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Die letzte Reise
Koffer für die letzte Reise in Lebach

Blick auf einen Teil der Ausstellung in der katholischen Kirche Lebach.
Blick auf einen Teil der Ausstellung in der katholischen Kirche Lebach. FOTO: Dieter Lorig
Lebach. In einer Ausstellung werden Koffer gezeigt, die Menschen – darunter auch Saar-Promis – für ihre letzte Reise packen würden. Von Dieter Lorig

114 kleine schwarze Koffer lagern zur Besichtigung in der Lebacher Pfarrkirche Hl. Dreifaltigkeit und St. Marien. Die unterschiedlich bepackten Koffer sind Teil einer Kunstausstellung, die in dieser Art erstmals im Saarland zu sehen ist. „Koffer für die letzte Reise – einmal Jenseits und zurück“, lautet das Thema der ungewöhnlichen Ausstellung. In den Koffern haben deren Besitzer all das verstaut, was sie auf die Reise aus ihrem Leben mitnehmen würden. Etwa 250 Besucher kamen zur Ausstellungseröffnung in die katholische Pfarrkirche Lebach. „Es ist ein ungewöhnlicher, aber passender Ort für so eine Präsentation, in der es um Leben und Tod geht“, sagte Gastgeber Pastor Hermann Zangerle zur Begrüßung.


„Das ist hier ist keine Science-Fiction, sondern ein reales Angebot für Christen, darüber nachzudenken, was im eigenen Leben wirklich wichtig ist“, betonte der Pfarrer. So sind denn manche Koffer voller materieller Gegenstände, andere visualisieren nur Erinnerungen und einige sind komplett leer. Die Idee und das Konzept dieser Ausstellung, die seit 2006 auf Wanderschaft in ganz Europa und Mexiko war, stammen von dem verstorbenen Bestatter Fritz Roth aus Bergisch Gladbach. Es ist der Initiative der Lebacher Gemeindereferentin und Pfarreienratsvorsitzenden Marlene Schenk zu verdanken, dass die Ausstellung erstmals im Saarland zu sehen ist.

„Mehr als 150 Helfer und Helferinnen aus der Pfarreiengemeinschaft Lebach und benachbarten Seelsorgebezirken haben diese Ausstellung bei uns vorbereitet und sind teils immer noch im Einsatz“, lobte Pastor Zangerle. „Die Ausstellung lädt dazu ein, in Gedanken an das Ende des eigenen Lebens und darüber hinaus zu reisen“, erläuterte Gemeindereferentin Schenk. So werde einem die Endlichkeit bewusst, weshalb das Leben und Zusammenleben in der Gegenwart erfüllt gestaltet werden sollte. „Wenn wir unserem Leben einen Sinn geben und an ein Leben nach dem Tod glauben, dann sind wir für unsere letzte Reise gut vorbereitet“, sagte Landtagspräsident Stephan Toscani in seiner Ansprache. Er vertrat die Schirmherrin der Ausstellung, Annegret Kramp-Karrenbauer. Auch Toscani packte einen Koffer, so wie zwölf weitere prominente Saarländer. „Ich habe nur Worte aus dem biblischen Buch Prediger eingepackt, wo es sinngemäß heißt, nackt wie er kam, muss er wieder gehen“, verriet Toscani. Der frühere Umweltminister Stefan Mörsdorf legte lediglich drei Kerzen in seinen Koffer. „Das ist meine Kommunionskerze als Erinnerung an eine schöne Kindheit, eine weitere Kerze, gestaltet von meiner kleinen Tochter und eine Osterkerze als Zeichen dafür, dass mit dem Tod nicht alles vorbei ist“, sagte Mörsdorf.



Im ausgestellten Koffer von Weihbischof Robert Brahm liegen unter anderem, eine Synodenkerze, ein Gebetbuch und Familienfotos. „Ich habe mein Leben geliebt, war glücklich und würde alles nochmal so machen“, ist auf einen Zettel im Koffer der aus Lebach stammenden Krimiautorin Deana Zinßmeister zu lesen. Mit dazu packte die Autorin noch eine Flasche Rotwein, ein Glas und einen Öffner. Aber auch sehr ungewöhnliche Beigaben, wie Totenschädel oder menschliche Knochenreste, finden sich in einzelnen Koffern.

„Manche Kofferinhalte haben mich geschockt, viele andere nachdenklich gemacht“, resümierte ein Besucher aus Lebach. Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnungsfeier durch den ChorBunt unter Leitung von Gabi und Jürgen Fröhlich.

Die Ausstellung in der katholischen Kirche Lebach geht noch bis Pfingstsonntag, 20. Mai. Weitere Info, Tel. (0 68 81) 23 23.

Landtagspräsident Stephan Toscani (r.) hat einen biblischen Spruch eingepackt, Minister a. D. Stefan Mörsdorf (l.) entchied sich für drei Kerzen.
Landtagspräsident Stephan Toscani (r.) hat einen biblischen Spruch eingepackt, Minister a. D. Stefan Mörsdorf (l.) entchied sich für drei Kerzen. FOTO: Dieter Lorig
Kofferinhalt der Buchautorin Deana Zinßmeister: Eine Flasche Rowein mit Glas und Öffner.
Kofferinhalt der Buchautorin Deana Zinßmeister: Eine Flasche Rowein mit Glas und Öffner. FOTO: Dieter Lorig