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Taekowondo
„Man kann auch mal Dampf ablassen“

Richtig was los: 273 Teilnehmer gingen am Samstag in der Großsporthalle in Lebach an den Start. Die Zuschauer standen ganz dicht am Geschehen.
Richtig was los: 273 Teilnehmer gingen am Samstag in der Großsporthalle in Lebach an den Start. Die Zuschauer standen ganz dicht am Geschehen. FOTO: Ruppenthal
Lebach. Bei der Saarlandmeisterschaft im Taekwondo gab es diesmal einen Teilnehmerrekord. Die Sportart sieht sich im Aufwind. Von David Benedyczuk

Seitlich versetzt stehen sich die Rivalinnen gegenüber, wippen breitbeinig auf dem roten Untergrund vor und zurück. Wieder und wieder. Beide sind hochkonzentriert, lauern auf den perfekten Moment für die Attacke. Oft ist es Henriette Selbmann aus Sachsen-Anhalt, die im B-Jugend-Finale bis 51 Kilo bei den Saarland-Open im Taekwondo initiativ wird. Doch ihre Gegnerin hat am Samstag meist eine passende Antwort: Immer wieder zischt das rechte Bein von Svenja Skorupa nach einem abgewehrten Angriff blitzschnell hoch und trifft voll auf die E-Weste ihrer Rivalin: Zwei Punkte gibt es dafür, nach 90 Sekunden führt die Lokalmatadorin vom Verein Tae Kwon Do Lebach mit 8:0. „Auf geht’s, Svenja“, rufen die um die Matte stehenden Zuschauer der 13-Jährigen immer wieder zu. Es scheint zu helfen, denn am Ende gewinnt Skorupa 14:3 – das Warten auf den ersten und einzigen Auftritt in der Lebacher Großsporthalle hat sich gelohnt.


„Es war ein guter Kampf von mir. Ich bin zufrieden und freue mich sehr über den Titel“, sagt Svenja, nachdem sie die ersten Glückwünsche von Trainer Axel Müller, der Verwandtschaft und Freunden erhalten hat.

Es ist ihr dritter Landestitel. Wobei das Gros der Sportler an diesem Tag gar nicht aus dem Saarland stammt. Die offenen Meisterschaften lockten auch diesmal wieder viele Starter von außerhalb an – sogar so viele wie noch nie. „273 Starter aus vier Nationen sind eine Rekordzahl, nachdem die Veranstaltung zuletzt zu einem von vier nationalen Ranglistenturnieren aufgewertet wurde“, erklärt Müller.



 Eduard Meyer gesteht: „Wir sind schon stolz, dass uns die Deutsche Taekwondo-Union das Vertrauen ausgesprochen hat. Das Turnier ist absolut positiv gelaufen. Wir haben schon eine Zusage für eine nächstes Jahr“, berichtet der Präsident der TU Saar gegen Ende des erfolgreichen Pilot-Wettbewerbs, dem im Rahmen einer neuen Turnierserie Stationen in Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen folgen. „Man muss gerade für die jungen Taekwondo-Kämpfer neue Anstöße geben“, nennt Meyer die Intention.

Neuen Schwung hat der TU Saar auch Diplom-Trainer Müller beschert. Der Westerwälder ist seit November Landestrainer, betreibt seit Jahren in Nistertal ein Taekwondo-Leistungszentrum und reist mit seinen Schützlingen zu internationalen Turnieren. Davon profitiert auch der hiesige Nachwuchs, denn mit Lenya Sauer vom TKD Elm steht eine Saarländerin im Bundeskader. „Die Nachwuchssituation ist inzwischen sehr gut. Wir sind zwar Randsportart und haben zu kämpfen – aber wir sind auf einem sehr guten Weg“, findet Meyer. Weil viele Schützlinge des Westerwälders Müller nach dessen Verbandswechsel nun für die TU Saar starten, darf die sich über Medaillen en Masse freuen. Längst nicht alle Erfolge stammen von waschechten Saarländern, doch das gemeinsame Training bringt auch sie weiter. Etwa Svenja Skorupa, die vor acht Jahren mit Taekwondo anfing. „Vorher habe ich Fußball gespielt, bis ich darauf keine Lust mehr hatte. An Taekwondo gefällt mir, dass ich mich dabei völlig frei fühlen kann. Und wenn man wütend ist, kann man so auch mal Dampf ablassen“, sagt die Siebtklässlerin.

Für sie ist es das erste Jahr, in dem sie international mitmischt. Wenn es optimal läuft, kann sie sich diese Woche bei den Luxemburg Open für die Europameisterschaft qualifizieren. Dazu bräuchte sie einen Sieg im Großherzogtum oder bei der deutschen Meisterschaft. Oder zumindest zwei Mal Rang drei bei beiden Turnieren – laut Svenja ist das drin: „Wenn ich den richtigen Ehrgeiz aufbringe, ist vieles machbar.“ Das bestätigt Landestrainer Müller, der zur jüngsten Entwicklung sagt: „Wir haben in kürzester Zeit Kämpfer zu EM-Fahrern entwickeln können und nahe an den Bundeskader geführt. Es ist besser gelaufen als erwartet.“ > siehe auch Sport kompakt