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Pfarreiengemeinschaft Lebach ist entsetzt über Krankenhausschließung

Kostenpflichtiger Inhalt: Krankenhausschließung : Pfarrei sieht Glaubwürdigkeit der Kirche in Gefahr

Pfarrer und Pfarreienrat üben heftige Kritik an der geplanten Schließung des Caritas-Krankenhauses. „Zurecht höhere Maßstäbe an kirchlichen Träger.“

Die Pfarreiengemeinschaft Lebach hat die Pläne der katholischen Cusanus-Trägergesellschaft Trier (CTT) zur Schließung des Lebacher Krankenhauses in ungewöhnlich scharfer Form kritisiert. Pfarrer Hermann Zangerle und die Vorsitzende des Pfarreienrates, Marlene Schenk, äußerten sich „aufgrund zahlreicher Nachfragen von Gläubigen“ in einer Stellungnahme, die auch Thema in den Sonntagsgottesdiensten war, und bekundeten darin ihr Unverständnis über die Entscheidung und die Art und Weise des Vorgehens des Trägers.

Mit Bestürzung und großer Enttäuschung hätten die Seelsorgerinnen und Seelsorger und die Verantwortlichen in der Pfarreiengemeinschaft von den Plänen erfahren. „Klar ist, dass durch diese Entscheidung . . . die Gesundheitsversorgung und insbesondere die Notfallversorgung der Menschen in unserer Region – im Herzen des Saarlandes – akut gefährdet ist“, schreiben Zangerle und Schenk. „Ebenso klar ist, dass die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die oft schon jahrzehntelang im Lebacher Krankenhaus einen guten und wichtigen Dienst tun und in der Vergangenheit auch durch Lohnverzicht ihre Solidarität mit dem Krankenhaus persönlich bekräftigt haben, um ihre berufliche Zukunft bangen und dies ebenfalls ihre Familien und Angehörigen betrifft.“

Der Krankenhaus-Träger CTT hatte am Freitag überraschend die Schließung der 210-Betten-Klinik verkündet, die seit 1976 in Betrieb war. Ab Ende Juli sollen keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden. Die Ankündigung kam überraschend, weil eigentlich ein Neubau des Bettenhauses geplant war. Dazu wurden voriges Jahr bereits Flächen gerodet. Noch vor einem halben Jahr habe die CTT den städtischen Gremien zudem konkrete Baupläne vorgelegt, teilte der Lebacher Ortsvorsteher Thomas Reuter (CDU) mit.

Auch die Verantwortlichen der Pfarrei fühlen sich vom katholischen Träger überrumpelt. „In der Vergangenheit war der Träger immer im Gespräch auch mit den Kirchengemeinden vor Ort, wenn es darum ging, Umstrukturierungen oder neue Konzeptionsplanungen vorzustellen. Dies ist bei der nun getroffenen Entscheidung gänzlich unterblieben. Auch die schon durchgeführte Rodung von Bäumen im Hinblick auf den geplanten Neubau des Bettenhauses deuteten auf den Fortbestand des Krankenhauses vor Ort hin.“

Zangerle und Schenk schreiben weiter: „Noch am vergangenen ersten Sonntag in der Fastenzeit hat unser Bischof Dr. Stephan Ackermann in seinem Hirtenbrief besonders dazu aufgerufen, den diakonischen Auftrag der Kirche und der Gläubigen insgesamt zu schärfen und damit ein Grundanliegen der Trierer Diözesansynode umzusetzen. Diese sieht insbesondere die caritativen Einrichtungen, zu denen zweifelsfrei auch das Caritas-Krankenhaus Lebach zählt, als einen wichtigen ,Ort von Kirche’.“

Der Entscheidung zur Schließung des Krankenhauses begegne man daher mit Unverständnis. „Sie wirft zugleich einen Schatten auf das ehrliche Bemühen vieler für die Kirche engagierter haupt- und ehrenamtlicher Mitarbeiter, den diakonisch-caritativen Auftrag der Kirche durch ihr Handeln umzusetzen.“ Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Der Name ,Caritas’, zu Deutsch ,Liebe’, im Namen eines katholischen Krankenhauses sollte Kennzeichen sein, dass man an einen kirchlichen Krankenhausträger zurecht andere und höhere Maßstäbe anlegt als dies in der freien Wirtschaft der Fall ist. Insofern melden wir uns als Kirchengemeinden vor Ort mit dieser Stellungnahme zu Wort, weil es hier auch um die Glaubwürdigkeit der Kirche insgesamt geht. Wir erwarten, dass sich alle gemeinsam, die politisch Verantwortlichen vor Ort und im Land und die Vertreter des Krankenhausträgers, dafür einsetzen, dass die Gesundheitsversorgung durch ein Krankenhaus in Lebach erhalten bleibt. Auch eine Notfallversorgung in erreichbarer Entfernung ist unabdingbar. Schließlich muss vor allem auch für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Familien eine gute und berufliche Zukunft ermöglicht werden.“