Martin will zur Schule gehen

Martin (Name von der Redaktion geändert) kann wieder zur Schule gehen. Der Zehnjährige ist stark sehbehindert und hat ein Rückenleiden. Er braucht Medikamente. Die Schulleitung weigerte sich, ihm diese zu geben.

Martin sieht man auf den ersten Blick seine Behinderung nicht an. Er leidet seit seinem zehnten Lebensmonat an einem bösartigen Hirntumor. Momentan können die Ärzte einen Stillstand feststellen. Der Tumor drückt auf Areale im Gehirn, die fürs Sehen verantwortlich sind. Daher besucht Martin die Louis-Braille-Schule in Lebach (Schule für Blinde und Sehbehinderte), da seine Sehkraft sich in den vergangenen zwei Jahren stark verschlechtert hat. Der Zehnjährige muss nicht nur mit der Tumorerkrankung leben, er hat noch ein ganz seltenes Rückenleiden, Syringomyelie. Martin hat starke Schmerzen in Händen und Füßen und natürlich im Rücken. Deshalb muss er auch ein entsprechend starkes Medikament nehmen, das unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Doch seitens der Schulleitung gab es Bedenken. An einer Schule sollten keine Opiate verabreicht werden. Da Martin nicht der Schule fern bleiben soll, fuhr seine Mutter seit Beginn des Schuljahres jeden Tag zusätzlich von Heusweiler nach Lebach , um Martin in der Pause sein Medikament zu geben. Und das, obwohl es dort eine Krankenschwester gibt und die Medikamente von jedem Erwachsenen verabreicht werden könnten. Ein entsprechender Verordnungsschein liege ebenfalls vor.

Beim Bildungsministerium zeigten sich die Verantwortlichen sehr erstaunt: Es gebe einen Erlass, in dem die Medikamentenabgabe in Schulen genau geregelt sei. Sie hätten den Fall des Zehnjährigen zu Schuljahresbeginn geprüft. Sowohl von juristischer als auch ärztlicher Seite bestünde kein Anlass, dass Martin während der Schulzeit das Medikament nicht verabreicht werden könne. Die Schulleitung wüsste dies auch, sei informiert.

Vor 14 Tagen resignierte Martins Mutter. Sie ließ ihren Sohn zu Hause, obwohl dieser gern in die Schule geht. Sie wandte sich an die Saarbrücker Zeitung. Auf unsere Nachfrage hin, wurde das Ministerium erst auf die Differenzen aufmerksam. Es wurde sofort reagiert. Martin wird nun ab nächster Woche wieder zur Schule gehen. Dort werden ihm die Medikamente dann verabreicht. Schule sei für ihn ein Ort vieler sozialer Kontakte, merkt seine Mutter an, die für ihr krankes Kind soviel Normalität wie möglich haben will.

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