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Liebesgaben gehen an die Front

Liebesgaben gehen an die Front

Benno Müller aus Lebach ist Mitglied im Historischen Verein Lebach. Er beschäftigte sich in der Vergangenheit mit der Chronik der Volksschule Falscheid („Historischer Kalender 2011“), in der die Lehrpersonen Josef Holbach und Maria Schmidt über dörfliche Ereignisse aus der Zeit des 1. Weltkrieges (1914 - 1918) berichten. So vermerken sie unter anderem, dass mehrmals Sammlungen für die Frontsoldaten stattfanden und zu Spenden für diese aufgerufen wurde. Auch die Dankschreiben von der Front nahmen sie in die Chronik auf.

Kriegscaritas in Falscheid , 21. Januar 1915. Der Opfermut, der im ganzen deutschen Vaterlande entflammt ist und so herrliche Früchte zeitigt, lässt auch unser stilles Dörfchen nicht unberührt. Jeder, besonders aber die ärmere Bevölkerung, trägt hier nach Kräften ihr Scherflein bei. Außer den kirchlichen Kollekten wurden bis jetzt schon 2 Sammlungen für den Vaterländischen Frauenverein und mehrere für das Rote Kreuz abgehalten. Die Schulkinder brachten aus ihren Sparpfennigen die Summe von 12 Mark beieinander, wovon die Schulmädchen Pulswärmer, Ohrenwärmer und Kopfhüllen strickten.

Vor Weihnachten wurde ein schweres Paket (12 kg Backwaren, von den Kindern wurden die Zutaten gesammelt und dann von der Lehrerin mit den Schulmädchen und einigen entlassenen Mädchen verarbeitet) an die Verwundeten des Feldlazaretts 3, XVI. Armeekorps. (Montmedy) geschickt.

gez. M. Schmidt

Mitte Januar veranstaltete der Vaterländische Frauenverein eine Sammlung alter Wollsachen sowie eine Geldsammlung, die einen guten Ertrag hatten.

Frankreich, Argonnerwald 29.1.15

Wertes Fräulein!

Wenn diese Dankeszeilen erst heute in Ihre Hände gelangen, dann möchte ich Sie und Ihre lieben Kinder vor allem um Entschuldigung bitten, dass ich nicht schon geschrieben habe. Ich möchte Ihnen und Ihren Kindern an dieser Stelle nun vor allem den tiefen Dank aussprechen für das prächtige Weihnachtspaket, das Sie denen gesandt haben, die im Argonner Walde für Deutschlands Größe geblutet haben. Die vielen Tage harter und anstrengender Arbeit ließen mich bisher nicht zum Schreiben kommen. Ich kann Ihnen an dieser Stelle leider unser Weihnachtsfest nicht schildern, da der Arbeit so viel ist; nur das eine möchte ich Ihnen und Ihren lieben Kindern sagen, dass uns am Weihnachtsabend die Liebe der deutschen Heimat gezeigt hat, dass betende Herzen hinter uns stehen und unsere Siege mit erringen helfen.

Möge der Lenker der Schlachten auf die Opferwilligkeit des deutschen Volkes seinen Segen legen und uns einst siegreich in die Heimat zurückführen.

In herzlicher Dankbarkeit und treudeutschem Gruß an Sie und Ihre lieben Kinder

gez. W. Bernhard

Sanitäts-Sergeant.

Feldlazarett 3

Abs. Dr. Auler Oberstabsarzt,

Chefarzt Feldlazarett 3, 16. Armeekorps.

An Fräulein M. Schmidt, Lehrerin in Falscheid

Geschrieben, den 12. Januar 1915

Geehrtes Fräulein Schmidt! Die von Ihren Schulkindern gesammelten Liebesgaben kamen heute hier an und an die richtige Adresse, da wir außer innerlich Kranken 100 Schwerverletzte hier haben, die so lange bei uns bleiben müssen, bis sie per Bahn nach Deutschland können. Ich spreche Ihnen und Ihren Schulkindern im Namen unserer Kranken, die sich über die Spende sehr freuten, meinen herzlichen Dank aus.

Mit besten Grüßen an Sie und alle Kinder

Ihr ergebener Dr. Auler

In loser Folge wird an dieser Stelle über weitere Ereignisse des Ersten Weltkrieges berichtet, wie sie die Volksschulen Falscheid und Eidenborn aufzeichneten.