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Lebacher Friedhof
Reservisten ehren Opfer der Gewalt

Die Reservistenkameradschaft Lebach packte auf dem Lebacher Friedhof kräftig mit an.
Die Reservistenkameradschaft Lebach packte auf dem Lebacher Friedhof kräftig mit an. FOTO: Hoffmann
Lebach. Mit vereinten Kräften pflegen die Lebacher Kameraden die Gräber von im Krieg Gefallenen und Verstorbenen. Von Monika Kühn

308 Steine, jeder wiegt 13,5 Kilogramm – die Reservistenkameradschaft Lebach hat auf dem Lebacher Friedhof Schwerstarbeit geleistet. Während ihres Arbeitseinsatzes haben sie auf der Kriegsgräberstätte des Friedhofs die Namenstafeln der Gefallenen aufgenommen, um sie von einem Steinmetz aufarbeiten zu lassen. Diese Maßnahme ist der erste Schritt in Richtung „Lernort Friedhof“ (wir berichteten).


Auf der Krieggräberstätte liegen auch 24 Lebacher Kriegstote, die vor allem bei alliierten Luftangriffen ums Leben kamen. Die übrigen sind meist Gefallene der Saarschlacht, die zwischen November 1944 und März 1945 in der Gegend von Roden, Diefflen und Pachten verwundet wurden und im Lebacher Lazarett, heute ein Gebäude der Lebacher Gymnasien, verstarben.

Auf einem unteren Grabfeld liegen 73 osteuropäische Kriegsgefangene, darunter sieben Babys, deren Schicksal noch weitgehend unbekannt ist.



Anfang des Jahres wurden bereits die 40 Gedenkkreuze gesäubert und imprägniert. Die 308 Toten liegen in langen Grabreihen. Eine Metalltafel nennt ihren Namen, Geburts- und Sterbejahr. Diese 308 Tafeln wurden nun aus ihrem Bett aufgenommen. Zuvor, erklärte Reinhard Felsmann, stellvertretender Landesvorsitzender Saarland im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, wurde ein genauer Plan angelegt, jede Gedenkstätte mit einer Nummer versehen. „So wissen wir ganz genau, wo jeder beerdigt ist.“ Felsmann versichert auch, dass die Gedenktafeln genau an den selben Ort wieder hinkommen.

Während ein Steinmetz die Gedenktafeln aufarbeitet, werden die Grabreihen neu gestaltet. Die Namenstafeln werden später in einem Kiesbett liegen. Damit werde auch die Pflege erleichtert, und die Tafeln können nicht von Gras überwuchert werden.

Vorgesehen ist auch, eine Reliefstele in die Nähe der Grabstätten aufzustellen. Diese soll einen QR-Code erhalten, der mit einer Datenbank verlinkt ist. Interessierte können dann Informationen zum Beispiel über die osteuropäischen Zwangsarbeiter oder Fragen zur Zeitgeschichte abrufen.

Diese Arbeiten sollen bis zum Frühjahr abgeschlossen sein. Kerzen oder Gestecke, die Angehörige zu Allerheiligen auf diese Gräber gestellt haben, haben die Reservisten selbstverständlich an ihren Plätzen gelassen.

Lebacher Schulen sowie der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge beginnen zeitgleich mit der Aufarbeitung einzelner Biografien. Diese werden dann an einzelnen Gräbern aufgestellt. „Ihr Schicksal soll wieder gegenwärtig werden“, betont Felsmann. Die Gesamtmaßnahme beläuft sich auf 50 000 Euro. 46 000 Euro wurden bereits gesammelt. Sind diese Arbeiten erledigt, müssen noch die Gehwege erneuert werden.

Bei dem Arbeitseinsatz wurde Felsmann tatkräftig unterstützt von Markus Bauer, Olaf Saenger, Sebastian Eckert, Christof Becker, Martin Baumann, Gerhard Braun, Michael Jost und Roland Schu.