicht. Stadtrat, Bürgermeister, Behörden und Hilfsorganisationen arbeiten in Flüchtlingsfragen Hand in Hand.

Bis zu 4000 Flüchtlinge sind derzeit in der Lebacher Landesaufnahmestelle für Vertriebene und Flüchtlinge sowie in vier mobilen, winterfesten Hallen untergebracht. Im Durchschnitt kommen täglich rund 130 Personen neu an. Der starke Zuzug zu Beginn der Sommerferien überraschte und überforderte die dortigen Behörden, hieß es aus dem Rathaus. Die stellenweise chaotische Situation hätte nur bewältigt werden können, weil Hunderte von ehrenamtlichen und freiwilligen Helfern in die Bresche gesprungen seien.

Bürgermeister Klauspeter Brill lobt dieses großartige Engagement. Doch nicht nur für die Flüchtlinge, sondern auch für die Stadt Lebach , ihre Bürger sowie ihre Ladengeschäfte bedeute die Überbelegung der Landesaufnahmestelle eine große Belastung, meint Brill weiter. Schon am 12. August haben daher die im Lebacher Stadtrat vertretenen Fraktionen eine Resolution verabschiedet, in der gegenüber der Landesregierung und den saarländischen Kommunen konkrete Forderungen erhoben wurden.

Zwischenzeitlich seien nicht zuletzt durch den großen persönlichen Einsatz des saarländischen Innenministers Klaus Bouillon die Strukturen professionalisiert und wo nötig aufgestockt worden, eine der Forderungen der Resolution. Während noch vor Beginn der Ferien lediglich maximal 80 Fälle pro Tag bearbeitet werden konnten, schaffen die Mitarbeiter mittlerweile bis zu 250 Fallbearbeitungen. Auch die drängendste Forderung des Stadtrates, nämlich mittelfristig für Entlastung der Lebacher Landesaufnahmestelle zu sorgen, habe das Innenministerium aufgegriffen. Voraussichtlich schon im Dezember sollen in einer Dependance in Dudweiler-Hirschbach bis zu 1000 Flüchtlinge untergebracht werden, heißt es weiter in der Stellungnahme.

Gleichwohl gibt sich der Verwaltungschef kritisch in Bezug auf die Belastungen der Stadt: "Wir sind sehr nahe an der Grenze des Zumutbaren." Irritiert zeigt sich Klauspeter Brill von der Kritik des saarländischen Flüchtlingsrates, der ihm öffentlich vorgeworfen habe, durch Äußerungen zur Flüchtlingszuwanderung Rechtspopulisten direkt in die Hände zu spielen: Brill: "Das ist barer Unsinn. Ich habe weder direkt noch indirekt gedroht, und die Behauptung, Lebach habe 1990 massiv rassistisch gegen Roma mobilisiert, ist eine ungeheuerliche und bewusst falsche Darstellung der damaligen Tatsachen."

Gerade in letzter Zeit würden sich immer wieder Menschen zu wahren Lebach-Experten aufschwingen, die meinten, die Situation in der Stadt besser einschätzen zu können als die Leute vor Ort. Bürgermeister Klauspeter Brill "sieht sich in der Pflicht, Wahrheiten anzusprechen, denn ich bin das Sprachrohr der Lebacher Bürger. Ich sehe mit wachsender Sorge, dass jeder, der diese Wahrheiten anspricht, derzeit stellenweise extrem radikal in die rechtspopulistische Ecke geschoben wird. Wenn etwas mittelfristig den Rechtspopulisten in die Hände spielt, dann dieser Umstand", ist sich der Verwaltungschef sicher.